Notarztkoffer mit der Aufschrift: Geburt (Foto: imago images / blickwinkel)

"Geburtshelfer" mit gefährlichen Nebenwirkungen

Anke Birk / Onlinefassung: Thomas Braun   12.02.2020 | 19:03 Uhr

Um eine Geburt einzuleiten, greifen Ärzte laut einer Recherche des BR und der Süddeutschen Zeitung auch zu Cytotec-Tabletten. Das Medikament ist für diesen Zweck aber gar nicht zugelassen und kann gefährliche Nebenwirkungen haben. Auch im Saarland kommt es offenbar zum Einsatz.

Es ist eine kleine Tablette - eigentlich ein Magenschutzmittel, das aber auch Wehen auslösen kann. Und genau für diesen Zweck kommt es in der Geburtshilfe zum Einsatz, wie Recherchen des Bayrischen Rundfunks und der Süddeutschen Zeitung ergaben.

Dabei ist Cytotec in der Geburtshilfe gar nicht zugelassen. Und es kann zu gefährlichen Nebenwirkungen führen: So kann es etwa Wehenstürme geben – extrem schnelle aufeinander folgende Wehen, die beim Kind zu einem Sauerstoffmangel führen können. Auch das Risiko eines Gebärmutterrisses besteht.

Einsatz aus Kostengründen

Interview mit Dr. Solomayer zum Einsatz von Cytotec zur Geburtseinleitung
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 13.02.2020, Länge: 03:57 Min.]
Interview mit Dr. Solomayer zum Einsatz von Cytotec zur Geburtseinleitung

Dem Bericht zufolge kommt das Medikament in jeder zweiten deutschen Geburtsklinik zum Einsatz - und offenbar auch im Saarland. Das bestätigte der saarländische Hebammenverband dem SR. Die Vorsitzende Anne Wiesen sagte, dies geschehe aus Kostengründen. Cytotec-Tabletten seien günstiger zur Geburtseinleitung als das alternative Prostaglandine-Gel.

Cytotec werde den werdenden Müttern aber immer nur auf Anweisung eines Arztes verabreicht. Die Frauen würden vorher unterschreiben, dass es Risiken bei der Einnahme des Mittels gebe.

Wiesen befürchtet, dass es künftig bundesweit zu einer Prozesswelle von Müttern oder Krankenversicherungen kommen könne. Laut BR- und SZ-Recherche gab es bereits Todesfälle, die aufgrund von Komplikationen nach der Einnahme von Cytotec aufgetreten sind. Mehrere Babys in Deutschland und Frankreich seien demnach verstorben.

Gynäkologen verteidigen Einsatz von Cytotec

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hingegen verteidigt den Einsatz des Präparates. Der Einsatz des Wirkstoffes„Misoprostol“, der in Cytotec enthalten sei, sei "zur Geburtseinleitung unter Experten nicht umstritten". Allerdings dürfe es nicht bei allem Patientinnen eingesetzt werden.

Dieser Beitrag wird nicht mehr aktualisiert. Die aktuelle Entwicklung finden Sie hier.

Über dieses Thema hat auch die Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 am 13.02.2020 berichtet.

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