Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Corona-Fallzahlen im Saarland nehmen weiterhin zu - aber langsamer

Tabea Prünte   29.11.2021 | 17:18 Uhr

Erstmals seit vier Wochen verlangsamt sich die Ausbreitung der Infektionen mit dem Coronavirus. Experten warnen aber: Noch sei unklar, ob für diese Entwicklung schon die neuen Maßnahmen verantwortlich sind oder ob die Gesundheitsämter nicht mehr mit der Kontaktnachverfolgung hinterherkommen.



Anstieg geringer als in den Wochen zuvor

4340 positive Coronafälle meldete das Robert-Koch-Institut für die vergangene Woche im Saarland. Das sind rund 25 Prozent mehr Fälle als in der Woche davor. Letzte Woche hatte das Saarland noch ein Plus von 85 Prozent im Vergleich zur Vorwoche zu verzeichnen und lag damit deutlich über dem Bundesschnitt.

Die Zahlen zeigen: Zwar wächst weiterhin in allen Altersgruppen die Anzahl der Personen, die sich mit dem Coronavirus infizieren. Jedoch scheint sich die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Der Anstieg der gemeldeten Fälle fiel in allen Altersgruppen deutlich geringer aus als in der Vorwoche.

Coronavirus breitet sich langsamer unter den Jüngeren aus

Am deutlichsten verlangsamte sich das Wachstum innerhalb der Altersgruppe der 0- bis 9-Jährigen. Der Zuwachs lag dort bei knapp 30 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. In der Woche davor gab es dort noch ein Plus von knapp 140 Prozent.

Auch bei den 10- bis 19-Jährigen ist der Anstieg der Fallzahlen deutlich abgeschwächt. Von einem Zuwachs von rund 90 Prozent sinkt das Wachstum auf rund 16 Prozent.

Experte warnt vor Kontrollverlust

Ob sich hier schon eine Wirkung der vor knapp zehn Tagen wieder eingeführten Maskenpflicht an Schulen zeigt, ist aktuell schwer einzuschätzen. Ebenso denkbar ist auch, dass es damit zu tun hat, dass die Gesundheitsämter an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt sind, und die Kontaktnachverfolgung zurzeit stark eingeschränkt ist.

Schon vergangene Woche hatte Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Saar-Uni, darauf hingewiesen, dass die Meldezahlen sinken könnten, wenn die Ämter nicht mehr hinterherkämen oder die Testkapazitäten nicht mehr ausreichten.

20 Prozent der PCR-Tests positiv

Die Arbeitsbelastung in den Laboren ist zuletzt deutlich gestiegen - derzeit könne man aber noch alle Proben zeitnah auswerten, sagte ein Sprecher des größten saarländischen Labors Bioscientia in St. Ingbert. „Unser Ziel, die PCR innerhalb von 24 bis 48 Stunden auszuwerten, erreichen wir derzeit noch.“ In den meisten Fällen liege innerhalb eines Tages ein Testergebnis vor.

Diese Ergebnisse fallen zunehmend positiv aus. Die Positivrate hat sich in der letzten Zeit ungefähr verdoppelt. In der vergangenen Woche hat das Labor rund 20.000 PCR-Tests ausgewertet. Davon war etwa jeder fünfte positiv. Zum Vergleich: In der ersten Novemberwoche kamen rund 9000 PCR-Tests im Labor zusammen. Damals war etwa jeder zehnte Test positiv.

Nur Fälle, die im Labor per PCR bestätigt wurden, fließen auch in die Meldestatistik ein. Positive Schnelltestergebnisse müssen also auch immer durch eine PCR bestätigt werden.

Kreis Saarlouis mit höchster Inzidenz im Saarland

Die meisten Fälle pro 100.000 Einwohner gab es in den vergangenen sieben Tagen im Kreis Saarlouis. Dort liegt der Inzidenzwert derzeit bei knapp über 500. Mit einer Inzidenz von rund 470 belegt der Saarpfalz-Kreis den zweiten Platz der höchsten Werte im Saarland. Aus Kapazitätsgründen ist es dem Kreis derzeit aber nicht möglich, Daten für die einzelnen Kommunen zur Verfügung zu stellen.

