Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Zahl der Coronafälle in Saar-Kommunen weiter gesunken

Melina Miller   21.09.2021 | 10:26 Uhr

Im Saarland sind in der vergangenen Woche rund 14 Prozent weniger neue Coronafälle gemeldet worden als in der Vorwoche. Der Trend mit den sinkenden Fallzahlen setzt sich damit vorerst fort. Dr. Jürgen Rissland erklärt, woran das liegt und was in diesem Jahr anders ist als im vergangenen Herbst.

Im Saarland haben die Kreisbehörden in der vergangenen Woche insgesamt 612 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das sind genau 100 weniger als in der Vorwoche, wie eine SR-Datenauswertung zeigt.

Für den Homburger Virologen Dr. Jürgen Rissland ist diese Entwicklung auf eine Mischung aus verschiedenen Faktoren zurückzuführen. Eine wichtige Rolle spiele zum Beispiel das schöne Wetter im September. "Das hat dazu beigetragen, dass die Menschen sich eher draußen aufgehalten haben", erklärt er.

Corona-Check: Warum sinken die Zahlen entgegen der Erwartungen?
Video [SR.de, (c) SR, 20.09.2021, Länge: 01:23 Min.]
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Lerneffekte im zweiten Pandemiejahr

Ein weiterer Grund: Die Menschen hätten sich an viele Verhaltensweisen in der Pandemie, wie etwa an das Tragen einer Maske, gewöhnt und setzten diese selbstverständlich um. "Hier sehen wir auch, dass wir in diesem Jahr mehr wissen als im vergangenen Jahr um diese Zeit", so Rissland. Außerdem seien in vielen verschiedenen Bereichen im Saarland die 3G-Regeln konsequent eingehalten worden.

Zusammen mit den Impfeffekten habe das dazu beigetragen, dass der befürchtete starke Anstieg der Fallzahlen im Herbst bisher nicht eingetreten sei.

Rissland: Hygieneregeln entscheidend

Das trifft auch auf die Schulen und Kitas zu: Auch hier blieb der exponentielle Anstieg nach Ende der Ferienzeit aus. Rissland macht dafür vor allem die Hygieneregeln und die regelmäßigen Tests verantwortlich. Auch die Maskenpflicht habe entscheidend dazu beigetragen, das Infektionsrisiko in den Schulen zu verringern, so der Experte.

Ein Blick auf die RKI-Daten zu den entsprechenden Altersgruppen unterstützt dieses Bild: So sind die Fallzahlen bei den 0- bis 9-Jährigen in der vergangenen Woche zum Beispiel um gut 20 Prozent gesunken. Bei den 10- bis 19-Jährigen blieb die Fallzahl nahezu stabil, es gab lediglich drei Fälle mehr als in der Vorwoche.

Familiencluster statt großer Ausbrüche

Dass sich Infektionen in Schulen und Kitas nicht mehr so stark ausbreiten, zeigt sich grundsätzlich auch in den Saar-Kommunen. Statt ganzer Institutionen sind bis auf wenige Ausnahmen eher einzelne Familien von Infektionsfällen betroffen.

So auch in Ottweiler, wo es in der vergangenen Woche mit 160 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner den höchsten Wert saarlandweit gab: Nach Angaben der Gemeinde sind dort zwar aktuell viele Kinder infiziert. Die Infektionen verteilten sich aber auf mehrere Familiencluster und seien nicht auf einen größeren Coronaausbruch in einer Einrichtung zurückzuführen, erklärte eine Sprecherin des Landkreises Neunkirchen.

In zwei Kommunen, Großrosseln und Freisen, gab es dagegen gar keine neuen Fälle. In knapp 82 Prozent der Gemeinden und Städte liegt die Inzidenz außerdem unter der 100er-Marke.

Weniger Klinik-Patienten

Und auch in den Saar-Kliniken schlagen sich die gesunkenen Fallzahlen nun - wie üblich zeitversetzt - nieder. Vor allem auf den Normalstationen ist die Zahl der Corona-Patientinnen und -Patienten zuletzt deutlich gesunken, wie die Entwicklung am vergangenen Wochenende zeigt.

Rissland zeigt sich angesichts dieser Entwicklung erleichtert - Entwarnung gibt er allerdings nicht. Man müsse sehr genau auf die Zahlen in den Krankenhäusern schauen, insbesondere, wenn das Wetter schlechter werde und die saisonalen Effekte einen größeren Einfluss gewännen.


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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