Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Knapp 20 Prozent mehr Neuinfektionen

Thomas Braun   17.08.2021 | 09:03 Uhr

Die Coronazahlen sind in der vergangenen Woche erneut gestiegen - teils mit großen regionalen Unterschieden. Der Virologe Dr. Jürgen Rissland schätzt, dass die Infektionsdynamik weiter zunehmen könnte und betont die Bedeutung der Impfungen.

In der vergangenen Woche haben die Behörden im Saarland knapp 400 neue Coronainfektionen verzeichnet - ein Plus von 19 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Wie schon in den Vorwochen bewegen sich die Zahlen bei den über 60-Jährigen auf sehr niedrigem Niveau. Am stärksten betroffen sind nach wie vor junge Erwachsene. Bei den 0- bis 9-Jährigen haben sich die Zahlen nach einem starken Anstieg in der Vorwoche vorerst wieder stabilisiert.

Derzeit noch größere regionale Unterschiede

Regional gibt es aktuell größere Unterschiede. Die Spannbreite der Sieben-Tage-Inzidenz in den Landkreisen reicht von 6,9 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner im Kreis St. Wendel bis zu 54,5 im Regionalverband.

Die Unterschiede zeigen sich auch beim Blick auf die Kommunen: Völklingen etwa kratzt an der 100er-Inzidenzschwelle, in Dillingen ist dieser Wert sogar bereits überschritten. Im Kreis St. Wendel hingegen gibt es mit Marpingen, Oberthal und Nonnweiler gleich drei Gemeinden, in denen seit Wochen kein neuer Coronafall registriert wurde. Für Nonnweiler haben die Behörden sogar seit sieben Wochen keine Neuinfektion mehr gemeldet.

Generell lässt sich aktuell der Trend beobachten, dass die Kurve stetig nach oben zeigt, wenn erst einmal eine gewisse Zahl an Neuinfektionen überschritten ist. So sind in acht der zehn Städte und Gemeinden, die vor zwei Wochen mindestens zehn Neuinfektionen verzeichneten, die Zahlen in der vergangenen Woche weiter gestiegen.

Infektionsdynamik könnte steigen

Insgesamt sei das Wachstum bei den Fallzahlen und den Inzidenzen derzeit aber noch moderat, sagt der Homburger Virologe, Dr. Jürgen Rissland. "Das deckt sich mit den Vorhersagen, die wir bislang haben", so Rissland. Wenn aber die Sommerferien sich dem Ende neigten, die Schulen wieder öffneten und auch Reiserückkehrer stärker mitreinspielten, müsse man sich auf eine "Dynamisierung des Geschehens" einstellen. "Das Ganze kann sich nicht nur auf die Inzidenz auswirken, sondern erwartbar auch auf die Krankenhauseinweisungen und die Intensivbehandlungskapazitäten", so Rissland.

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Video [SR.de, (c) SR, 16.08.2021, Länge: 01:16 Min.]
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Die Zahl der Covid-Patienten im Krankenhaus und auf den Intensivstationen ist in den vergangenen Wochen wieder leicht gestiegen, liegt derzeit aber noch auf einem niedrigen Niveau. Modellrechnungen des Robert Koch-Instituts zeigen aber, dass sich das im Herbst und Winter noch einmal ändern kann und möglicherweise ähnlich viele Patienten auf Intensivstation behandelt werden müssen wie zum Höhepunkt der zweiten Welle.

Was eine zehn Prozent höhere Impfquote ändern kann

"Einziger Punkt, der das Ganze eindämmen kann, ist eine höhere Impfquote", sagt Rissland. "Da zählt jeder Prozentpunkt." Schon zehn Prozentpunkte mehr zum aktuellen Stand könnten da einen großen Unterschied machen.

Wie groß der Unterschied ausfällt, zeigen die Modellrechnungen des RKI. Das RKI hat verschiedene Szenarien modelliert und dabei insbesondere die Impfquote bei den 12- bis 59-Jährigen verändert, während die Quote bei den über 60-Jährigen konstant bei 90 Prozent blieb.

Mit einer Impfquote von 65 Prozent bei den 12- bis 59-Jährigen und nur leicht angepasstem Verhalten der Bevölkerung ist demnach im Winter immer noch eine Intensivauslastung deutschlandweit von bis zu 6000 Patienten möglich. Bei einer Impfquote von 75 Prozent würde die Zahl wohl auf maximal 2000 Patienten zeitgleich steigen, bei einer Quote von 85 Prozent bliebe die Patientenzahl unter 1000.

Aktuelle Impfquoten im Saarland

Die in dem Modellszenario zugrunde gelegte Quote von 90 Prozent geimpften Personen über 60 Jahren ist im Saarland, zumindest mit Blick auf die Erstimpfungen, bereits erreicht. Bei den 12- bis 59-Jährigen liegt die Quote bei knapp 69 Prozent. Um in dieser Altersgruppe eine Quote von 75 Prozent zu erreichen, wären saarlandweit noch rund 37.000 Impfungen nötig, für eine 85er-Quote etwa 95.000 weitere Impfungen.

Dass die nun geänderte Impfempfehlung der Stiko für Kinder und Jugendliche hier einen entscheidenden Schub gibt, glaubt Rissland nicht. "Der Effekt durch die Impfungen bei Kindern und Jugendlichen ist überschaubar", so der Virologe. Mit gerade einmal neun Prozent macht diese Altersgruppe auch nur einen kleinen Anteil aller 12- bis 59-Jährigen im Saarland aus.

Inzidenz weiter Frühwarnindikator - aber sinkende Bedeutung

Rissland geht auch davon aus, dass mit steigender Impfquote die Inzidenz weiter in den Hintergrund rückt. "Sie wird weiter ein gewisses Frühwarnzeichen sein. Aber sie wird an Bedeutung verlieren, je stärker die Impfquote steigt", schätzt der Virologe. Die Gewichtung zwischen den verschiedenen Indikatoren, die zur Einschätzung der Lage verwendet werden, werde sich verschieben und angepasst.


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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