Ausbrüche in mehreren Schulen und Kitas

Ebenfalls hohe Fallzahlen gibt es im Regionalverband Saarbrücken. Das liegt unter anderem auch an Corona-Ausbrüchen in insgesamt 41 Kitas und Schulen. Die meisten Fälle gibt es mit über 40 Infizierten in einer Grundschule in Kleinblittersdorf. Bei rund der Hälfte der 41 betroffenen Kitas und Schulen handele es sich bisher mit jeweils zwischen zwei und fünf Fällen um ein "relativ kleines" Ausbruchsgeschehen, lautet die Einordnung eines Sprechers des Regionalverbandes. Insgesamt gebe es in den Kitas und Schulen 391 positive Fälle.

„Man kann davon ausgehen, dass Folgefälle durch Ansteckungen innerhalb der Einrichtung kommen", sagt er. „Die meisten Cluster haben vor der Einführung der Maskenpflicht begonnen."

Hospitalisierung im Saarland noch vergleichsweise gering

Derweil steigt auch die Anzahl der Personen, die aufgrund einer Erkrankung mit dem Coronavirus stationär in den saarländischen Kliniken behandelt werden müssen. Am Sonntag betraf dies 198 Personen. Das sind 50 Personen mehr als zu Beginn der vergangenen Woche. Das Saarland liegt mit diesen Zahlen derzeit bei einer Hospitalisierungsinzidenz von 4,17 und hat damit die Stufen, welche die Situation als kritisch oder hochkritisch einordnen, noch nicht erreicht.

Die Hospitalisierungsinzidenz gibt an, wie viele Fälle von 100.000 Einwohnern aufgrund einer Coronainfektion im Kankenhaus behandelt werden müssen. Mit den steigenden Fallzahlen steigt derzeit auch dieser Wert. Jedoch wird immer wieder auch Kritik an der Aussagekraft der Hospitalisierungsinzidenz geäußert.

Um regionalen Überlastungen der Krankenhäuser vorzubeugen, gibt es bereits Verlegungen von Patientinnen und Patienten. Das Saarland hat dementsprechend in der vergangenen Woche schon Erkrankte aus anderen Bundesländern aufgenommen.

Neue Variante noch nicht im Saarland nachgewiesen

Die neue Variante B1.1.529 - auch Omikron genannt - ist bisher noch nicht im Saarland nachgewiesen worden. Die Uniklinik untersucht positive Coronaproben systematisch auf die neue Variante des Coronavirus.

Da Omikron viele Mutationen am Spike-Protein aufweist, sind Forschende beunruhigt. Denn genau dort setzen die Impfstoffe an. Derzeit ist aber noch unklar, ob die neue Variante wirklich gefährlicher ist als frühere Varianten, erklärt Dr. Jürgen Rissland, leitender Oberarzt am Institut für Virologie an der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg.

Um die vierte Infektionswelle zu brechen bräuchte es vor allem weitere Kontaktbeschränkungen, so die Einschätzung des Experten.

Die Landesregierung plant derweil die Einführung von schärferen Maßnahmen vor allem für Ungeimpfte.

Bundesweit zweithöchste Impfquote

Erstmals seit einiger Zeit ist die Anzahl der Erstimpfungen in der vergangenen Woche wieder deutlich gestiegen. 7571 Personen haben sich in der vergangenen Woche zum ersten Mal gegen das Coronavirus impfen lassen. Das sind etwa 60 Prozent mehr als in der Vorwoche. Außerdem gab es 4409 Zweitimpfungen.

Knapp 43.000 Impfungen wurden im Saarland in der vergangenen Woche durchgeführt. Den größten Anteil daran hatten die mehr als 36.000 Auffrischungsimpfungen.

Das Saarland hat insgesamt mit 77,5 Prozent bundesweit die zweithöchste Quote an Erstimpfungen. 74,9 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer haben ihre zweite Impfung bekommen, ihre Auffrischungsimpfung haben etwa 12,5 Prozent der Menschen im Saarland erhalten.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 29.11.2021 berichtet.


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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