Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Inzidenz von mehr als 2000 im Saarland erwartet

Thomas Braun   25.01.2022 | 11:59 Uhr

Die Omikron-Welle hat das Saarland voll erfasst. Die Coronazahlen im Saarland stiegen in der vergangenen Woche um gut 80 Prozent. Der Saarbrücker Experte Thorsten Lehr rechnet bis Mitte Februar mit einem weiteren Anstieg der Inzidenz – auf mehr als 2000. Auf den Intensivstationen droht nach den aktuellen Modellberechnungen aber keine Überlastung.



Das Robert-Koch-Institut hat in der vergangenen Woche 8458 neue Corona-Fälle im Saarland gemeldet. Das waren 80 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Und im Vergleich zur Vorwoche hat sich der Anstieg deutlich beschleunigt.

Höhepunkt der Omikron-Welle Mitte Februar erwartet

Als Ursache für diesen nun deutlich stärkeren Anstieg sieht der Saarbrücker Forscher Professor Thorsten Lehr die starke Verbreitung der Omikron-Variante, die sich nun auch im Saarland als dominierende Variante durchgesetzt hat. Er rechnet damit, dass die Omikron-Welle etwa Mitte Februar im Saarland ihren Höhepunkt erreicht.

Corona-Check: Inzidenz von mehr als 2000 im Saarland erwartet
Video [SR.de, (c) SR, 25.01.2022, Länge: 01:04 Min.]
Corona-Check: Inzidenz von mehr als 2000 im Saarland erwartet

"Wir gehen davon aus, dass die Inzidenzen im Saarland und deutschlandweit auf über 2000 und 3000 ansteigen werden", sagte Lehr. Auch wenn es durchaus sein kann, dass diese Werte aufgrund der eingeschränkten Testkapazitäten dann gar nicht mehr erfasst werden können.

Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen über 2000

In einzelnen Altersgruppen im Saarland und auch in einzelnen Orten werden bereits jetzt solche Inzidenz-Werte erreicht. In den Schuljahrgängen etwa kletterte die Sieben-Tage-Inzidenz in der vergangenen Woche auf Werte jenseits der 2000er Marke. Im Regionalverband lag er bei den 10- bis 14-Jährigen laut RKI sogar bei knapp 3200. Das bedeutet: Bei mehr als drei Prozent aller Kinder in dieser Altersgruppe war in der vergangenen Woche eine Corona-Infektion festgestellt worden.

Insgesamt verzeichneten die jüngeren Altersgruppen - wie bereits in der Vorwoche - den stärksten Anstieg bei den Fallzahlen. Bei den 0- bis 9-Jährigen haben sich die Fallzahlen erneut mehr als verdoppelt, bei den 10- bis 19-Jährigen gab es ein Plus von 90 Prozent im Vergleich zur Vorwoche.

Das wirkt sich auch auf die Schulen und die Kitas aus. In den saarländischen Schulen waren etwa zu Beginn der Woche 4500 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne - 2000 mehr als eine Woche zuvor. In den Kitas befinden sich 3200 Kinder in Quarantäne, 1400 mehr als eine Woche zuvor, wie aus dem internen Monitoring-Bericht des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Landesweit sind derzeit elf Einrichtungen geschlossen. Teilschließungen gibt es in 45 Kitas.

PCR-Positivrate klettert auf 33 Prozent

Die tatsächliche Zahl der Inifizierten dürfte sogar höher liegen als derzeit erfasst wird. Die erneut deutliche gestiegene Positivrate bei den Corona-Tests deutet auf eine hohe Dunkelziffer hin. In der vergangenen Woche war jeder dritte PCR-Test, den das größte saarländische Labor in St. Ingbert ausgewertet hat, positiv. Auch die Zahl der Tests insgesamt ist deutlich gestiegen. Das Labor arbeitet mittlerweile wie viele Labore bundesweit am Anschlag.

Am Anschlag sind auch die Gesundheitsämter, die Kontaktnachverfolgung funktioniert angesichts der hohen Fallzahlen fast überall nur noch sehr eingeschränkt. Die meisten Ämter konzentrieren sich auf Fälle in Einrichtungen wie Pflegeheimen, Schulen oder Kitas.

Coronafälle in jedem dritten Pflegeheim

Von den rund 150 saarländischen Alten- und Pflegeheimen verzeichnet inzwischen wieder mehr als jedes dritte Coronafälle. Die Zahl der infizierten Heimbewohner hat sich innerhalb von sieben Tagen auf 157 mehr als verdoppelt. Sieben von ihnen müssen stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Drei Altenheimbewohner sind in der vergangenen Woche in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben.

Außerhalb der Einrichtungen sind Infektionsketten oder die Ansteckungsorte aufgrund der eingeschränkten Kontaktnachvollverfolgung kaum noch nachzuvollziehen.

Anstieg in fast allen Städten und Gemeinden

Der Anstieg bei den Fallzahlen ist saarlandweit zu beobachten. Nur Nonnweiler, Freisen und Namborn - alle drei im Kreis St. Wendel - verzeichneten in der vergangenen Woche etwas weniger Fälle als eine Woche zuvor. In allen anderen Kommunen gab es teils deutliche Anstiege.

In mehr als einem Dutzend der saarländischen Städte und Gemeinden liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über der 1000er-Marke oder nur noch knapp darunter. Nalbach kratzt sogar an der 2000er Marke. Das heißt, bei jedem 50. in der 9000-Einwohner-Gemeinde war in der vergangenen Woche eine Corona-Infektion festgestellt worden.

Den niedrigsten Inzidenzwert verzeichnete Marpingen mit 261 - in allen anderen Kommunen lag der Wert über 400. Aus dem Saarpfalz-Kreis liegen schon seit einigen Wochen keine Daten mehr zu den Fallzahlen in den Kommunen vor.

Stärkere Belastung der Normalstationen erwartet

Die Omikron-Welle macht sich nun langsam auch in den Krankenhäusern bemerkbar - wenn auch vorerst noch auf niedrigem Niveau. Insgesamt wurden am Sonntag 167 Patienten mit einer Coronainfektionen in den saarländischen Kliniken behandelt. Das waren 43 mehr als eine Woche zuvor. Auf der Intensivstation hingegen ist die Patientenzahl noch einmal weiter leicht gesunken.

Dieser Trend, der sich jetzt in den Anfängen zeigt, könnte sich in den vergangenen Wochen verstärken. "In den Krankenhäusern kann es sein, dass wir auf den Intensivstationen mit einem blauen Auge davon kommen", sagte Corona-Modellierer Thorsten Lehr. "Ich glaube allerdings - und unsere Modelle sagen das auch, dass die Normalstationen deutlich stärker belegt werden, als wir das in den vorherigen Wellen gesehen haben", sagte Lehr.

Eine entscheidende Rolle spiele hierbei die Booster-Quote. Werde die in den Modellrechnungen variiert, zeige das mit den stärksten Effekt, sagte Lehr.

Impfkampagne verliert immer weiter an Fahrt

Das Saarland steht bei der Booster-Quote im bundesweiten Vergleich nach wie vor recht gut da. Fast 60 Prozent der Bevölkerung hat bereits eine Auffrischimpfung erhalten - so viele wie in keinem anderen Bundesland. Allerdings verliert die Impfkampagne immer mehr an Fahrt. In der vergangenen Woche gab es nur noch knapp 28.000 Booster-Impfungen. Dabei gibt es noch über 130.000 Menschen im Saarland, deren zweite Impfung bereits mehr als drei Monate zurückliegt und die sich entsprechend boostern lassen könnten oder sollten.

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