Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Corona-Zahlen steigen erstmals seit vier Wochen

Thomas Braun   03.01.2022 | 12:42 Uhr

Erstmals seit vier Wochen sind die Corona-Fallzahlen im Saarland wieder gestiegen. Bei den 20- bis 29-Jährigen haben sich die Zahlen mehr als verdoppelt. Eine Rolle dürfte dabei die zunehmende Verbreitung der Omikron-Variante spielen.



Ein Plus von 16 Prozent

In der vergangenen Woche hat das Robert-Koch-Institut (RKI) 2091 neue Corona-Fälle im Saarland gemeldet und damit gut 16 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Der tatsächliche Anstieg könnte sogar höher liegen. Das RKI und auch die Behörden im Saarland gehen davon aus, dass sich über die Feiertage weniger Menschen haben testen lassen. Zuvor waren die Fallzahlen vier Wochen in Folge gesunken.

Immer mehr Omikron-Nachweise

Der Anstieg war von Experten mit Blick auf die zunehmende Verbreitung der Omikron-Variante erwartet worden. Im Regionalverband wurden über das lange Wochenende 52 neue Omikron-Fälle bestätigt. Die Gesamtzahl der nachgewiesen Fälle dort steigt auf 66.

Die tatsächliche Zahl dürfte sogar noch höher liegen. Außer bei einem begründeten Verdacht auf eine Omikron-Ansteckung - etwa bei Folgefällen oder Reiserückkehrern - werden positive Coronatests nur stichprobenartig auf die neue Virus-Variante untersucht, sagte ein Sprecher des Regionalverbandes.

Zudem dauert solch eine Sequenzierung länger als eine PCR-Auswertung, weshalb Ergebnisse erst mit Verzögerung vorliegen. So ist es aktuell etwa im Kreis St. Wendel. Dort verdoppelte sich die Zahl der bekannten Fälle nach einem Ausbruch in der Kneipenszene von 17 auf 34. Bei den 17 Folgefällen, die am Sonntag eingingen, steht das Ergebnis der Sequenzierung aber noch aus - weshalb sie vorerst noch nicht als Omikron-Fälle gezählt werden.

Starker Anstieg im Kreis St. Wendel

Insgesamt schnellte im Kreis St. Wendel die Sieben-Tage-Inzidenz binnen einer Woche von 105 auf 307,7 hoch - der landesweit höchste Wert. Gemeinsam mit Ensdorf hat die Kreisstadt derzeit auch die landesweit höchste Inzidenz unter den Kommunen. Bis auf Marpingen gingen die Fallzahlen auch in allen anderen Gemeinden des Kreises deutlich nach oben.

Die landesweit niedrigsten Inzidenzen haben derzeit mit einem Wert von jeweils rund 100 Dillingen und Wadgassen.

Fallzahlen bei 20- bis 29-Jährigen verdoppelt

Am stärksten betroffen von dem Anstieg in der vergangenen Woche waren junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren. In dieser Altersgruppe haben sich die Fallzahlen innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt. Auch hier könnte Omikron eine Rolle spielen. Bei dem Ausbruch in St. Wendel etwa waren überwiegend jüngere Menschen betroffen. Und auch im Regionalverband Saarbrücken macht diese Altersgruppe den größten Anteil an den derzeit bestätigten Omikron-Fällen aus.

Wird die Quarantäne-Dauer verkürzt?

Trotz des deutschlandweiten Anstiegs der Fallzahlen hatten sich Experten wie der Berliner Virologe Christian Drosten und sein Homburger Kollege Jürgen Rissland zuletzt verhalten optimistisch gezeigt, da Omikron seltener schwere Krankheitsverläufe hervorrufe als andere Virusvarianten.

Ein großes Problem könnte aber die zunehmende Zahl von Quarantäne-Anordnungen werden, wodurch Arbeitskräfte ausfallen. Andere Länder wie Frankreich haben bereits reagiert und die Quarantäne-Dauer verkürzt. Auch die Bundesregierung denke über verkürzte Quarantäne- und Isolationszeiten nach, bestätigte SPD-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im ZDF. Geklärt werden müsse unter anderem, inwiefern die Fristen für Geboosterte geändert werden könnten.

Deutlich weniger Impfungen zwischen den Jahren

Die Booster- und Impfkampagne im Saarland hat über den Jahreswechsel deutlich an Fahrt verloren. Waren Mitte Dezember wöchentlich noch bis zu 100.000 Menschen geimpft worden, waren es in der vergangenen Woche laut RKI nur noch 38.430.

Damit wurde auch der zuletzt erwartete Wert von 500.000 geboosterten Menschen im Saarland um knapp 50.000 verfehlt. Eine Auffrisch-Impfung haben bislang 45,9 Prozent der saarländischen Bevölkerung erhalten.

80,2 Prozent sind mindestens einmal geimpft, darunter auch 3760 Kinder zwischen fünf und elf Jahren. Nicht erfasst in diesen Zahlen sind allerdings Impfungen von Kindern, die von einem niedergelassenen Arzt in einem anderem Bundesland oder schon vor dem Start der Kinder-Impfungen geimpft wurden (so genannte "off-label"-Impfungen).

Weniger Corona-Patienten und Sterbefälle

In den saarländischen Kliniken ist die Zahl der Corona-Patienten in der vergangenen Woche weiter gesunken. Am Samstag waren es 208, eine Woche zuvor 218. Die Zahl der Intensivpatienten lag mit 58 auf einem ähnlichen Niveau wie eine Woche zuvor.

Deutlicher war der Rückgang bei der Zahl der Menschen, die in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion verstorben sind. Das RKI meldete 18 neue Sterbefälle, in den beiden Wochen zuvor waren es noch 32 bzw. 49.


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehn Mal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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