Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Rekord-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen

Thomas Braun   16.11.2021 | 13:20 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen im Saarland ist auf den mit Abstand höchsten Wert seit Beginn der Pandemie gestiegen. Auch in allen anderen Altersgruppen gingen die Zahlen nach oben - saarlandweit gab es gut 70 Prozent mehr neue Fälle als eine Woche zuvor.



Hohe Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen

Seit mehreren Wochen steigen die Corona-Zahlen im Saarland wieder deutlich an. Am stärksten betroffen sind nach wie vor Kinder und Jugendliche. Bei den 10- bis 14-Jährigen kletterte die Sieben-Tage-Inzidenz nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in der vergangenen Woche auf 466. Auch bei den 5- bis 9-jährigen und den 15- bis 19-Jährigen gab es neue Höchststände.

Bundesweit lagen die Werte noch einmal deutlich darüber. Für die 10- bis 14-Jährigen gibt das RKI einen Wert von 706 an, in Sachsen lag die Inzidenz in dieser Altersgruppe sogar bei 1842.

Fallzahlen insgesamt um 70 Prozent gestiegen

Nicht nur bei den Kindern und Jugendlichen sind die Fallzahlen im Saarland gestiegen - auch in allen anderen Altersgruppen gab es im Vergleich zur Vorwoche ein deutliches Plus. Insgesamt verzeichnete das RKI 1863 positiv getestete Personen - gut 70 Prozent mehr als eine Woche zuvor.

Mehrere Kommunen über 300er Inzidenz

Am stärksten betroffen ist derzeit der Kreis Saarlouis. Die Kreisverwaltung spricht insgesamt von einem "diffusen Ausbruchsgeschehen", man beobachte derzeit aber auch ein "breites Fallgeschehen an den Schulen". Der Kreis hat nicht nur bei der Inzidenz insgesamt, sondern auch bei den 10- bis 14-Jährigen den landesweit höchsten Wert. Der weitaus größte Teil der insgesamt 65 Fälle in dieser Altersgruppe hängt mit einem Ausbruch am Saarlouiser Stadtgarten-Gymnasium zusammen.

Das wirkt sich teils auch auf die umliegenden Gemeinden aus. Alle fünf Kommunen, die in der vergangenen Woche eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 300 verzeichneten, liegen im Kreis Saarlouis. In Schwalbach, der Gemeinde mit der landesweit höchsten Inzidenz von 431, gab es nach Angaben der Kreisverwaltung zusätzlich einen Ausbruch bei einer Fastnachtsveranstaltung. Der habe die Zahlen insgesamt aber nur minimal nach oben getrieben.

Video [aktueller bericht, 16.11.2021, Länge 4:06 Min.]
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Insgesamt verläuft der Anstieg der Corona-Fallzahlen auf breiter Front. Gleich in 23 der 52 Städte und Gemeinden im Saarland gab es mindestens doppelt so viele Neuinfektionen wie eine Woche zuvor. Eine Inzidenz unter 100 meldeten die Behörden in der vergangenen Woche nur noch für Eppelborn, Nonnweiler, Wadern und Riegelsberg.

Covid-Patientenzahlen deutlich gestiegen

Zunehmend kommt die vierte Coronawelle auch in den saarländischen Krankenhäusern an. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden am Montag 115 Covid-Patienten stationär behandelt. Vor einer Woche waren es noch 67 Patienten, vor zwei Wochen 53. Auch die Zahl der Intensivpatienten stieg binnen sieben Tagen von 17 auf 28.

Auch die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit einer Coronainfektion steigt wieder an. Das RKI meldete in der vergangenen Woche zehn Verstorbene - der höchste Wert seit Mitte Mai.

Wieder etwas mehr Impfungen

Offenbar angetrieben durch die aktuelle Entwicklung steigt die Nachfrage nach Impfungen. Erstmals seit zwölf Wochen gab es in der vergangenen Woche wieder mehr Erstimpfungen als eine Woche zuvor.

Das Saarland hat nach wie vor die zweithöchste Impfquote bundesweit. 74 Prozent der Gesamtbevölkerung gelten als vollständig geimpft. Von den 12- bis 17-Jährigen, die von dem derzeitigen Infektionsgeschehen mit am meisten betroffen sind, hat knapp jeder zweite seine Impfserie abgeschlossen.

Stark nachgefragt sind derzeit vor allem Auffrisch-Impfungen. 12,4 Prozent der über 60-Jährigen im Saarland haben laut RKI bereits eine dritte Impfung erhalten. Damit liegt das Saarland leicht über dem Bundeschnitt von 11,8 Prozent - aber deutlich zurück hinter Ländern wie Berlin (23,3 Prozent), Bremen (17,6 Prozent) und Schleswig-Holstein (15,5 Prozent).

Wann soll geboostert werden?

Aktuelle Studien zeigen, dass der Impfschutz einige Monate nach der zweiten Impfung abnimmt. Drei Studien aus England, Israel und Schweden hat sich das ZDF hierzu genauer angeschaut.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt derzeit eine Auffrisch-Impfung für alle Menschen über 70 sowie Pflegepersonal und medizinischem Personal mit direktem Patientenkontakt. Die Impfung sollte aber frühestens sechs Monate nach der Grundimmunisierung erfolgen.

Zudem sollten sich Menschen, die bislang nur das Vakzin von Johnson&Johnson erhalten haben, ab vier Wochen nach der Impfung erneut mit einem mRNA-Präparat impfen lassen.

Der Virologe Christian Drosten wünscht sich angesichts der aktuellen Entwicklung gerade mit Blick auf ältere Betroffene ein gewisses Augenmaß bei den impfenden Ärzten. Es sei zwar durchaus richtig, dass die Stiko Fristen festgelegt habe - auch, damit zum Beispiel überbesorgte Menschen jetzt nicht die Arztpraxen überrennen. Umgekehrt liegt es seiner Ansicht nach aber auch im ärztlichen Ermessensspielraum, besonders gefährdete Menschen auch schon nach vier Monaten zu boostern, sagte er im NDR-Podcast "Coronavirus Update."


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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