Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Coronazahlen sinken - aus Expertensicht aber zu langsam

Thomas Braun   14.12.2021 | 13:39 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist im Saarland die zweite Woche in Folge leicht gesunken - insbesondere in jüngeren Jahrgängen. Aus Sicht des Corona-Experten Professor Thorsten Lehr verläuft der Rückgang aber deutlich zu langsam, um einen Puffer für die erwartete Omikron-Ausbreitung zu haben.



Realer Rückgang der Fallzahlen

In der zurückliegenden Woche verzeichnete das Robert-Koch-Institut 3571 neue Fälle im Saarland - gut zehn Prozent weniger als eine Woche zuvor. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank von 406,6 auf 362,9.  Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes, geht aktuell davon aus, dass die Zahlen tatsächlich sinken und nicht unbedingt durch einen Meldeverzug verzerrt sind.

"Die aktuelle Fallzahlentwicklung mit einer leichten Seitwärtstendenz und auch einem leichten Abfallen in Deutschland und im Saarland halte ich für real", so Lehr. "Wir haben es durch die 2G- und 2G-plus-Maßnahmen schon geschafft, die Kontakte zu reduzieren und auf ein Seitwärtsniveau und einen leichten Abfall hinzuarbeiten."

Corona-Check: Coronazahlen sinken - aus Expertensicht aber zu langsam
Video [SR.de, Felix Schneider, 14.12.2021, Länge: 01:20 Min.]
Corona-Check: Coronazahlen sinken - aus Expertensicht aber zu langsam

Wohl auch Höhepunkt der Welle in den Kliniken erreicht

Allerdings verläuft dieser Rückgang aus Lehrs Sicht noch lange nicht schnell genug. Die Fallzahlen lägen immer noch auf einem hohen Niveau. Zwar spiegele sich auch in den Kliniken wieder, dass das starke Wachstum gestoppt wurde - auch hier scheint erst einmal der Peak erreicht. "Das alles zusammen klingt gut, ist aber keine gute Ausgangsposition, wenn man bedenkt, dass Varianten wie Omikron demnächst bei uns Einzug halten werden", sagte Lehr. Dann gebe es keine Reserven mehr.

Im Saarland lag die Zahl der Patienten mit 316 ungefähr auf dem Niveau von vergangenem Montag - nachdem es unter der Woche einen zwischenzeitlichen Anstieg auf 356 Patienten gegeben hatte. Auf den Intensivstationen wurden am Montag 68 Patienten behandelt.

Deutlicher Rückgang bei Kindern im Schulalter

Der Rückgang der Fallzahlen zeigte sich vergangene Woche - wie schon in der Vorwoche - in der Altersgruppe der Zehn- bis 19-Jährigen mit einem Minus von fast 20 Prozent. Die Inzidenz in dieser Altersgruppe ist damit zwar immer noch ungefähr doppelt so hoch wie im Landesschnitt. Noch vor zwei Wochen waren es aber drei Mal so viele Fälle wie in der restlichen Bevölkerung.

Ein leichtes Plus gab es hingegen bei jüngeren Kindern und Personen über 70 Jahren.

Sinkende Fallzahlen in den meisten Kommunen

Regional den stärksten Rückgang bei den Meldezahlen gab es im Kreis Saarlouis, der nun bei der Sieben-Tage-Inzidenz mit dem Kreis Neunkirchen nahezu gleichauf liegt. Beide lagen Ende der Woche mit einem Wert von 392 aber immer noch deutlich über dem Landesschnitt.

Bis auf Rehlingen-Siersburg und Überherrn verzeichneten alle Städte und Gemeinden im Kreis Saarlouis einen Rückgang bei den Neuinfektionen. Ähnlich die Entwicklung im Kreis Neunkirchen und im Kreis Merzig-Wadern. In den anderen Kreisen hingegen halten sich die Kommunen mit sinkenden und mit steigenden Fallzahlen ungefähr die Waage. Für den Saarpfalz-Kreis liegen keine Daten vor.

Positivrate weiter auf hohen Niveau

Weiterhin auf hohem Niveau ist die Positivrate bei den Labortests. Zwar wurden vergangene Woche im größten saarländischen Labor, Bioscientia in St. Ingbert, mit rund 17.500 wieder etwas weniger Tests ausgewertet als zuvor.

Positiv waren davon aber 3340 - was einer Rate von 19,05 Prozent entspricht. Diese hohe Positivrate spricht für eine weiter hohe Dunkelziffer.

Neuer Impf-Rekord

Deutlich an Fahrt aufgenommen hat die Impf-Kampagne im Saarland: In der vergangenen Woche knapp es knapp 100.000 Impfungen im Saarland - fast überwiegend Booster-Impfungen. Die Quote bei den Auffrisch-Impfungen stieg binnen einer Woche von 19,4 auf 28,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mindestens einmal geimpft sind 78,8 Prozent.

Mehr Todesfälle

Dass sich das Infektionsgeschehen erst mit Verzögerung bei den Sterbefallzahlen niederschlägt, zeigt sich diese Woche ganz deutlich. Während die Zahl der neuen Coronafälle langsam sinkt, hat die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit einer Coronainfektion den höchsten Stand seit dem Sommer erreicht. In der vergangenen Woche sind insgesamt 24 Verstorbene gemeldet worden. Anfang November lag die Zahl noch im einstelligen Bereich.


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehn Mal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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