Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Fast 40 Prozent mehr Corona-Fälle im Saarland

Axel Wagner   02.11.2021 | 18:00 Uhr

Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle im Saarland ist im Saarland deutlich gestiegen. Gegenüber der Vorwoche gab es fast 40 Prozent mehr Neuinfektionen. Trotzdem steht das Land im bundesweiten Vergleich noch sehr gut da.

Die saarländischen Gesundheitsämter haben für die vergangene Woche 719 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Das sind 198 Fälle mehr als eine Woche zuvor, ein Anstieg um 38 Prozent. Alle Kommunen sind betroffen.

Neuinfektionen in den Saar-Kommunen

Besonders viele Neuinfektionen gab es unter anderem in Nohfelden. Von den 21 registrierten Fällen gehen allein 16 auf ein Pflegeheim zurück. Dort hatten sich vergangene Woche zehn Bewohner und sechs Mitarbeiter infiziert, für 44 Bewohner wurde Quarantäne angeordnet.

Dementsprechend stieg hier die Sieben-Tage-Inzidenz auch von 30 auf 213. Aber auch Nonnweiler, Lebach, Neunkirchen und Saarbrücken verzeichneten einen deutlichen Anstieg.

Weiter kein 2G im Saarland

Trotz der steigenden Zahlen will die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) an den Lockerungen festhalten und auch keine 2G-Regelung einführen. Zur Begründung verweist sie auf die vergleichsweise hohe Impfquote und die niedrige Auslastung der Intensivstationen mit Corona-Fällen.

„Die Hospitalisierungsinzidenz lag im Oktober stabil zwischen eins bis zwei – Tendenz zum Ende des Monats: fallend“, so Bachmann. Erst bei einer Inzidenz von zwölf pro 100.000 Einwohner seien Einschränkungen beim Zugang vorgesehen.

Saarland weit unter Bundesschnitt

Saarlandweit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz nach der vergangenen Woche bei 72,46 und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 154,9. Nur Schleswig-Holstein steht mit 71,08 noch besser da als das Saarland. Spitzenreiter sind Thüringen mit 307,2 und Sachsen mit 291,6.

Beim Blick auf die Altersgruppen ist die Zahl der Neuinfektionen in fast allen Gruppen gestiegen. Nur in der Gruppe von 0 bis neun Jahre wurden weniger Fälle gemeldet als in der vergangenen Woche. Vergleichsweise deutliche Anstiege gab es bei den 50- bis 59-Jährigen und bei Menschen ab 80 Jahren.

Impfungen weiter rückläufig

Die Zahl der Impfungen ist unterdessen weiter zurückgegangen. Laut Robert-Koch-Institut wurden in der vergangenen Woche insgesamt 5508 Impfdosen verabreicht, darunter 3467 Zweitimpfungen. Die Quote der vollständig Geimpften klettert damit nur leicht von 72,9 auf 73,2 Prozent. Im bundesweiten Vergleich liegt das Saarland unverändert auf dem zweiten Platz hinter Bremen (78,3 Prozent vollständig geimpft).

Boosterimpfungen kaum gefragt

Auch die Auffrischungs- oder Boosterimpfungen werden nach Einschätzung von Gesundheitsministerin Bachmann derzeit nicht besonders stark nachgefragt. Viele verzichteten aktuell noch darauf, weil sie den bestehenden Impfschutz noch für ausreichend halten, so Bachmann.

Außerdem hätten die Arztpraxen bei der Impfstoffbestellung derzeit einen Vorlauf von 14 Tagen. „Wir fordern vom Bund eine Verbesserung, sodass die Impfstofflieferungen an die Ärzteschaft flexibler und kurzfristiger umgesetzt werden können.“

Allen Personen, für die die Empfehlung der Ständigen Impfkommission gelte, müsse ein entsprechendes Angebot zugänglich gemacht werden, sagte Bachmann. Bis 2. November registrierte das RKI im Saarland insgesamt 23.168 Boosterimpfungen, davon 22.881 mit dem Impfstoff von Biontech.

Warnung vor neuen Drohkulissen

Unterdessen warnt der Lungenfacharzt Dr. Kai-Michael Beeh vor weiteren Drohkulissen gegen Impfskeptiker. Das wäre ein fatales Signal. „Im Moment läuft so ziemlich alles falsch, was wir da bewegen können“, so der Mediziner im SR-Interview. Ängste könne man den Menschen nur nehmen, indem man mit ihnen spricht, keinesfalls aber, „indem man ihnen androht, dass sie hier kein Geld mehr bekommen, dies nicht mehr dürfen, das nicht mehr dürfen“.

So ein Vorgehen erzeuge nur Trotz, so Beeh. „Und dann gibt es eine Bunker-Mentalität. Dann werden Sie sehr viele Leute verlieren, die man vielleicht noch erreichen könnte.“ Als Grundstrategie für die nahe Zukunft empfiehlt er eine Kombination aus Tests, Impfungen und „lokalen Einschränkungen“, etwa Masken im Öffentlichen Personennahverkehr.


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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