Symboldbild mit Coronavirus und Saarlandkarte (Foto: SR/Jens Gerlach)

Trügerisch niedrige Fallzahlen in vielen Kommunen

Thomas Braun   31.12.2020 | 09:06 Uhr

In den meisten saarländischen Kommunen ist die Zahl der gemeldeten Coronafälle über die Feiertage gesunken - teils sogar sehr deutlich. Die Zahlen besitzen jedoch nur eine bedingte Aussagekraft.

In 80 Prozent der saarländischen Städte und Gemeinden gab es bei den Coronafallzahlen einen Rückgang - oftmals sogar um mehr als 50 Prozent. Mit Riegelsberg, Dillingen, Ensdorf und Beckingen liegen aktuell nur noch vier saarländische Kommunen bei einer Sieben-Tage-Inzidenz über 200. In den Wochen zuvor sah das noch ganz anders aus.

Die meisten neuen Fälle pro 100.000 Einwohner gab es in den vergangenen sieben Tagen in Riegelsberg. Insgesamt 68 neue Fälle bedeuteten hier eine Inzidenz von 471. Ein großer Teil der Fälle geht nach Angaben des Regionalverbandes auf einen Ausbruch in einem Pflegeheim in der Gemeinde zurück.

Überherrn mit nur einem neuen Fall

Die höchsten absoluten Fallzahlen gab es - wie bereits in der vergangenen Woche - in Saarbrücken und Völklingen. Die Werte liegen allerdings deutlich unter denen der Vorwochen.

Die Gemeinde mit den wenigsten neuen Fällen ist Überherrn. Hier wurde über die Feiertage nur eine Person positiv auf das Coronavirus getestet. Entsprechend niedrig ist dort die Inzidenz: Sie liegt - wie in fünf weiteren saarländischen Kommunen - derzeit unter dem Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen.

Aussagekraft der Zahlen aktuell eingeschränkt

Hinter der Aussagekraft dieser Zahlen steht allerdings ein großes Fragezeichen, wie beispielsweise das Robert Koch-Institut betont. Während der Weihnachtsfeiertage würden weniger Menschen einen Arzt aufsuchen, entsprechend würde auch weniger getestet.

Das hat sich auch bei den Fallzahlen insgesamt gezeigt: Kurz nach Weihnachten waren sie auf nur noch 63 beziehungsweise 69 neue Fälle am Sonntag und Montag gesunken und zuletzt wieder auf das Niveau von vor den Festtagen mit etwa 300 täglichen Neuinfektionen angestiegen.

Hans geht von Verlängerung des Lockdowns aus

Auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hält die niedrigen Fallzahlen über die Feiertage für "trügerisch". "Wir dürfen uns von diesen Zahlen nicht täuschen lassen, denn diese Zahlen haben Feiertagssymptome", sagte er der Rheinischen Post. Hans unterstrich noch einmal, dass der derzeit gültige Lockdown aus seiner Sicht notwendig war und wohl auch Anfang Januar verlängert werden müsse.


Inzidenzwert richtig einordnen

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja