Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Corona-Anstieg wieder etwas ausgebremst

Thomas Braun   01.02.2022 | 08:30 Uhr

Die Coronazahlen sind in der vergangenen Woche im Saarland fast flächendeckend weiter angestiegen - aber weniger rasant, als noch eine Woche zuvor. Gerade in den stark betroffenen jüngeren Jahrgängen hat sich das Wachstum etwas abgeschwächt. Die Labore können derzeit noch alle Tests zeitnah auswerten. Eine mögliche Dunkelziffer schätzt der Virologe Rissland eher gering ein.



In der vergangenen Woche hat das Robert-Koch-Institut 11547 neue Coronafälle im Saarland gemeldet. Das sind rund 36 Prozent mehr Fälle als eine Woche zuvor. Im Vergleich zur Vorwoche hat sich das Wachstum aber wieder etwas abgeschwächt.

Anstieg in fast allen Gemeinden

Die Fallzahlen sind flächendeckend im gesamten Saarland gestiegen. Mittlerweile liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in mehr als der Hälfte der Städte und Gemeinden über der 1000er Marke. Eine Inzidenz von mehr als 2000 verzeichnete bislang aber noch keine der 45 Kommunen, für die Fallzahlen auf Gemeindeebene vorliegen.

In Nalbach, das in der Vorwoche nur knapp unter der 2000er Marke lag, ist die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen wieder gesunken. Nalbach ist neben Namborn, Püttlingen und Perl aber nur eine von vier Kommunen, die sinkende Fallzahlen verzeichneten.

In allen anderen Städten und Gemeinden kletterten die Coronazahlen weiter nach oben - teils sogar sehr deutlich. In Nonnweiler etwa gab es mit 71 Neuinfektionen mehr als drei Mal so viele Fälle wie in der Vorwoche. In Neunkirchen, Spiesen-Elversberg und Kleinblittersdorf haben sich die Werte mehr als verdoppelt.

Vergleichsweise geringer Anstieg bei Kindern

Anders als noch in den beiden Vorwochen ist der rasante Anstieg vor allem in den jüngeren Altersgruppen etwas ausgebremst. Hatten sich bei den 0- bis 9-Jährigen die Fallzahlen in den beiden Vorwochen jeweils noch mehr als verdoppelt, gab es nun mit einem Plus von knapp 19 Prozent einen unterdurchschnittlichen Anstieg.

Die höchsten Fallzahlen gibt es nach wie vor bei den 10- bis 19-Jährigen. Und insbesondere bei den 10- bis 14-Jährigen ist die saarlandweite Inzidenz mittlerweile auf über 3000 gestiegen. In Saarlouis und im Regionalverband liegt der Wert sogar nur noch knapp unter der 4000er Marke. Das bedeutet: In dieser Altersgruppe sind in der vergangenen Woche fast vier Prozent aller Kinder positiv getestet worden.

Seit Beginn des Jahres waren es saarlandweit mehr als sieben Prozent, im Regionalverband Saarbrücken sogar fast jedes zehnte 10- bis 14-jährige Kind.

Rissland schätzt Dunkelziffer eher niedrig ein

Hinzu kommt eine unbekannte Zahl an unentdeckten Fällen. Der Homburger Virologe Jürgen Rissland schätzt diese Dunkelziffer aber derzeit als nicht so hoch ein. "Durch das Testen, vor allem dieses serielle Testen, kriegen wir schon ein relativ gutes Bild, was sich in den Schulen abspielt", sagte Rissland.

Zu Beginn der Pandemie hatte sein Institut in einer Anti-Körper-Studie herausgefunden, dass sich damals etwa drei Mal mehr Menschen bereits infiziert hatten, als es die offiziellen Meldedaten zeigten. "Das war aber noch, bevor wir diese seriellen Testungen so umsetzen konnten. Deshalb mache ich mir wegen der Dunkelziffer jetzt eigentlich keine so große Sorge."

Corona-Check: Corona-Anstieg wieder etwas ausgebremst
Video [SR.de, (c) SR, 01.02.2022, Länge: 01:19 Min.]
Corona-Check: Corona-Anstieg wieder etwas ausgebremst

Welche Auswirkungen haben die geänderten Quarantäne-Maßnahmen?

