Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Sinkende Corona-Zahlen in zwei Drittel der Kommunen

Thomas Braun   11.05.2021 | 15:58 Uhr

In den meisten Städten und Gemeinden im Saarland sind die Infektionszahlen in der vergangenen Woche quer über alle Altersgruppen hinweg gesunken. Der Homburger Virologe Jürgen Rissland ist optimistisch, dass sich der Trend fortsetzt - wenn die Menschen weiter eine entsprechende Vorsicht walten ließen und nicht an den falschen Stellen zu früh gelockert werde.

In der vergangenen Woche haben die saarländischen Gesundheitsämter 1069 neue Coronainfektionen gemeldet - und damit gut ein Viertel weniger als eine Woche zuvor. In allen Altersgruppen gingen die Infektionszahlen zurück. Bei den über 80-Jährigen haben sich die Zahlen auf einem sowieso schon sehr niedrigen Niveau noch einmal fast halbiert.

Inzidenz in gut der Hälfte der Kommunen unter 100

Auch in den meisten Städten und Gemeinden gab es weniger neue Coronafälle. In zwei Drittel der Kommunen sind die Fallzahlen im Vergleich zur Vorwoche gesunken. Besonders deutlich war der Rückgang unter anderem in Mettlach, Tholey und Namborn. Hier gab es jeweils nur noch einen neuen Fall - statt wie in der Vorwoche bis zu 23 Fälle. Entsprechend sank auch die Inzidenz sehr deutlich. Die drei Orte liegen nun wie neun andere Kommunen unter einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50. Unter 100 lag sogar mehr als jede zweite Kommune im Saarland

Im Vergleich zur Vorwoche gab es auch weniger Kommunen mit einer Inzidenz über 200. Nur Ensdorf, Blieskastel und Nonnweiler lagen über diesem Wert.

Fallbeispiel: Blieskastel

Insbesondere Blieskastel verzeichnete einen deutlichen Anstieg. Dort gab es in der vergangenen Woche 44 Fälle und damit genau doppelt so viele wie eine Woche zuvor. Der Anstieg geht nach Angaben des Landkreises unter anderem auf einen kleineren Ausbruch in einer Kita und entsprechende Folgefälle innerhalb der Familien zurück.

Dieser eine Ausbruch und zusätzliche Fälle innerhalb von Familien haben mit dazu beigetragen, dass im gesamten Landkreis insbesondere bei Kindern die Inzidenzzahlen nach oben getrieben wurden. In der Folge ist auch die Gesamtinzidenz entgegen des saarlandweiten Trends zeitweilig wieder angestiegen.

Große Inzidenzsprünge in kleinen Orten verzerren das Bild

Corona-Check: Welche Gefahr besteht bei einer Trendumkehr?
Video [SR.de, (c) SR, 11.05.2021, Länge: 01:10 Min.]
Corona-Check: Welche Gefahr besteht bei einer Trendumkehr?
Die Coronazahlen im Saarland sinken - der Trend zeigt aus Sicht des Virologen Dr. Jürgen Rissland in die richtige Richtung. Gerade bei den anstehenden Lockerungen sollte man aber sorgsam vorgehen, sonst könnte es zu einem Jojo-Effekt und wieder steigenden Zahlen kommen.

Die Inzidenz ist aus Sicht des Virologen Dr. Jürgen Rissland zwar ein gutes Instrument, um Entwicklungen miteinander zu vergleichen - gerade bei kleineren Städten oder auch einzelnen Altersgruppen sollten einzelne hohe Werte aber nicht überinterpretiert werden. Denn der Inzidenzwert wird immer auf eine Bevölkerung von 100.000 hochgerechnet. In einer Gemeinde wie Blieskastel mit rund 20.000 Einwohnern ist der rechnerische Inzidenzwert also fünf Mal höher als die tatsächliche Fallzahl.

Ein kleiner Ausbruch in einer Kita, der sich in einer Großstadt kaum auf die Gesamtentwicklung auswirken würde, kann dann wiederum in einer Kleinstadt ein Treiber der Inzidenz sein. Auch auf Landkreisebene sind die Abstände nicht so groß: Im Saarpfalz-Kreis zum Beispiel machen 70 zusätzliche Fälle in einer Woche - also zehn pro Tag - den Unterschied zwischen einer Inzidenz von 100 und einer Inzidenz von 150 aus.

Entwicklung genau beobachten

Auch deshalb müsse man immer genau hinschauen, wenn die Zahlen regional ansteigen, so Rissland. Habe man hier einen Jojo-Effekt, weil zu früh gelockert wurde - oder ist es nur ein kurzfristiger Anstieg wegen eines einzelnen Ausbruchs.

Generell rät der Virologe dazu, die anstehenden Lockerungen mit Bedacht anzugehen. "Ein Teil des bisher erzielten Erfolges kann dadurch zunichte gemacht wird, weil zu einem falschen Zeitpunkt falsche Lockerungsmaßnahmen ergriffen wurden." Deshalb müssten Lockerungen sorgsam angegangen werden. "Wenn man das macht, kann man mit einer gewissen Verlässlichkeit sagen, dass man diesen Jojo-Effekt vermeiden kann."

Dabei sollte man auch auf die epidemiologischen Erkenntnisse der vergangenen Monate bauen. So seien etwa Aktivitäten draußen mit Blick auf die Infektionsgefahr relativ überschaubar. Auch im Einzelhandel sei es möglich, Öffnungen vorzunehmen, so Rissland. In Bars hingegen oder dort wo Menschen dicht gedrängt zusammenkommen, sei das Infektionsrisiko größer.

Noch wenige Impfungen in der jüngeren Bevölkerung

Die Impfungen seien als Effekt für die gesamte Bevölkerung derzeit nur begrenzt wirksam - da zunächst die besonders gefährdeten Personengruppen, also vornehmlich ältere Menschen, geimpft wurden. Dadurch werde zwar die Belastung des Gesundheitssystems reduziert. "Auf der anderen Seite haben wir natürlich immer noch den Umstand, dass das Virus sich weiter verbreiten kann - gerade in der arbeitenden Bevölkerung."

Während bei den über 60-Jährigen mehr als zwei Drittel mindestens eine Impfung haben, sind es bei den unter 60-Jährigen aktuell noch weniger als 20 Prozent. Vollständig geimpft in dieser Altersgruppe sind bislang nur rund drei Prozent.

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