Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Corona-Fallzahlen im Saarland fast verdoppelt

Thomas Braun   22.11.2021 | 18:27 Uhr

Die Ausbreitung des Corona-Virus im Saarland hat sich in der vergangenen Woche noch einmal beschleunigt. Innerhalb einer Woche haben sich die Fallzahlen fast verdoppelt - das mit Abstand stärkste Wachstum im Bundesländervergleich. Eine erste Kommune und Altersgruppe liegt über einer Inzidenz von 1000.



Anstieg um 85 Prozent

"Deutschland ist ein einziger großer Ausbruch" - mit diesen drastischen Worten beschrieb RKI-Chef Lothar Wieler am Freitag die aktuelle Corona-Situation. Diese Beschreibung trifft in besonderem Maße auch auf das Saarland zu, wie ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Woche zeigt.

Der Anstieg der Fallzahlen hat sich die dritte Woche in Folge beschleunigt. 3456 neue Coronafälle meldete das Robert-Koch-Institut für die vergangene Woche im Saarland, und damit rund 85 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Bundesweit verzeichnete das RKI einen Anstieg von knapp 19 Prozent. Bereits vor zwei Wochen hatte das Saarland mit einem Plus von über 70 Prozent das stärkste Wachstum aller Bundesländer.

Inzidenz bei Jugendlichen über 1000

Der Anstieg zieht sich durch alle Altersgruppen - lediglich bei den 20- bis 29-Jährigen und 40- bis 49-Jährigen fällt er etwas niedriger als im Landesschnitt aus. Bei den 0- bis 9-Jährigen hingegen gab es sogar ein Plus von knapp 140 Prozent.

Bei den 10- bis 14-Jährigen stieg die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals über einen Wert von 1000. Das bedeutet, dass bei mehr als einem von 100 Kindern in dieser Altersgruppe in den vergangenen sieben Tagen das Coronavirus nachgewiesen wurde.

Vermutlich hohe Dunkelziffer

Die tatsächliche Zahl an Infektionen könnte sogar höher liegen. Aufgrund der hohen Dynamik rechnet RKI-Chef Wieler aktuell mit einer doppelt bis dreimal so hohen Dunkelziffer.

Dafür spricht auch die hohe Positivquote bei den PCR-Tests. 17 Prozent und damit rund jeder sechste PCR-Test, den das größte saarländische Labor in St. Ingbert vergangene Woche ausgewertet hat, war positiv. Experten gehen davon aus, dass bei derart hohen Positivquoten längst nicht mehr alle Infektionen erfasst werden.

Eine Kommune über 1000, mehrere über 500

Wielers Bild von einzigem großen Ausbruch zeigt sich auch beim Blick auf die saarländische Landkarte. Außer in vier kleinen Gemeinden im Nordsaarland sind die Fallzahlen flächendeckend gestiegen.

In gleich elf Städten und Gemeinden kletterte die Inzidenz auf einen Wert über 500. Bis auf die Stadt Merzig liegen alle im Kreis Saarlouis und im Regionalverband. Für Kleinblittersdorf liegt der rechnerische Inzidenzwert sogar bei 1377. In der 11.000-Einwohner-Gemeinde gab es in den vergangenen sieben Tagen 149 Fälle.

Mehrere Ausbrüche an Schulen und Kitas

Laut Regionalverband stehen viele der Kleinblittersdorfer Fälle - genauso wie beispielsweise in Sulzbach - in Zusammenhang mit Ausbrüchen in Grundschulen und Kitas, was wiederum zu Folgefällen in den Familien geführt hat.

Auch der Landkreis Saarlouis listet derzeit mehrere Dutzend Schulen und Kitas auf, in denen Coronafälle aufgetreten sind. Darunter sind größere Ausbrüche am Stadtgarten-Gymnasium Saarlouis mit mittlerweile 59 Fällen, an der Wadgasser Bisttalschule mit 22 Fällen oder der Johannes-Gutenberg-Schule in Schwalbach mit 13 Fällen.

Leichter Anstieg der Patientenzahlen

In den saarländischen Kliniken gab es im Vergleich zur Vorwoche nur ein leichtes Plus. Die Zahl der Covid-Patienten stieg von 115 auf 131. Davon müssen aktuell 33 intensivmedizinisch behandelt werden.

Erste Kliniken bereiten sich aber auf höhere Belegungszahlen vor. Die Uniklinik hat zum Beispiel am Montag damit begonnen, Personal von anderen Bereichen umzuschichten, um die zentralen Covid- und Intensivstationen zu stärken.

Lage in Sachsen und Bayern spitzt sich zu

In Sachsen und Bayern, die schon vor rund zwei Wochen ähnliche Inzidenzwerte wie das Saarland heute hatten, sind die Intensivkapazitäten bald erschöpft. Die Landesärztekammer in Sachsen erwartet in den kommenden Tagen Triage-Situationen. Auch in einigen besonders betroffenen Regionen Bayerns spitzt sich die Lage zu.

Beide Bundesländer haben allerdings deutlich niedrigere Impfquoten als das Saarland. In Bayern sind nur 66,1 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, selbst in der besonders gefährdeten Gruppe der über 60-Jährigen liegt die Quote nur 83,7 Prozent. In Sachsen sind die Werte noch einmal niedriger.

Impfquote im Saarland steigt

Im Saarland hingegen sind über 90 Prozent der älteren Bevölkerung zweifach geimpft, 17,6 Prozent haben sogar schon ihre Auffrisch-Impfung erhalten. Auch die Zahl der Erstimpfungen ist in den vergangenen beiden Wochen noch einmal deutlich auf über 4000 gestiegen.

In der vergangenen Woche meldete das Robert-Koch-Institut zwölf Todesfälle im Saarland in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Eine Woche zuvor waren es zehn Todesfälle.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 22.11.2021 berichtet.


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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