Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Neue Corona-Rekordwerte - vor allem bei Jüngeren

Thomas Braun   17.01.2022 | 16:53 Uhr

Die Corona-Sieben-Tage-Inzidenz ist im Saarland in der vergangenen Woche auf den höchsten Wert seit Beginn der Pandemie geklettert. Insbesondere in jüngeren Altersgruppen wurden neue Höchstwerte erreicht. Der Anstieg verläuft bislang aber weniger steil als zuvor befürchtet.



In der vergangenen Woche hat das Robert-Koch-Institut 4702 neue Coronafälle im Saarland gemeldet. Das sind 28 Prozent mehr als eine Woche zuvor und der höchste Wert seit Beginn der Corona-Pandemie.

Anstieg hat sich abgeflacht

Der noch in der Woche zuvor beobachtete steile Anstieg hat sich damit etwas abgeflacht. Zudem gab es regional deutliche Unterschiede. Während die Zahlen im Kreis Saarlouis und im Regionalverband um 40 bis 50 Prozent nach oben gingen und im Regionalverband sogar ein neuer Höchststand verzeichnet wurde, gab es im Saarpfalz-Kreis nur ein leichtes Plus von fünf Prozent. Im Kreis St. Wendel sind die Zahlen sogar wieder um ein Viertel gesunken.

Besonders bemerkbar macht sich das in der Kreisstadt St. Wendel. Hier sank die Sieben-Tage-Inzidenz binnen einer Woche um mehr als 60 Prozent von 814 auf 323. Auch in den meisten anderen Kommunen des Kreises gingen die Werte zurück.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich hingegen im Regionalverband: Hier gab es in allen Städten und Gemeinden ein teils deutliches Plus. In Riegelsberg etwa haben sich die Zahlen im Vergleich zur Vorwoche mehr als verdoppelt.

Die Gemeinde hat mit einer rechnerischen Inzidenz von knapp 840 auch die landesweit höchste Sieben-Tage-Inzidenz. Die 121 neuen Fälle, aus denen sich diese Inzidenz errechnet, sind zwar nur ein Bruchteil der 1400 Fälle in der Landeshauptstadt Saarbrücken. Saarbrücken hat aber auch zwölf Mal so viele Einwohner. Mit einer Inzidenz von 780 hat die Landeshauptstadt übrigens den dritthöchsten Wert saarlandweit.

Infektionsgeschehen bei Jüngeren zieht wieder an

Insgesamt hat sich der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens in den vergangenen beiden Wochen etwas verlagert. Gab es um den Jahreswechsel noch bei den jungen Erwachsenen die höchsten Fallzahlen, stagnierte die Entwicklung dort zuletzt auf hohem Niveau. Stattdessen gab es insbesondere bei Kindern deutliche Zuwächse.

Bei den über 60-Jährigen hingegen verlief der Anstieg unterdurchschnittlich. Nur etwa jede zehnte neue Corona-Infektion wurde in der vergangenen Woche bei einer Person über 60 Jahren festgestellt.

Weniger Covid-Patienten, aber mehr Sterbefälle

Dass sich derzeit vor allem wieder jüngere Menschen mit dem Virus anstecken, dürfte mit ein Grund dafür sein, dass sich die Lage in den Krankenhäusern vorerst weiter entspannt. Die Zahl der Covid-Patienten sank im Wochenvergleich um gut 20 Prozent. Auf der Intensivstation war der Rückgang mit 35 Prozent sogar noch deutlicher. Stand Sonntag mussten noch 28 Menschen mit einer Corona-Infektion intensivmedizinsch behandelt werden.

Wieder gestiegen ist im Vergleich zur Vorwoche allerdings die Zahl der Sterbfeälle. Insgesamt wurden 36 Todesfälle gemeldet, mehr als doppelt so viele wie eine Woche zuvor.

Knapp 77 Prozent der über 60-Jährigen geboostert

Am effektivsten vor einem schweren oder sogar tödlichen Covid-Krankheitsverlauf schützt die Impfung, wie unter anderem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und der Berliner Chefvirologe Christian Drosten am Freitag noch einmal betonten. Insbesondere die Auffrisch-Impfung sei wichtig. "Man braucht für dieses Omikron-Virus auch die dritte Impfung, um richtig geschützt zu sein", sagte Drosten.

Das Saarland hat nach wie vor die höchste Booster-Quote aller Bundesländer. 56,1 Prozent der Bevölkerung haben laut RKI ihre Auffrisch-Impfung bereits erhalten. Bei den besonders gefährdeten Personen über 60 Jahren sind es sogar 76,9 Prozent.

Impfkampagne verliert wieder an Fahrt

Allerdings war das Impftempo zuletzt nur noch halb so hoch wie in den beiden Wochen vor Weihnachten. Rund 54.000 Corona-Impfungen gab es in der vergangenen Woche im Saarland, darunter knapp 43.000 Auffrisch-Impfungen.

Das ist nur ein kleiner Teil der Personen, die für einen Booster in Frage kämen. Denn insgesamt gibt es weitere rund 160.000 Personen, deren zweite Impfung bereits mehr als drei Monate zurückliegt - und die sich damit laut der aktuellen Stiko-Empfehlung boostern lassen sollten.

Drosten: Impflücke unser "größtes Hindernis"

Zwar müsse man das Virus irgendwann einmal laufen lassen und so durch Infektionen regelmäßig die Immunität der Bevölkerung "updaten", sagte Virologe Drosten. Derzeit könnte es aber noch zu früh sein. "Wir wissen nicht, ob wir uns das in Deutschland leisten können - angesichts der Impflücke. Das ist unser größtes Hindernis dabei."

Und gerade mit Blick auf die Omikron-Variante müsse man weiter vorsichtig sein. Zum einen könnte trotz eines vermutlich milderen Verlaufes die schiere Anzahl an gleichzeitig auftretenden Fällen diesen Gewinn über die milden Verläufe wieder auslöschen, sagte Drosten.

Und hinzu komme noch ein ganz anderes Problem. "Eine sehr steil ansteigende Inzidenzflanke führt dazu, dass ganz viele Leute gleichzeitig krank sind. Da ist es jetzt nicht unbedingt wichtig, ob sie todkrank sind. Es reicht, dass sie sich nicht gut fühlen und nicht zur Arbeit gehen können und natürlich auch Isolationsmaßnahmen unterliegen", erklärte Drosten. Das könnte zu Problemen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens führen.

Schutzmaßnahmen bremsen Omikron ein

Derzeit gehen aber sowohl Drosten als auch Gesundheitsminister Lauterbach davon aus, dass die derzeit gültigen Maßnahmen ihre Wirkung zeigen und der steile Anstieg, der in anderen Ländern zu beobachten war, in Deutschland bislang ausgeblieben ist. Dort hatte sich eine regelrechte "Omikron-Wand" aufgetürmt, die Inzidenzen waren innerhalb kürzester Zeit auf vierstellige Werte geschossen.

Experten beobachteten eine Verdopplungszeit von etwa zwei Tagen. In Deutschland ist die Zeit erheblich länger. Man sehe hier in Deutschland, dass sich Omikron mit Schutzmaßnahmen wie etwa Maske tragen gut einbremsen lasse, sagte Lauterbach.

Masken senken auch die Krankheitsschwere

Drosten ergänzte zudem, dass Masken auch den späteren Krankheitsverlauf entscheidend mitbestimmen könnten. Wer sich etwa trotz einer Maske infiziere, bekomme eine viel niedrigere Virendosis ab. "Und wir wissen inzwischen ganz genau, dass die Virusdosis die Krankheitsschwere auch ganz stark bestimmt", so Drosten.

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