Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Fallzahlen gesunken - Positivrate gestiegen

Thomas Braun   18.05.2021 | 16:07 Uhr

Im Wochenvergleich sind die Corona-Fallzahlen im Saarland weiter gesunken. Keine Kommune liegt mehr über einer 200er Inzidenz. Aufgrund des Feiertages wurde aber auch deutlich weniger getestet. Und die zeitgleich gestiegene Positivrate könnte auf ein weiter hohes Infektionsgeschehen hindeuten.

Die zweite Woche in Folge haben die saarländischen Gesundheitsbehörden einen deutlichen Rückgang bei den neu gemeldeten Coronafällen verzeichnet. Im Vergleich zur Vorwoche sank die Zahl um gut 18 Prozent auf 872.

Corona-Check: Prof. Lehr zu den sinkenden Corona-Fallzahlen
Video [SR.de, (c) SR, 18.05.2021, Länge: 01:37 Min.]
Corona-Check: Prof. Lehr zu den sinkenden Corona-Fallzahlen

Im Saarland lag Ende der vergangenen Woche keine Stadt oder Gemeinde mehr über einer 200er Inzidenz. Knapp 70 Prozent der Kommunen hatten eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 100, jeder vierte sogar einen Wert unter 50.

Testzahlen um 20 Prozent gesunken

Bei dem Rückgang der Fallzahlen spielt aber auch der Feiertag vergangene Woche eine Rolle, wie der Saarbrücker Professor für Klinische Pharmazie, Thorsten Lehr, anmerkt. "Prinzipiell muss man mit den Zahlen etwas vorsichtig sein, weil sie durch den Feiertag etwas verzerrt sind", so Lehr. Es hätten sich zum Beispiel weniger Menschen testen lassen.

Wie stark die Testzahlen tatsächlich gesunken sind, zeigen exemplarisch Daten des größten saarländischen Labors, Bioscientia in St. Ingbert. Am Feiertag Christi Himmelfahrt wurden dort nur 317 Proben analysiert - in den Wochen zuvor waren es donnerstags jeweils zwischen 1750 und 2000 Proben. Auch an den Folgetagen des langen Wochenendes lagen die Testzahlen niedriger als sonst. Insgesamt wurden über die gesamte Woche gut 20 Prozent weniger Tests analysiert als noch eine Woche zuvor. In allen saarländischen Laboren zusammen lag der Rückgang sogar bei fast 25 Prozent

Positivrate gestiegen

Etwas kompensiert wird der Effekt der niedrigen Testzahlen nach Einschätzung von Lehr aber dadurch, dass zeitgleich die Positivrate gestiegen ist. "In dieser Woche haben sich vermutlich vor allem Menschen testen lassen, die Symptome wie Fieber oder Husten gezeigt hätten. Dadurch steigt dann auch die Positivrate", so Lehr.

Dass die Positivrate zuletzt bei rund zehn Prozent lag, bereitet dem Experten aber auch etwas Sorgen. "Eine hohe Testpositivenrate bedeutet, dass wir im Moment auch noch ein hohes Infektionsgeschehen haben, möglicherweise auch noch eine hohe Dunkelziffer", sagte Lehr. Deshalb sei es weiterhin wichtig, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten und das Impfen voranzutreiben.

Hohe Impfquote bei 60+

Im Saarland sind mittlerweile etwa drei Viertel der über 60-Jährigen mindestens einmal geimpft, bei den Jüngeren ist es erst jeder Vierte.

Die Impfungen zeigen bereits einen deutlichen Effekt auf die Altersverteilung bei neuen Corona-Infektionen. Der Anteil der über 60-Jährigen lag in der vergangenen Woche nur noch bei 12,5 Prozent - rund um Weihnachten waren es noch 36 Prozent.

Der Anteil der unter 20-Jährigen stieg im gleichen Zeitraum von rund zehn Prozent auf zuletzt 28 Prozent. Wobei es zwischen den Kreisen in der vergangenen Woche teils deutliche Unterschiede gab: Im Kreis Saarlouis machten die Infektionen bei Kindern und Jugendlichen 33 Prozent aller Fälle aus, in Merzig-Wadern hingegen nur 18 Prozent.

Rückgang in fast allen Altersgruppen

Insgesamt sind die Fallzahlen saarlandweit in fast allen Altersgruppen zuletzt weiter gesunken - wobei hier aber der bereits erwähnte Feiertagseffekt mit eine Rolle spielen könnte.

Ob das Infektionsgeschehen also tatsächlich weiter rückläufig ist oder die Fallzahlen nur stark durch den Feiertag verzerrt wurden, werden erst die kommenden Tage zeigen: Sinken die Inzidenzen in den Kreisen weiter, oder ziehen sie wieder an?

In Saarlouis und Merzig-Wadern zum Beispiel zeigte die Kurve zumindest am Dienstag wieder leicht nach oben. Bis auf Saarlouis liegen derzeit aber alle Kreise im Saarland weiter unter dem Grenzwert von 100 neuen Fällen pro 100.000 Einwohnern, der für die Bundesnotbremse relevant ist.

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