Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Weniger Neuinfektionen, aber weiterer Anstieg der Patientenzahlen

Thomas Braun   21.02.2022 | 21:21 Uhr

Erstmals seit sieben Wochen sind die Coronafallzahlen im Saarland wieder gesunken. Bei den über 60-Jährigen setzt sich allerdings noch der Anstieg fort. Auch den Kliniken steht der Scheitelpunkt der Omikron-Welle noch bevor.



Rückgang bei Jüngeren, weiterer Anstieg bei Älteren

Das Robert-Koch-Institut hat in der vergangenen Woche 13.535 neue Coronafälle im Saarland gemeldet. Das waren rund zehn Prozent weniger als eine Woche zuvor. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen gab es einen deutlichen Rückgang von über 20 Prozent. Bei den über 60-Jährigen sind die Zahlen hingegen weiter gestiegen - wenn auch nicht mehr so stark, wie in den Vorwochen.

Vermehrt Ausbrüche in Pflegeheimen

Der Anstieg in den älteren Jahrgängen hängt auch mit vermehrten Ausbruchsgeschehen in Pflegeheimen zusammen. Wie der Regionalverband Saarbrücken am Freitag mitteilte, waren dort zu diesem Zeitpunkt 25 Pflegeheime betroffen. In vier dieser Einrichtungen fanden in der vergangenen Woche komplette Testungen statt. Dabei seien bis zu einem Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner positiv getestet worden.

Der Anteil der älteren Bevölkerung an allen Neuinfektionen ist in den vergangenen Wochen kontinuierlich gestiegen. Mitte Januar betraf nur jeder zehnte Fall eine Person über 60 Jahren, vergangene Woche war es schon jeder sechste.

Mehr Patienten mit Corona-Infektion

Auch die Zahl der Patienten im Krankenhaus, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, ist weiter gestiegen. Auf der Intensivstation wurden am Sonntag 40 Covid-Patienten behandelt; ein Drittel mehr als eine Woche zuvor. Insgesamt lagen 317 Menschen mit einer Corona-Infektion im Krankenhaus.

Viele Patienten "mit" statt "wegen" Corona im Krankenhaus

Insbesondere auf Normalstation ist die Corona-Infektion häufig aber nur ein Nebenbefund, wie der Leiter des Landeskompetenzzentrums für Infektionsepidemiologie, Prof. Sören Becker, erklärt. Das bedeute aber dennoch Zusatzaufwand für das medizinische Personal. "Ein Covid-Patient muss natürlich isoliert werden und hat einen erhöhten hygienischen Aufwand", so Becker. Aus medizinischer Sicht sei es aber natürlich erfreulich, dass die Krankheitschwere deutlich abgemildert sei.

Corona-Check: Scheitelpunkt der Omikron-Welle wohl erreicht
Video [SR.de, (c) SR, 21.02.2022, Länge: 01:40 Min.]
Corona-Check: Scheitelpunkt der Omikron-Welle wohl erreicht

Bei den Intensivpatienten hingegen zeige sich ein anderes Bild, so Becker weiter. "Dort ist es nach wie vor so, dass die Patienten eher wegen Covid - also wirklich wegen der Organschäden durch die Infektion - ins Krankenhaus müssen." Die Zahl der Intensivpatienten sei insgesamt aber deutlich geringer als noch in der Delta-Welle.

Becker geht davon aus, dass sich der Anstieg bei den Patientenzahlen noch einige Zeit fortsetzt. Der Höhepunkt der Omikronwelle in den Kliniken könnte demnach in ein bis zwei Wochen erreicht werden.

Sinkende Inzidenzen in zwei Drittel der Kommunen

In den meisten saarländischen Kommunen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit zwischen 1000 und 2000 - auch wenn rund zwei Drittel in der vergangenen Woche sinkende Werte verzeichneten. Am deutlichsten war der Rückgang in Losheim und Weiskirchen, die Inzidenz dort sank binnen einer Woche um rund 40 Prozent.

Umgekehrt gab es etwa in Merchweiler einen Anstieg um fast 80 Prozent. Ein vergleichsweise deutliches Plus verzeichneten mit 42 und 35 Prozent auch Nonnweiler und Wallerfangen.

Nur noch 11.000 Impfungen in der vergangenen Woche

Die Impfkampagne im Saarland ist nahezu zum Erliegen gekommen. Für die zurückliegende Woche meldet das RKI noch rund 11.000 Impfungen im Saarland. Als "grundimmunisiert" gelten 81,5 Prozent der Bevölkerung. In der erwachsenen Bevölkerung sind es 91 Prozent, bei den 12- bis 17-Jährigen sind es 65 Prozent, bei jüngeren Kindern 13 Prozent.

Deutlich dahinter zurück bleibt die Boosterquote mit 72 Prozent in der erwachsenen Bevölkerung und 31 Prozent bei den 12- bis 17-Jährigen.

Auch wenn die Omikron-Welle gebrochen scheint, reichen diese Werte aus Sicht des Corona-Experten Professor Thorsten Lehr nicht, um beruhigt in den nächsten Herbst und Winter zu gehen. Er geht davon aus, dass hierzu eine Booster-Quote von insgesamt 80 bis 85 Prozent in der Gesamtbevölkerung nötig wäre.

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