Mark Diening und Familie (Foto: Mark Diening)

„Wir sind gesund. Das ist das Wichtigste“

Kai Forst   25.03.2020 | 12:30 Uhr

Zehntausende Deutsche sitzen wegen der Corona-Krise noch im Ausland fest. So wie der Saarländer Mark Diening, der mit seiner Frau und den beiden Kindern in Kapstadt ist. Noch ist die Lage in Südafrika mit Blick auf das Virus entspannt. Doch das kann sich schnell ändern.

Eigentlich sollte die vierköpfige Familie schon längst wieder in der Wahlheimat Berlin sein. Doch dann kam die Corona-Krise und hat die Pläne von Mark Diening kräftig durcheinandergewirbelt. Seit dem 16. Februar ist der Saarländer zusammen mit seiner Frau Wiebke Keuneke (38) und den beiden Söhnen Fritz Rasmus (5) und Otto Flynn (1) in Kapstadt. Urlaub und Arbeiten: Das wollte die Familie in Südafrika kombinieren. Beide sind ARD-Journalisten und wollten 30 Jahre nach dem Ende des institutionalisierten Rassismus die aktuelle Situation in Kapstadt beleuchten.

„Alle Schalter zu“

Vor zwei Wochen wurde ihr Rückflug nach Deutschland abgesagt. Seitdem sitzen sie in Kapstadt fest und versuchen ihre Rückkehr zu organisieren. „Wir haben natürlich versucht, einen neuen Flug zu bekommen. Aber auch diese Fluglinie hat abgesagt. Dann hat uns der Botschafter geraten, auf eigene Faust zum Flughafen zu fahren und zu schauen, was geht. Aber alle Schalter waren zu, auch der der Lufthansa.“

„Karmapunkte gesammelt“

Kurzzeitig bestand die Chance, am Montagabend mit einer Condor-Maschine das Land zu verlassen. Aber Diening und Keuneke entschieden sich, anderen Deutschen, die sich in schwierigeren Situationen befanden, den Vortritt zu lassen. „Da haben wir zwar ein paar Karma-Punkte gesammelt, sitzen jetzt aber immer noch hier“, schmunzelt der 47-Jährige.

Derzeit erträgt die Familie die angespannte Situation noch mit Gelassenheit. „Uns geht es gut hier. Wir haben eine Ferienwohnung und alles ist soweit in Ordnung. Finanziell ist das natürlich eine Belastung. Wohnung, Mietwagen – das alles kostet viel Geld. Und in Deutschland brechen uns beide als Freiberufler die Aufträge weg. Aber alle sind gesund. Das ist das Wichtigste.“

„Hamsterkäufe gehen los“

Ein Mann befüllt mehrere Benzinkanister (Foto: Mark Diening)
Ein Mann befüllt mehrere Benzinkanister

Das Bewusstsein um die Gefahren in der Corona-Krise nimmt in Südafrika erst langsam Fahrt auf. Lange hat sich das Land in Zuversicht gewogen, dass das Virus aufgrund des warmen Klimas vorbeizieht. Doch nun nimmt die Entwicklung auch hier Fahrt auf. „Social Distancing – das ist hier noch keine echtes Thema. Aber so langsam gehen die Hamsterkäufe los. Allerdings nicht mit Toilettenpapier wie in Deutschland, sondern mit Benzin und Desinfektionsmittel“, erzählt Diening.

Südafrika vor Zerreißprobe

Und sollte sich das Virus ähnlich rasant wie in Europa verbreiten, so Diening, stehe Südafrika vor einer Zerreißprobe. „Wenn Corona in den Townships ankommt, und das wird es, dann werden sich hier unvorstellbare Szenen abspielen. Die Menschen leben zusammengequetscht auf engstem Raum. Es gibt größtenteils kein fließendes Wasser. Man kann sich ausmalen, was das für die mit dem Virus notwendige Hygiene bedeutet.“

Lockdown tritt in Kraft

Am Donnerstag tritt nun um Mitternacht für 21 Tage ein kompletter Lockdown in Kraft. Wenn alles nach Plan läuft für Diening und seine Familie, sitze er am Donnerstagabend in einer Condor-Maschine nach Deutschland. „Das ist der aktuelle Stand. Eine definitive Information erhalten wir wohl morgen Nachmittag.“ Eine offizielle Rückholaktion der Bundesregierung gibt es für Südafrika noch nicht, da es bislang noch immer offizielle Linienflüge gibt.

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