Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Zahl der Coronafälle hat sich stabilisiert

Melina Miller   03.08.2021 | 14:04 Uhr

Die Zahl der Coronaneuinfektionen im Saarland ist in der vergangenen Woche weitgehend konstant geblieben. Damit scheint das starke Wachstum, das sich noch vor zwei Wochen abzeichnete, vorerst ausgebremst. Aus Sicht von Prof. Sören Becker liegt das unter anderem daran, dass die Menschen ihr Verhalten angepasst haben.

Insgesamt 219 neue Coronafälle sind in der vergangenen Woche im Saarland gemeldet worden - das sind zwei Neuinfektionen mehr als vor zwei Wochen, wie die SR-Datenanalyse zeigt.

Die meisten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner meldete in der vergangenen Woche Völklingen. Dort lag die Inzidenz zuletzt bei rund 66 und damit als einzige Kommune im Saarland über der 50er-Marke. 14 Städte und Gemeinden meldeten dagegen gar keine neuen Coronainfektionen in der letzten Woche - das sind drei Kommunen mehr als vor zwei Wochen.

Corona-Check: Zahl der Coronafälle hat sich stabilisiert
Video [SR.de, (c) SR, 03.08.2021, Länge: 00:52 Min.]
Corona-Check: Zahl der Coronafälle hat sich stabilisiert

Starkes Wachstum ausgebremst

Diese aktuellen Zahlen zeigen, dass sich das starke Wachstum der Coronafälle, das sich noch vor zwei Wochen abgezeichnet hatte, wie erwartet deutlich abgeflacht hat. Grund dafür sind nach Angaben von Prof. Sören Becker, Leiter des Landeskompetenzzentrums für Infektionsepidemiologie, verschiedene Faktoren, darunter die Lage in der Großregion und das Verhalten der Menschen selbst.

"Wir sehen unter anderem, dass sich das Infektionsgeschehen im Bereich des kleinen grenzüberschreitenden Verkehrs nach Luxemburg und Frankreich verändert hat. Da waren vor ein paar Wochen noch deutliche Fallzahlsteigerungen zu sehen", erklärt Becker. Das sei nun zurückgegangen. "Außerdem gehe ich davon aus, dass die Menschen im Saarland aufgrund der Berichterstattung über steigende Zahlen wieder etwas vorsichtiger sind und ihr Verhalten angepasst haben."

Vor allem kleinere Ausbrüche

Die meisten Neuinfektionen seien aktuell auf kleine Ausbrüche mit maximal zehn Fällen zurückzuführen, erklärt der Experte. Dazu zählen zum Beispiel Restaurantbesuche, private Unternehmungen oder auch der Arbeitsplatz.

Auch bei Reiserückkehrerinnen und Reiserückkehrern würden Infektionen festgestellt. "Allerdings bisher nur vereinzelt, sodass wir hier momentan noch keinen Hauptfaktor sehen. Ich rechne aber damit, dass dieser Anteil Mitte und Ende August noch steigen wird." Der Großteil der Infektionen sei keinem bestimmten Anlass zuzuordnen.

Erste Ferieneffekte?

In welcher Altersgruppe es die meisten neuen Coronafälle gibt, lässt sich allerdings eindeutig anhand der RKI-Zahlen beantworten: Die höchste Inzidenz im Saarland gibt es bei den 20- bis 24-Jährigen und den 25- bis 29-Jährigen. "Wir sehen eben gerade bei den jungen Menschen, die vielleicht erst seit kurzem ein Impfangebot haben, die meisten Neuinfektionen. Das ist auch der mobile Teil der Bevölkerung, der viel unterwegs ist", erklärt Becker.

Weniger Neuinfektionen im Vergleich zur Vorwoche gab es bei den Kindern und Jugendlichen - laut Sören Becker könnte das ein erster Hinweis auf den Sommerferieneffekt sein. "Allerdings ist das noch sehr früh - da rechnen wir in den kommenden Wochen mit stärkeren Effekten."

Außerdem entscheidend für die Entwicklung in den nächsten Wochen hält Becker nach wie vor die Impfung. Dabei rechnet er aber nicht damit, dass sich die kürzlich beschlossene Impfempfehlung für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren schnell und deutlich auf das Infektionsgeschehen auswirken wird: "Das liegt eben vor allem daran, dass sich momentan vor allem die Menschen eine Altersklasse über den Jugendlichen infizieren - nämlich die über 20-Jährigen."

Zusammenhang von Krankenhauszahlen und Inzidenz

Mit Blick auf die Zahl der Covid-Patienten im Krankenhaus sei die Lage momentan noch entspannt. Derzeit sind im Saarland 27 Menschen wegen einer Coronainfektion im Krankenhaus, sieben werden auf der Intensivstation behandelt. Das sind zwar etwas mehr als zuletzt, aber noch auf niedrigem Niveau. Die Zahl der Todesfälle liegt seit Mitte Juli stabil bei 1029.

Dass sich eine steigende Inzidenz nicht mehr im gleichen Verhältnis wie etwa in der zweiten oder dritten Welle auf die Krankenhausbelegung und die Todesfälle übertragen lässt, zeigt auch der aktuelle Covid-Bericht eines Münchner Forschungsteams rund um Prof. Göran Kauermann von der LMU München.

In dem Bericht kommen die Expertinnen und Experten zu dem Schluss, dass sich die Hospitalisierung in Gesamtdeutschland aufgrund der Impfungen zunehmend von der Zahl der Neuinfektionen abkoppelt, ebenso wie die Todesfallzahlen.

Anstieg mit Ende der Ferien erwartet

Sören Becker warnt aber dennoch: "Wir müssen das trotzdem sehr genau beobachten. Bei einem starken Anstieg der Inzidenz kann auch die Belastung in den Krankenhäusern wieder stark steigen, auch wenn das Verhältnis der Hospitalisierung mittlerweile sicherlich ein anderes ist als noch vor einem halben Jahr."

Vor allem Ende August rechnet er noch einmal mit einem stärkeren Anstieg der Fallzahlen. "Dann sehen wir wahrscheinlich auch vermehrt Reiserückkehrer. Da müssen wir dann früh genug auf unser Gesundheitssystem schauen, denn unsere Erfahrung zeigt, dass wir da vieles erst zeitversetzt bemerken."


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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