Symbolbild: Illustration von Corona-Viren auf einer Saarlandkarte, Hintergrund: Laborsituation (Foto: Sebastian Knöbber/SR)

Kleiner Corona-Ausbruch in Merzig

  12.06.2020 | 14:21 Uhr

Ein Teil der neuen Coronafälle der vergangenen Tage im Saarland geht auf einen Ausbruch innerhalb einer Familie in Merzig zurück. Fünf Familienangehörige waren positiv getestet worden, insgesamt 23 Kontaktpersonen befinden sich derzeit in Quarantäne.

Die Familienmitglieder waren offenbar von einem Verwandten angesteckt worden, der um die Pfingsttage zu Besuch war. Der Mann war symptomfrei nach Merzig gekommen. Dass er sich in seinem Freundeskreis in Stuttgart mit dem Corona-Virus infiziert hatte, wusste er zu dem Zeitpunkt nicht. Die Erkrankung ist erst an den Feiertagen ausgebrochen. Als die Symptome auftraten, fuhr der Mann mit seiner Familie nach Hause nach Berlin.

Tests von Kontaktpersonen negativ

Nach den Pfingstfeiertagen traten auch bei einem der Familienmitglieder aus Merzig Symptome auf. Die Person wurde positiv auf das Corona-Virus getestet. Daraufhin wurden zeitnah alle Familienangehörige auf eine Corona-Infektion untersucht: Vier Erwachsene und ein Kind hatten sich infiziert. Weil das Kind in einer Notgruppe der KiTa betreut wird, musste die am Montag für 14 Tage geschlossen werden. Sechs Kinder und zwei Erzieherinnen sind von der Schließung betroffen.

Insgesamt 23 Menschen aus dem Umfeld der Familie befinden sich derzeit in Quarantäne. Infiziert hat sich außer den direkten Familienangehörigen niemand. Eine zweite Testung soll noch diese Woche erfolgen, eine weitere am Ende der 14-tägigen Quarantäne. Es habe keine Verstöße gegen Kontaktbeschränkungen gegeben - die derzeitige Vorgabe von Familientreffen mit nicht mehr als zehn Personen seien eingehalten worden. Zunächst hatte die Saarbrücker Zeitung unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden über den Fall berichtet.

Durch den Coronaausbruch ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen im Kreis Merzig-Wadern auf 6,78 gestiegen - der derzeit höchste Wert im Saarland. Von der Höchstgrenze von 35 Fällen, ab der wieder strengere Eindämmungsmaßnahmen gelten sollen, ist der Landkreis aber immer noch weit entfernt.

Infektionskette erfolgreich ermittelt

Infektionsketten-Verfolgung: „Das in Merzig ist ein idealtypischer Fall“
Audio [SR 3, Interview Gerd Heger / Steffani Balle, 12.06.2020, Länge: 03:32 Min.]
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Die offenbar erfolgreiche Eindämmung dieses Coronaausbruchs in Merzig ist genau so gelaufen, wie die Politik sich das vorgestellt hat. Der Mann hatte sich, nachdem er sich krank fühlte, testen lassen. Das Gesundheitsamt in Merzig informierte dann telefonisch die betroffenen Gesundheitsämter in Berlin und Stuttgart. Alle Kontaktpersonen konnten ermittelt und in Quarantäne geschickt werden.

Diese Nachverfolgung - also die Ermittlung von Kontaktpersonen, die möglicherweise infiziert wurden - funktioniert nach Angaben der Gesundheitsämter derzeit im Saarland lückenlos.

Viele Coronafälle zuletzt "Zufallsfunde"

Schwieriger ist allerdings der Blick zurück: Wo hat sich eine Person angesteckt? Vor allem, wenn Infizierte symptomfrei sind oder sich bei jemandem angesteckt haben, der selbst ohne Symptome war, ist das oft nur schwer zu ermitteln - also anders als in dem Merziger Fall.

Die Coronafälle im Saarland in den vergangenen Wochen waren vor allem Zufallsfunde - Patienten, die wegen anderer Beschwerden in ein Krankenhaus mussten und dort dann positiv auf das Corona-Virus getestet wurden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 12.06.2020 berichtet.

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