Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Keine Trendwende bei Coronafallzahlen im Saarland in Sicht

Melina Miller   30.08.2021 | 11:09 Uhr

Die Zahl der Coronainfektionen im Saarland ist in der vergangenen Woche um rund 28 Prozent gestiegen. Damit hat sich das Wachstum im Vergleich zur Vorwoche in etwa halbiert. Nach Angaben von Prof. Sören Becker handelt es sich dabei um normale Schwankungen - eine Trendwende ist vorerst wohl nicht zu erwarten.

Insgesamt 821 Neuinfektionen sind in der vergangenen Woche im Saarland gemeldet worden. Das sind gut 28 Prozent mehr als in der Vorwoche. Damit ist das Wachstum zwar zuletzt wieder etwas abgeflacht.

Das liege aber eher an normalen Schwankungen - etwa durch Nachmeldungen der Gesundheitsämter - als an einer zu erwartenden Trendwende, sagt Prof. Sören Becker, Leiter des Landeskompetenzzentrums für Infektionsepidemiologie im Saarland.

Reiserückkehrer spielen größere Rolle

Becker erwartet auch weiterhin ein Wachstum der Coronafallzahlen. Zugenommen habe dabei unter anderem die Rolle von Reiserückkehrern. Ihr Anteil an allen Infektionen bewege sich momentan im zweistelligen Prozentbereich. Becker erklärt: "Eine genaue Zahl ist hier schwierig, weil das je nach Tag sehr schwankt. Wir sehen aber schon, dass der Anteil in den letzten Wochen deutlich zugenommen hat."

Coronacheck: Welche Rolle spielen Reiserückkehrer?
Video [SR.de, (c) SR, 30.08.2021, Länge: 00:59 Min.]
Coronacheck: Welche Rolle spielen Reiserückkehrer?

Zuletzt hatte auch ein Forschungsteam der TU Berlin in seinem Covid-Bericht auf die Rolle von Reiserückkehrern auf das Infektionsgeschehen aufmerksam gemacht. Dabei wiesen die Forscherinnen und Forscher vor allem auf das Infektionsrisiko hin, das in Ländern mit einer höheren Inzidenz als in Deutschland herrsche.

Im Saarland sehe man diese Entwicklung beispielsweise an Infektionen in Familien, die etwa im südöstlichen Mittelmeerraum im Urlaub waren, so Becker.

Zwei Gemeinden über 200er-Marke

Konkret zeigt sich das aktuell zum Beispiel an der Gemeinde Schmelz. Dort ist die Inzidenz aktuell mit knapp 286 saarlandweit am höchsten - und nach Angaben der Gemeinde sind in erster Linie Reiserückkehrer betroffen.

Außer Schmelz liegt noch eine weitere Kommune über der 200er-Inzidenz. In Kirkel sind die Neuinfektionen laut Gemeinde vor allem auf Infektionscluster in Familien zurückzuführen. Insgesamt 15 Kommunen liegen mittlerweile über der Marke von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In der Vorwoche waren es nur sechs Gemeinden.

Mehr Fälle in fast allen Altersgruppen

Bei der Altersstruktur hat sich hingegen wenig verändert: Nach wie vor infizieren sich vor allem die Jüngeren mit Corona - auch wenn die Fallzahlen bei den Menschen ab 60 ebenfalls wieder gestiegen sind. Mit Abstand die meisten Neuinfektionen gab es in der vergangenen Woche aber bei den 10- bis 19-Jährigen, wie die Auswertung der RKI-Daten zeigt.

Mit Blick auf den Schulstart im Saarland in dieser Woche und dessen Einfluss auf das Infektionsgeschehen ist Becker aktuell noch zuversichtlich: "Die Infektionszahlen haben gezeigt, dass wir bereits zu Beginn der Sommerferien einen Anstieg der Coronafälle hatten - obwohl die Kinder zuhause waren. Umgekehrt heißt das, dass wir erst einmal nicht mit einem sehr starken Anstieg der Fallzahlen rechnen müssen, wenn wieder Unterricht stattfindet."

Dabei spielen laut Becker auch die angesetzten PCR-Screenings eine Rolle, die in den kommenden Wochen in einer Modellphase in mehreren Grundschulen und Kitas getestet werden sollen, um Infektionen im schulischen und vorschulischen Bereich künftig frühzeitig zu erkennen.

Auswirkungen auf Krankenhauszahlen

Denn langsam, aber stetig, schlagen sich die gestiegenen Fallzahlen auch in den Krankenhauszahlen nieder. Seit Ende Juli beziehungsweise Anfang August müssen wieder mehr Menschen in saarländischen Krankenhäusern behandelt werden. Noch steigen diese Zahlen in einem moderaten Tempo, sodass aktuell keine Überlastung droht, ordnet Sören Becker ein.

Für die kommenden Wochen sei weiterhin die Impfung entscheidend. "Der überwiegende Teil der stationären Patienten, und zwar zwischen 80 und 95 Prozent, ist nicht vollständig geimpft. Das gilt sowohl auf der Normal- als auch auf der Intensivstation", ergänzt Becker. Dem Risiko einer Überlastung des Gesundheitssystems könne also mit der Impfung zumindest entgegengewirkt werden.

INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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