Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Fallzahlen sinken weiter - aber Sorge wegen Omikron

Thomas Braun   21.12.2021 | 11:32 Uhr

Die Corona-Zahlen sind weiter gesunken - regional aber mit größeren Unterschieden. Die Omikron-Variante scheint im Saarland noch nicht in Umlauf zu sein. Dennoch rät der Virologe Jürgen Rissland zu Kontaktbeschränkungen, zumal über die Feiertage vermutlich weniger getestet wird und die Dunkelziffer steigen könnte.



Stärkster Rückgang im Kreis St. Wendel

Der Rückgang bei den Corona-Neuinfektionen hat sich im Saarland vergangene Woche im Vergleich zur Vorwoche beschleunigt. Laut Robert-Koch-Institut wurden 2717 neue Fälle gemeldet und damit gut 24 Prozent weniger als eine Woche zuvor.

Besonders deutlich war der Rückgang im Kreis St. Wendel. Dort gab es 40 Prozent weniger Fälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 168 - der niedrigste Wert aller Kreise. Zwei Kommunen im Kreis, Namborn und Tholey, haben sogar wieder eine Inzidenz unter 100 - als einzige Gemeinden im Saarland.

Am geringsten war der Rückgang im Kreis Merzig-Wadern mit einem Minus von knapp fünf Prozent. Zwar sanken auch hier die Fallzahlen in den meisten Kommunen - aber gerade in der größten Stadt, Merzig, gab es ein deutliches Plus. Das wirkt sich dann auch auf die Gesamtentwicklung im Kreis aus.

Fallzahlen in älteren Jahrgängen am stärksten gesunken

Während in den beiden Vorwochen vor allem in den Schuljahrgängen ein überdurchschnittlicher Rückgang der Fallzahlen zu beobachten war, gab es in der vergangenen Woche vor allem in älteren Jahrgängen deutlich weniger Corona-Neuinfektionen. Bei den 40- bis 49-Jährigen etwa wurden 39 Prozent weniger Fälle gemeldet, bei den 70- bis 79-Jährigen sogar 44 Prozent weniger.

Generell gingen die Fallzahlen in allen Altersgruppen zurück. Etwas gegenläufig zum saarlandweiten Trend war die Entwicklung allerdings im Saarpfalz-Kreis. Hier gab es insbesondere bei Kindern unter zehn Jahren wieder einen deutlichen Anstieg.

Rissland: Kontakte schon jetzt deutlich einschränken

Trotz des positiven Trends mahnt der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland wegen des erwarteten Anstiegs der Omikron-Variante weiter zur Vorsicht. Zwar gebe es bislang erst zwei bestätigte Fälle im Saarland, angesichts der weiten Verbreitung der neuen Virusvariante in anderen europäischen Staaten schließt er allerdings nicht aus, dass es im Saarland schon mehrere, noch unentdeckte Fälle gibt.

Coronacheck: Vorbereitungen auf Omikron
Video [SR.de, (c) SR, 21.12.2021, Länge: 01:48 Min.]
Coronacheck: Vorbereitungen auf Omikron

"Wenn dann die Kontakte in der momentanen Form weiter fortgesetzt werden, wird die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Omikron weiter unterstützt werden", sagte Rissland. Aus seiner Sicht zählt jeder Tag, selbst wenn die Politik erst stärkere Beschränkungen nach Weihnachten beschließen sollte. "Wir müssen uns sehr ernsthaft darüber Gedanken machen, ob wir die Kontaktreduktion nicht jetzt schon mehr oder weniger unmittelbar beginnen lassen."

Feiertage verzerren das Bild der Lage

Hinzu komme, dass sich über die Feiertage weniger Menschen testen ließen und auch die Labore über Weihnachten begrenzte Kapazitäten hätten. "Das bedeutet, dass wir eine Verzögerung in der Erkennung von neuen Fällen haben werden", sagte Rissland.

Die Dunkelziffer steigt entsprechend. Dass sie bereits jetzt auf einem vergleichsweise hohen Niveau ist, dafür spricht die nach wie vor hohe Positivrate bei den PCR-Tests. Im größten saarländischen Labor, Bioscientia in St. Ingbert, liegt sie seit mehreren Wochen bei etwa 20 Prozent. Im Vergleich zur Vorwoche war sie in den vergangenen Tagen sogar wieder leicht gestiegen.

Etwas weniger Covid-Patienten

Verlässlicher als die Meldezahlen ist über die Feiertage die Situation in den Kliniken zu erfassen - wobei sich das Infektionsgeschehen hier immer erst mit Verzögerung niederschlägt. Aktuell zeigt sich hier der bereits seit drei Wochen zu beobachtende Rückgang bei den Infektionszahlen.

Im Krankenhaus wurden am Sonntag 302 Covid-Patienten behandelt, darunter 63 Intensivpatienten. Das waren vier Patienten bzw. sieben Prozent weniger als eine Woche zuvor.

Doppelt so viele Todesfälle wie in der Vorwoche

Bei den Todesfällen in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gab es vergangene Woche einen neuen Höchststand in dieser vierten Welle. Insgesamt wurden 49 neue Sterbefälle gemeldet, doppelt so viele wie eine Woche zuvor.

Etwa jeder fünfte Fall war dabei eine Nachmeldung aus früheren Wochen. Diese Nachmeldungen entstehen unter anderem durch zeitlichen Mehraufwand beim Datenabgleich, wenn Menschen in einem anderen Landkreis als ihrem Heimatkreis versterben.

Nach Einschätzung von Virologe Jürgen Rissland könnte mit diesen Zahlen aber vorläufig der Höchststand für die Delta-Welle erreicht sein.

Erneuter Impfrekord

Deutlich gestiegen ist die Zahl der Impfungen, inbesondere der Booster-Impfungen. Mittlerweile sind 37,1 Prozent der Menschen im Saarland geboostert. In der älteren Bevölkerung ab 60 Jahren liegt die Boosterquote sogar bei 60 Prozent.

Bis Jahresende könnte die Quote in der Gesamtbevölkerung nach Einschätzung der Landesregierung auf 50 Prozent steigen. Das bringe etwas mehr Sicherheit im Bezug auf mögliche Auswirkungen der Omikron-Variante, sagte Rissland. "Wir wissen aus Beobachtungen aus anderen Ländern, dass Geboosterte einen besseren Impfschutz haben."

Es würde aus seiner Sicht auch helfen, die Impfabstände zwischen Grundimmunisierung und Auffrischung noch etwas zu verkürzen - allerdings auch nicht beliebig kurz. Im Gespräch ist derzeit eine mögliche neue Empfehlung der Stiko mit einem Abstand von drei Monaten. "Das sollte man dann auch im Saarland nutzen", so Rissland. "Denn in der Kombination aus einer hohen Boosterquote und Kontaktreduktion liegt der Schlüssel zum Erfolg."


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehn Mal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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