Bildmontage: Symbolhaftes Teströrchen mit der Aufschrift Covid-19 positiv hinter einer Saarlandkarte (Foto: picture alliance/Weber/Eibner-Pressefoto, SR)

Deutlich mehr Coronafälle bei Jüngeren

Thomas Braun   29.03.2021 | 13:10 Uhr

Im Saarland sind die Corona-Meldezahlen in der vergangenen Woche stark gestiegen - insbesondere bei jüngeren Menschen. Deutlich mehr Kommunen liegen wieder über einer Inzidenz von 100. Angesichts der ansteckenderen Virusvariante B.1.1.7 müssten die Verhaltensregeln jetzt noch konsequenter umgesetzt werden, betonen Experten.

799 neue Coronafälle meldeten die Gesundheitsbehörden im Saarland in der vergangenen Woche - 24 Prozent mehr als noch eine Woche zuvor. Die Sieben-Tage-Inzidenz kletterte von 66,8 auf 81,1. Das ist zwar immer noch der zweitniedrigste Wert bundesweit - die Tendenz zeigt aber nun auch im Saarland wie in allen anderen Bundesländern deutlich nach oben.

Die größten Anstiege gab es bei den unter 19-Jährigen. In der Altersgruppe von null bis neun Jahren wurden mit 99 Neuinfektionen sogar die höchsten Fallzahlen innerhalb einer Woche seit Beginn der Pandemie gemeldet. Damit zeigt sich auch im Saarland der Trend, den das Robert-Koch-Institut bundesweit schon seit mehreren Wochen beobachtet.

Hohe Inzidenzen im Kreis Neunkirchen

Die höchsten Inzidenzen bei Kindern gibt es derzeit im Kreis Neunkirchen. Auch insgesamt liegt der Landkreis mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 131,8 deutlich über dem Landesschnitt.

Nach Angaben einer Sprecherin des Landkreises gab es mehrere Ansteckungen in Großfamilien. Sie sind - neben einem Ausbruch im Fliednerkrankenhaus - auch der Hauptgrund dafür, dass Neunkirchen nach Friedrichsthal mit 188,9 derzeit die zweithöchste Inzidenz landesweit hat.

Anders als noch in den vergangenen Woche gibt es aktuell im Saarland keine Kommune mehr ohne neue Coronafälle. Die Zahl der Städte und Gemeinden mit einer Inzidenz über 100 verdoppelte sich im Vergleich zur Vorwoche auf 16.

Nonnweiler und Oberthal: Von über 200 auf unter 50

Dass gerade bei sehr kleinen Gemeinden aber eine hohe Inzidenz nicht überbewertet werden darf, zeigen die Beispiele Nonnweiler und Oberthal. Beide Orte hatten in der vergangenen Woche eine rechnerische Inzidenz von über 200 - saarlandweit die höchsten Werte. Dahinter standen real 22 beziehungsweise 13 Fälle. In der vergangenen Woche sind aber nur wenige neue Fälle hinzugekommen, die Inzidenz in beiden Orten sank wieder unter 50.

Auch deshalb geben wir in unserer interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen mit an. Dadurch kann das Infektionsgeschehen sowohl untereinander vergleichen, als auch ortspezifisch realistisch einordnen.

Zahl der Todesfälle weiter niedrig, Klinikbelegung steigt

Die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit einer Coronainfektion liegt im Saarland aktuell weiter auf einem niedrigen Niveau. In der vergangenen Woche wurden acht zuvor infizierte Personen als verstorben gemeldet.

Allerdings steigen die Belegungszahlen in den Kliniken an: Gab es Anfang der Woche im Saarland noch 109 Patienten in stationärer Behandlung, waren es am Sonntag schon 135. Die Zahl der Intensivpatienten blieb gleich - hier ist allerdings bundesweit ein klar steigende Tendenz zu erkennen. Binnen einer Woche stieg die Zahl der zeitgleich in Behandlung befindlichen Intensivpatienten um über 400.

Die Entwicklung auf den Krankenhaus- und Intensivstationen zeigt auch, dass der Anstieg der Fallzahlen nicht nur auf eine vermehrte Testung, sondern tatsächlich auf ein gestiegenes Infektionsgeschehen zurückzuführen ist.

Nicht Altersgruppen, sondern Situationen als "Treiber der Pandemie"

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung in Deutschland - und insbesondere auch dem Anstieg der Fallzahlen bei Jüngeren - betonten führende Virologen vergangene Woche im Rahmen einer virtuellen Podiumsdiskussion der Gesellschaft für Virologie, dass man einzelne Altersgruppen oder Bevölkerungsgruppen nicht als "Treiber" einer Pandemie bezeichnen könne.

"Es ist weiterhin der Eindruck, dass eigentlich alle Altersgruppen gleich viel Virus ausscheiden", sagte Professor Christian Drosten von der Berliner Charité. Dr. Thomas Stamminger von Ulmer Uniklinik ergänzte, dass es vielmehr bestimmte Situationen seien: Immer dort, wo Menschen zusammenkommen und die Hygiene- und Schutzmaßnahmen nicht oder nicht ausreichend eingehalten werden könnten, könne es zu Übertragungen kommen. "Das ist letztlich vollkommen unabhängig, ob das ältere Menschen sind oder Kinder", sagte Stamminger.

B.1.1.7: Höhere Viruslast, länger infektiös

Die Hauptursache für die stark steigenden Zahlen ist die erstmals in Großbritannien entdeckte Virusvariante B.1.1.7, die mittlerweile auch im Saarland die dominierende Virusvariante ist. Sie ist deutlich ansteckender als das herkömmliche Sars-CoV-2-Virus.

Personen, die sich mit dieser Virusvariante infiziert haben, hätten zum Beispiel eine deutliche höhere Viruslast als andere Patienten, erklärte Drosten. Professor John Ziebuhr von der Uni Giessen ergänzte, dass es auch Hinweise darauf gebe, dass Infizierte das Virus länger ausschieden. "Wenn man länger infektiös ist und hohe Viruslasten trägt, dann ist natürlich auch die Gefahr, dass das Virus weitergegeben wird, erhöht", sagte Ziebuhr.

Verhaltensfehler bei Hygieneregeln werden eher bestraft

Für die Hygiene-, Abstands- und Lüftungsregeln bedeute dies, dass sie noch konsequenter eingehalten werden müssten, betonte der Heidelberger Virologe Ralf Bartenschlager im Rahmen der Podiumsdiskussion. Verhaltensfehler würden ansonsten viel eher zu einer Virusübertragung führen.

Schnellere Ausbreitung innerhalb von Familien

Das passt zur Beobachtung, die der Saarbrücker Professor für Klinische Pharmazie, Thorsten Lehr, im Saarland macht: Anders als das ursprüngliche Virus breite sich B.1.1.7 schneller innerhalb von Familien aus - also dort, wo Schutzmaßnahmen wie FFP2-Masken oder regelmäßiges Lüften eher selten umgesetzt werden.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja