Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Inzidenz im Bund auf neuem Hoch - Anstieg auch im Saarland

Thomas Braun   09.11.2021 | 09:00 Uhr

Die deutschlandweite Inzidenz ist auf den höchsten gemeldeten Wert seit Beginn der Corona-Pandemie gestiegen. Auch im Saarland gab es in der vergangenen Woche ein deutliches Plus von 50 Prozent - das Saarland hat aber nach wie vor einen der niedrigsten Werte bundesweit.



Höchste bundesweite Inzidenz seit Beginn der Pandemie

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am Montag eine deutschlandweite Sieben-Tage-Inzidenz von 201,1 gemeldet. Das ist der höchste je vom RKI ausgegebene Tageswert seit Beginn der Corona-Pandemie.

Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Während es in Sachsen in der vergangenen Woche fast 500 Fälle pro 100.000 Einwohner gab und auch Thüringen deutlich über der 400er-Grenze lag, liegt der Wert im Saarland bei 110,5. Das sind zwar gut 50 Prozent mehr als noch vor einer Woche - aber immer noch der viertniedrigste Wert bundesweit nach Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen.

Niedrige Impfquote, hohe Inzidenz

Tendenziell zeigt sich, dass die Bundesländer mit einer niedrigen Impfquote derzeit die höchsten Inzidenzen haben. In Sachsen etwa sind nur 57 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft - und auch Bayern oder Baden-Württemberg liegen mehr als acht Prozentpunkte unter der saarländischen Quote von 73,5 Prozent.

Anstieg in fast allen Saar-Kommunen

Aber nicht nur zwischen den Bundesländern, sondern auch innerhalb des Saarlandes gibt es deutliche Unterschiede. In Merzig-Wadern etwa ist die Sieben-Tage-Inzidenz mit 159,5 aktuell fast doppelt so hoch wie im Saarpfalz-Kreis. Von den zehn Städten und Gemeinden mit den höchsten Inzidenzen in der vergangenen Woche liegen bis auf Spiesen-Elversberg alle in den Kreisen Merzig-Wadern und Saarlouis.

Die landesweit höchste Inzidenz mit 273 hatte vergangene Woche Mettlach. Das hängt nach Angaben des Landkreises unter anderem mit einem Ausbruch bei einem Fußballspiel zusammen.

Insgesamt haben im Landkreis auch Nachwehen von Halloween-Partys und die Tests an den Schulen nach dem Herbstferien-Ende zur gesteigerten Inzidenz beigetragen. Bei der Party in einer Merziger Diskothek, nach der das Gesundheitsamt die Gäste extra zum Coronatest aufgerufen hatte, gab es letztlich sieben bestätigte sowie zwei weitere Verdachtsfälle.

In Nonnweiler, das vor einer Woche noch die saarlandweit zweithöchste Inzidenz hatte, sind in den vergangenen sieben Tagen keine neuen Fälle mehr hinzugekommen. Damit gehört Nonnweiler zu den acht Städten und Gemeinden im Saarland, die einen Rückgang der Fallzahlen verzeichnen konnten. In allen anderen Kommunen blieben die Zahlen gleich oder sind - teils deutlich - gestiegen.

Test- und Positivrate deutlich gestiegen

Dass das Infektionsgeschehen deutlich anzieht, zeigt sich auch an den Testzahlen des größten saarländischen Labors ins St. Ingbert. Im Vergleich zur ersten Oktoberwoche stieg die Zahl der durchgeführten PCR-Tests in der vergangenen Woche um gut 30 Prozent. Die Positivrate kletterte im gleichen Zeitraum um 80 Prozent auf 9,68. Also fast jeder zehnte Fall, der per PCR untersucht wurde, war zuletzt auch positiv.

Anstieg in allen Altersklassen

Nach wie vor spielt sich das Infektionsgeschehen im Saarland überwiegend in der jüngeren Bevölkerung ab, auch wenn die Fallzahlen in der vergangenen Woche in allen Altersgruppen gestiegen sind. Bei den 20- bis 29-Jährigen verdoppelten sich die Fallzahlen fast von 74 auf 141, bei den über 80-Jährigen gab es acht Fälle mehr als eine Woche zuvor.

90 Prozent der älteren Bevölkerung geimpft

Auch hier dürften die Impfungen mit eine Rolle spielen. Bei den über 60-Jährigen liegt die Quote der vollständig geimpften im Saarland mittlerweile bei über 90 Prozent. Von Zwölf- bis 17-Jährigen hingegen, die allerdings auch ein deutlich geringeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, hat weniger als jeder zweite einen Impfschutz gegen das Corona-Virus.

Auch wenn es zunehmend häufiger zu Impfdurchbrüchen kommt, schätzt das RKI die Impfeffektivität auf 73 Prozent. Der Schutz vor einer Krankenhauseinweisung liegt laut RKI zwischen 85 Prozent bei den über 60-jährigen und 89 Prozent bei unter 60-Jährigen, der Schutz vor einem tödlichen Verlauf zwischen 86 und 92 Prozent.

Krankenhauszahlen niedriger als vor einem Jahr

Entsprechend liegt die Zahl der Covid-Patienten in den saarländischen Kliniken derzeit niedriger als im Herbst vergangenen Jahres, als es noch keinen Impfstoff gab. Eine ähnliche hohe Inzidenz wie derzeit gab es im Saarland Ende Oktober. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als 100 Menschen in stationärer Behandlung, knapp ein Viertel davon auf Intensivstation. Aktuell werden 66 Coronapatienten in saarländischen Kliniken behandelt, 18 davon intensivmedizinisch.

Anders als noch im vergangenen Jahr flammt das Infektionsgeschehen aber nicht gerade erst auf, sondern liegt schon seit mehreren Wochen um das Fünf- bis Zehnfache höher als im vergangenen Jahr.


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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