Rissland geht auch nicht davon aus, dass das Infektionsgeschehen im Schulumfeld nach der Änderung der Quarantäne-Regeln unkontrolliert anzieht. "Ich glaube, dass die jetzigen Quarantäne-Maßnahmen im Schulumfeld kein unkalkulierbares Risiko mit sich bringen", sagte Rissland. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die weiter bestehenden Maßnahmen wie Maskenpflicht und die regelmäßigen Testungen, die jetzt noch einmal ausgeweitet werden.

Die Maßnahmen könnten zudem dazu beitragen, dass bei einer Ansteckung die akute Erkrankung milder verlaufe. Die Maßnahmen verringerten die Virenlast, die bei einer Infektion mitentscheidend dafür sei, wie schwer eine Covid-Erkrankung verläuft. Skeptisch und auch etwas mit Sorge blickt Rissland allerdings weiterhin auf mögliche Langzeitschäden. Hier wisse man noch zu wenig, was diese Langzeitfolgen auslöst und entsprechend sei die Größenordnung der Betroffenen noch nicht richtig abzuschätzen.

Mehr Patienten mit Corona im Krankenhaus

Unterdessen schlägt die Omikron-Welle nun auch zusehends in den Krankenhäusern auf. Saarlandweit lagen am vergangenen Sonntag 212 mit Corona infizierte Personen in den Kliniken, 45 mehr als eine Woche zuvor. Bei einem Großteil dieser Patienten ist die Corona-Infektion aber nur ein Nebenbefund. Der eigentliche Einlieferungsgrund war ein anderer - auch wenn das für die Krankenhäuser wegen der nötigen Isolation der Patienten dennoch einen Mehraufwand bedeutet.

Auf der Intensivstation, auf der überwiegend noch Patienten aus der Deltawelle liegen, sind die Zahlen unterdessen weiter gesunken von 25 auf 18.

Unschärfe bei Todesfallmeldungen

Als Verstorben gemeldet wurden in der vergangenen Woche 14 Personen, eine wenige als noch eine Woche zuvor. Insgesamt sind seit Beginn der Pandemie 1328 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Coronainfektion im Saarland gemeldet worden.

Die Zahlen weisen allerdings eine gewisse Unschärfe auf, da zum einen auch Todesfälle in die Statistik eingehen, bei denen die Infektion letztlich nicht klar als Ursache ermittelt werden konnte, und es auf der anderen Seite auch eine Dunkelziffer gibt, die letztlich anhand der Daten zur Übersterblichkeit abgeschätzt werden muss.

Impfquote steigt nur noch leicht

Den besten Schutz gegen einen schweren oder gar tödlichen Krankheitsverlauf bietet die Impfung. Bislang wurden mehr als 2,1 Millionen Corona-Schutzimpfungen im Saarland verabreicht. Schwere Nebenwirkungen traten dabei nur äußerst selten auf.

Die Impfkampagne im Land gerät aber immer weiter ins Stocken. Die Quote der mindestens einmal geimpften Personen ist in der vergangenen Woche nur noch minimal um 0,2 Punkte auf 81,8 Prozent der Gesamtbevölkerung gestiegen. Auch bei den Auffrisch-Impfungen gab es nur noch ein leichtes Plus von knapp zwei Punkten auf nun 60,8 Prozent.

Während das kommunale Impfzentrum in St. Ingbert am Wochenende nach vier Wochen wieder geschlossen wurde, bietet das Land seit dieser Woche Sonderimpfungen in Malstatt und Burbach an, um so vermehrt Menschen in sozialen Brennpunkten ein niedrigschwelliges Impfangebot zu machen.

Positivrate auf über 40 Prozent gestiegen

Während die Impfzentren derzeit also nicht ausgelastet sind, arbeiten die Labore weiter am Anschlag. Derzeit könne man aber die allermeisten Proben immer noch innerhalb einer Frist von 24 Stunden auswerten, sagte ein Sprecher des größten saarländischen Labors in St. Ingbert.

Dort wurden in vergangenen Woche knapp 24.000 Tests ausgewertet, rund 600 weniger als eine Woche zuvor. Zeitgleich ist die Positivrate auf über 40 Prozent gestiegen. An manchen Tagen war sogar jeder zweite Tests positiv. Hier könnte mit eine Rolle spielen, dass etwa zum Freitesten nach einer Infektion jetzt kein PCR-Test mehr benötigt wird und dieses Testverfahren zusehends zur Bestätigung zuvor positiver Schnelltests zum Einsatz kommt.

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