Ein Junge sitzt mit zusammengekauert auf einer Bank. (Foto: Imago Images/Panthermedia)

Psychische Gesundheit vieler Saar-Schüler ist angegriffen

mit Informationen von Steffanie Balle und epd   16.01.2020 | 16:24 Uhr

Jedes fünfte Schulkind im Saarland zeigt psychische Auffälligkeiten. Das ergibt sich aus dem Gesundheitsreport der DAK, der in diesem Jahr die Kinder- und Jugendgesundheit im Fokus hat.

Laut der Studie sind 22 Prozent aller saarländischen Schulkinder im Alter von zehn bis 17 Jahren von einer psychischen Erkrankung oder Verhaltensstörung betroffen. Vor allem jüngere Schulkinder fallen häufig durch Entwicklungsstörungen auf, etwa durch Sprach- und Sprechstörungen.  Auch Verhaltensstörungen wie ADHS sind verbreitet.

Video [aktueller bericht, 16.01.2020, ab 13:39 Min.]
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Affektive Störungen kommen laut DAK-Studie vor allem bei Kindern ab elf Jahren vor. Etwa 1,7 Prozent der Jungen und Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren leiden demnach an einer Depression, 2,2 Prozent an Angststörungen. Damit unterscheidet sich das Saarland kaum vom Bundesschnitt. Besonders gefährdet sind Kinder, deren Eltern bereits unter Depressionen oder Suchterkrankungen leiden. Außerdem erhöht eine chronische Erkrankung wie Diabetes, aber auch starkes Übergewicht die Wahrscheinlichkeit, an einer depressiven Erkrankung zu leiden.

Symptombehandlung statt Diagnose

Eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Störungen im Saarland zu- oder abgenommen hat, hatten die Experten nicht. Julian Witte, von der für die Studie verantwortliche Uni Bielefeld, sagte dass es dazu unterschiedliche Auskünfte gebe. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts sei sie gesunken, laut einer Auswertung von Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigung dagegen gestiegen.

Der Vorstandsvorsitzende der DAK, Andreas Storm, geht jedenfalls davon aus, dass die Dunkelziffer sehr viel höher als die statistischen Daten ist. Häufig würden Ärzte nicht Diagnosen über psychische Störungen stellen, sondern eher die Symptome wie Bauch-, Kopf- oder Rückenschmerzen längerfristig behandeln, um eine Stigmatisierung des Kindes zu vermeiden. Das bestätigt auch der kommissarische Leiter der Kinder- und Jugendklinik am Uniklinikum Homburg, Michael Zemlin.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 16.01.2020 berichtet.

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