Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Verdopplung der Coronafälle auf noch niedrigem Niveau

Thomas Braun   27.07.2021 | 14:53 Uhr

Die Zahl der neuen Corona-Fälle im Saarland hat sich im Vergleich zur Vorwoche mehr als verdoppelt - unter anderem wegen Ausbrüchen in Familien, einem Betrieb und bei einer Abifahrt. Der Virologe Rissland hofft aber darauf, dass der starke Anstieg noch einmal abgedämpft wird.

Schon seit mehreren Wochen steigen die Coronazahlen in vielen europäischen Ländern stark an. Im Saarland hingegen lag die Sieben-Tage-Inzidenz fast einen Monat im einstelligen Bereich - aus Sicht des Homburger Virologen Dr. Jürgen Rissland auch wegen der vergleichsweisen strengen Maßnahmen, die hier weiterhin galten.

Corona-Check: "Es liegt an jedem einzelnen von uns."
Video [SR.de, Felix Schneider , 27.07.2021, Länge: 01:16 Min.]
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Ausbrüche in Familien, einem Betrieb und bei einer Abifahrt

In der vergangenen Woche gab es nun aber auch im Saarland einen sprunghaften Anstieg. Die Inzidenz kletterte binnen Wochenfrist von 9,0 auf 21,7 - ein Anstieg um 140 Prozent. Die meisten Neuinfektionen verzeichneten die Behörden bei den 20- bis 39-Jährigen. In dieser Altersgruppe gab es insgesamt 74 Fälle mehr als noch eine Woche zuvor.

Neben den Ansteckungen innerhalb von Familien und bei privaten Treffen spielten dabei auch ein Ausbruch in einem Betrieb im Kreis Saarlouis mit Beschäftigten in mehreren Landkreisen und eine Abifahrt von Schülern aus dem Kreis Merzig-Wadern eine Rolle. Auch Reiserückkehrer tragen zunehmend zum Infektionsgeschehen bei.

Höchste Inzidenz in Merzig-Wadern, niedrigste in St. Wendel

Die höchste Inzidenz verzeichnete Ende der vergangenen Woche der Kreis Merzig-Wadern mit 34,9 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner. Am niedrigsten war der Wert im benachbarten Kreis St. Wendel mit 6,9.

Das spiegelt sich auch beim Blick auf die einzelnen Gemeinden wider. Mit Mettlach, Weiskirchen und Beckingen liegen drei der Orte mit den landesweit höchsten Inzidenzen im Kreis Merzig-Wadern - nur in Wadern selbst gab es keine neuen Fälle. Im Kreis St. Wendel liegt die Inzidenz hingegen gleich in vier Orten weiter bei Null.

Insgesamt gibt es aber immer weniger saarländische Kommunen ohne neue Coronafälle. Vor zwei Wochen waren es noch 26, in der vergangenen Woche nur noch elf.

Auch Übertragungsgefahr im Freien

Noch sind die Gesundheitsämter in der Lage, einen Großteil der Infektionsketten nachzuverfolgen. Auch deshalb hofft der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland darauf, dass dieser starke Anstieg der vergangenen Woche wieder etwas abgedämpft werden kann. "Es liegt an jedem einzelnen von uns: Verhalten wir uns immer noch vorsichtig? Halten wir die AHA+L-Regeln ein? Reduzieren wir die Kontakte so weit wie möglich? Und bleiben wir bei Symptomen zuhause?", so Rissland.

Zudem dürfe man sich auch im Freien nicht völlig in Sicherheit wiegen - gerade mit Blick auf die Delta-Variante. "Das Ansteckungsrisiko im Freien ist niedriger als in Innenräumen - aber es ist nicht gleich Null", sagte Rissland. "Wenn ich mit jemandem auf sehr engem Raum über einen längeren Zeitraum zusammensitze, dann besteht auch da eine Übertragungsgefahr."

Zahl der Erstimpfungen eingebrochen

Der Schlüssel, um diese sich langsam abzeichnende vierte Welle zu dämpfen, seien aber die Impfungen, so Rissland. Deren Zahl ist zuletzt bundesweit und auch im Saarland regelrecht eingebrochen. In den vergangenen sieben Tagen erhielten gerade einmal knapp 13.000 Personen ihre erste Impfung - also so viele Personen, wie im Mai innerhalb eines einzigen Tages geimpft wurden. 

Und Impfstoff wäre mehr als genug da. Laut Daten des RKI lagern in den saarländischen Impfzentren und Arztpraxen derzeit rund 500.000 Dosen. "Deswegen möchte ich noch einmal gerne dazu aufrufen: Jeder der bislang noch nicht beim Impfen war - das ist derzeit keine große Angelegenheit mehr. Man sollte davon Gebrauch machen", appellierte Rissland. "Das wird sich auszahlen im Herbst. Da kann jeder bei sich selbst anfangen und dazu beitragen, dass wir einen entspannteren Herbst haben."

Zwei Drittel der Saarländer geimpft

Derzeit sind im Saarland 66,7 Prozent der Bevölkerung einmal geimpft, 53,5 Prozent sind doppelt geimpft. Am höchsten ist die Impfquote bei den über 60-Jährigen.

Anhand von Modellrechnungen geht das RKI davon aus, dass bei einer Impfquote von 90 Prozent bei den über 60-Jährigen und nur 65 Prozent bei den 12- bis 59-Jährigen über die Wintermonate Inzidenzen von 400 und eine Intensivauslastung wie zum Höhepunkt der zweiten Welle möglich sind. Schon bei einer Impfquote von 75 Prozent bei den 12- bis 59-Jährigen würden die Inzidenzen unter einem Wert von 150 bleiben, statt 6000 Intensivbetten wären nur rund 2000 zeitgleich mit Covid-Patienten belegt.

Um die Impfquote weiter zu steigern, eröffnet das Saarland mehrere mobile Impfstationen in Einkaufszentren, unter anderem in Saarbrücken, Wadern, Homburg, St. Wendel und Saarlouis.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 27.07.2021 berichtet.


INZIDENZWERT RICHTIG EINORDNEN

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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