Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Neuinfektionsrate steigt langsamer - vorerst

Melina Miller   07.09.2021 | 13:36 Uhr

Die Zahl der Neuinfektionen im Saarland ist in der vergangenen Woche weiter angestiegen - aber weniger stark als zuvor. Auf diesem Plateau könne man sich aber nicht ausruhen, sagt der Saarbrücker Forscher Thorsten Lehr. Er rechnet im Herbst wieder mit stärker steigenden Zahlen.

Insgesamt 957 Corona-Neuinfektionen sind im Saarland in der vergangenen Woche gemeldet worden. Das sind rund 16 Prozent mehr als in der Vorwoche. Die Wachstumsrate hat sich damit erneut etwas abgeflacht, wie eine SR-Datenauswertung zeigt. Der Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr erwartet allerdings, dass das nicht lange anhalten wird: Er rechnet mit einem deutlich steileren Anstieg der Coronafallzahlen ab Ende September.

Aktuell liegt eine Gemeinde im Saarland über einer Inzidenz von 200. In Bous wurden in der vergangenen Woche knapp 244 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet. Die Infektionen seien auf mehrere Familiencluster zurückzuführen, erklärt der Bürgermeister der Gemeinde, Stefan Louis. Bei der geringen Einwohnerzahl von knapp 7000 wirken sich bereits wenige Fälle stark auf die Inzidenz aus.

In drei Kommunen - Merchweiler, Oberthal und Gersheim - gab es gar keine neuen Coronafälle in der vergangenen Woche.

Momentan geringeres Wachstum

Thorsten Lehr erklärt zur aktuellen Lage im Saarland: "Momentan sehen wir, dass sich da ein kleines Plateau gebildet hat bei den Zahlen. Das liegt unter anderem daran, dass wir jetzt nach dem Sommer wieder etwas zur Normalität zurückkehren und zum Beispiel viele Urlauber wieder da sind." Auch deren Anteil an den Gesamtinfektionen habe wieder abgenommen.

So ähnlich war die Situation auch im vergangenen Herbst - bevor die zweite Welle kam und die Infektionszahlen im Herbst exponenziell stiegen. "Deshalb können wir uns jetzt nicht auf dieser Situation ausruhen", warnt Lehr. Denn aktuell gebe es kaum noch Corona-Maßnahmen wie etwa Kontaktbeschränkungen.

Prognose: mehr Infektionen im Herbst

Zusätzlich verharre die Anzahl der durchgeführten Impfungen momentan auf einem zu niedrigen Niveau. Um den Herbst unbeschadet zu überstehen, müsste die Impfquote in etwa bei 85 Prozent liegen. Stattdessen liegt sie aktuell bei rund 72 Prozent - und steigt kaum noch an.

Corona-Check: Nehmen die Corona-Fälle zum Herbst wieder stärker zu?
Video [SR.de, (c) SR, 07.09.2021, Länge: 01:39 Min.]
Corona-Check: Nehmen die Corona-Fälle zum Herbst wieder stärker zu?
Prof. Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes rechnet damit, dass die Corona-Zahlen ab Ende September wieder stärker ansteigen. Grund dafür sei eine zu geringe Impfquote. Und auch der kommende Wetterumschwung könne wieder zu mehr Infektionen führen.

"Was noch hinzukommen wird in den kommenden Wochen, ist die sogenannte Saisonalität. Mit dem Herbst bleiben die Leute wieder mehr in Innenräumen, Treffen werden nach drinnen verlegt, es wird kälter und das Virus kann sich besser verbreiten."

Wenn die Impfung allein nicht ausreiche, weil die nötige Quote nicht erreicht werde, müssten wieder zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden, glaubt Lehr. "Das gilt natürlich auch für Geimpfte, die sich ja trotzdem - wenn auch überwiegend symptomfrei - anstecken können und das Virus auch weitergeben können."

Schwierige Kontaktermittlung

Noch ein weiteres Problem gebe es derzeit: Die Kontaktnachverfolgung sei schwierig - vor allem, weil viele Menschen nicht mehr angeben würden, wo sich sich vermutlich angesteckt hätten. Das sei allerdings kein Saarland-spezifisches Problem, sondern ein bundesweites: "Auch das RKI kann derzeit die Ansteckungsorte nicht genau angeben - weil sie momentan kaum bekannt sind."

In den Schulen und Kindergärten dagegen würden Infektionen recht gut erkannt, erklärt Lehr. "Wir wissen mittlerweile, dass die Schulen nicht unbedingt die Treiber der Pandemie sind, aber dort werden die Infektionen hineingetragen und auch gefunden. Das liege auch daran, dass in den Schulen und Kitas regelmäßig getestet werde.

Höchster Anstieg bei 0- bis 9-Jährigen

Und auch die Zahlen des Robert Koch-Instituts für das Saarland bestätigen das: Nach wie vor gibt es die meisten Neuinfektionen bei den Jüngeren. In der Altersgruppe der 0- bis 9-Jährigen sind die Fallzahlen in der vergangenen Woche am stärksten gewachsen - um 61 Prozent.

Lehr bereiten vor allem die 5- bis 14-Jährigen Sorge: "Das sind überwiegend die ungeimpften Kinder, und da sehen wir teilweise Inzidenzen zwischen 200 und 300."

Erst Mitte August hatte die Ständige Impfkommission die Impfung für Kinder ab zwölf Jahren empfohlen, zugelassen war der Impfstoff in der EU allerdings schon länger. Mit Blick auf den Herbst und Winter sagt Lehr: "Ich hoffe, dass die Impf-Empfehlung auch für Kinder unter zwölf bald kommt."


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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