Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Omikron-Welle nähert sich dem Scheitelpunkt

Thomas Braun   08.02.2022 | 06:05 Uhr

Der Anstieg der Corona-Fallzahlen hat sich im Saarland die zweite Woche in Folge etwas abgeschwächt - auch wenn es lokal teils deutliche Unterschiede gab. Der Homburger Virologe Jürgen Rissland geht davon aus, dass in zehn bis 14 Tagen der Höhepunkt der Omikron-Welle erreicht wird. Ab dann könne man auch schrittweise Lockerungen angehen.



26 Prozent mehr Corona-Fälle als in der Vorwoche

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in der vergangenen Woche 14.483 neue Coronafälle im Saarland gemeldet. Das waren noch einmal rund 26 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Im Vergleich zu den beiden Vorwochen, als es ein Plus von 80 Prozent bzw. 36 Prozent gab, hat sich das Wachstum allerdings weiter abgeschwächt.

Betroffen von dem Anstieg waren erneut fast alle Gemeinden im Saarland, wenn auch unterschiedlich stark. Mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der positiven Fälle etwa in Quierschied, Freisen, Wadern und Marpingen, wie aus Daten der Kreisbehörden hervorgeht. Einen Rückgang gab es hingegen nur in Nonnweiler, Kleinblittersdorf, Nalbach und Merchweiler.

Erstmals mehrere Kommunen über 2000er Inzidenz

Mittlerweile liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in den meisten Städten und Gemeinden über der 1000er Marke. Erstmals verzeichnen sieben Kommunen auch einen Wert über 2000, fünf davon aus dem Kreis Merzig-Wadern.

Im Kreis Merzig-Wadern insgesamt gab es mit einem Plus von 85 Prozent auch den mit Abstand stärksten Anstieg der Fallzahlen innerhalb des Saarlandes. Besonders betroffen waren hier laut Daten des RKI die Schul- und Elternjahrgänge. Insbesondere bei den 10- bis 14-Jährigen gab es im Kreis Merzig-Wadern eine Inzidenz von mehr als 6000. Das bedeutet: Jedes 16. Kind in dieser Altersgruppe wurde in der vergangenen Woche positiv auf das Coronavirus getestet.

Fallzahlen bei jüngeren Kindern stagnieren

Auch saarlandweit sind Kinder und Jugendliche weiterhin am stärksten betroffen. Gerade bei jüngeren Kindern unter zehn Jahren stagnierte die Entwicklung zuletzt aber.

20 Prozent mehr Patienten mit Coronainfektion im Krankenhaus

In den saarländischen Krankenhäusern ist die Zahl der positiv auf Corona getesteten Patienten auf Normalstation um knapp 20 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der Covid-Intensivpatienten ist erstmals seit mehreren Wochen wieder gestiegen, liegt derzeit aber noch auf einem niedrigen Niveau.

Elf neue Todesfälle gemeldet

Weiter rückläufig ist die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. In der vergangenen Woche meldete das RKI elf neue Sterbefälle im Saarland. Weniger Todesfälle innerhalb einer Woche waren zuletzt Mitte November verzeichnet worden.

Ab wann Lockerungen möglich sind

Der Homburger Virologe Jürgen Rissland geht davon aus, dass die Omikron-Welle in den nächsten zehn bis 14 Tagen im Saarland ihren Scheitelpunkt erreichen könnte, sofern sich der Höhepunkt nicht verzögert, etwa durch den Subtyp BA.2.

Corona-Check: Wann und wie sind Lockerungen der Corona-Regeln sinnvoll?
Video [SR.de, (c) SR, 08.02.2022, Länge: 01:43 Min.]
Corona-Check: Wann und wie sind Lockerungen der Corona-Regeln sinnvoll?

Sobald der Höhepunkt sicher überschritten sei und die Fallzahlen nachhaltig sinken, beginne dann auch die Phase, in der man Lockerungen konkret umsetzen könne.

Welche Öffnungs-Reihenfolge ist sinnvoll?

Bei diesen Lockerungsschritten könne man grundsätzlich drei Dimensionen zugrunde legen, sagte Rissland.

  1. Zunächst von außen nach innen lockern
  2. Von privat nach öffentlich lockern
  3. Von weniger vulnerablen Bereichen zu mehr vulnerablen Bereichen lockern

"Konkret bedeutet das, dass man beispielsweise bei Außenveranstaltungen die Zahl der Besucher erhöht und im zweiten Schritt Kontaktbeschränkungen im privaten Bereich zurückfährt", so der Virologe. In einem weiteren Schritt könne man dann die 2G- und 2G-plus-Regelungen anpassen.

Maskenpflicht erst zum Schluss zurücknehmen

"Man muss nur wissen: Das ist kein fließender Prozess", so Rissland weiter. Zwischen den einzelnen Schritten mache man in der Regel immer eine Pause, um zu sehen, welcher Effekt damit verbunden sei und ob man gegebenenfalls doch noch einmal nachschärfen muss.

"Ganz zum Schluss wird man die Basishygienemaßnahmen weiter abschmelzen", erklärte Rissland. Das bedeutet, dass insbesondere etwa die Maskenpflicht eine der Maßnahmen sein wird, die zuletzt zurückgenommen wird.

Nur noch geringe Fortschritte bei Impf-Kampagne

Selbst wenn die Politik jetzt über erste Lockerungen nachdenkt, wird ein großer Teil der Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmen wohl noch eine ganze Weile in Kraft bleiben. Auch die Impf-Kampagne läuft weiter fort, auch der Fortschritt von Woche zu Woche sinkt. In der vergangenen Woche etwa wurden im Saarland noch knapp 20.000 Personen gegen das Coronavirus geimpft. Das ist die niedrigste Zahl an Corona-Impfungen seit 13 Wochen.

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