Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Fast zwei Drittel der Saar-Kommunen coronafrei

Melina Miller   28.06.2021 | 12:50 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Saarland hat sich innerhalb der vergangenen Woche nahezu halbiert. In 33 saarländischen Kommunen wurden gar keine neuen Coronafälle gemeldet. Auch die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus sei im Saarland bisher noch überschaubar, sagt der Homburger Virologe Jürgen Rissland.

Im Saarland sind in der vergangenen Woche insgesamt 69 neue Coronainfektionen gemeldet worden. Das sind rund 47 Prozent weniger als in der Vorwoche. Mittlerweile gibt es keine Kommune mehr, die einen Inzidenzwert über 50 verzeichnet.

Corona-Check: Wird es zu einem neuen Lockdown kommen?
Video [SR.de, (c) SR, 28.06.2021, Länge: 01:17 Min.]
Corona-Check: Wird es zu einem neuen Lockdown kommen?

In knapp 64 Prozent der Gemeinden wurden in den vergangenen sieben Tagen gar keine Neuinfektionen gemeldet. Das sind noch einmal zehn Kommunen mehr als in der Vorwoche, wie eine SR-Auswertung der Meldedaten zeigt.

Die meisten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gab es in der vergangenen Woche in St. Ingbert. Dort liegt der Sieben-Tage-Wert bei 45,4. Darauf folgen Sulzbach und Neunkirchen - in beiden Kommunen liegt die Inzidenz etwa bei 30.

Delta-Variante im Saarland

In Hinblick auf die Delta-Variante des Coronavirus sei die Lage im Saarland bisher noch relativ überschaubar, sagt der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland. Ihr Anteil an allen festgestellten Mutationen liege derzeit bei unter drei Prozent.

Bundesweit ist die Variante laut aktuellem Bericht des Robert Koch-Instituts mittlerweile für 15,1 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich. In den Nachbarregionen des Saarlandes hatte ihr Anteil zuletzt bereits bei 12,1 Prozent in Grand Est und sogar bei 35 Prozent in Luxemburg gelegen.

Mit einer ähnlichen Entwicklung ist Politikern und Gesundheitsexperten zufolge auch im Saarland zu rechnen. Jürgen Rissland geht bisher aber nicht von Dimensionen wie etwa in der Dritten Welle aus. Statt eines erneuten kompletten Lockdowns seien deshalb möglicherweise gezieltere Maßnahmen möglich.

"Impfschutz bei allen Impfstoffen ausreichend"

"Wie sich die Situation entwickelt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab", so Rissland - zum Beispiel davon, welche Personengruppen sich hauptsächlich mit der Variante infizierten und wie hoch das Infektionsniveau insgesamt sei.

Auch die Impfung spiele eine große Rolle: "Jeder zugelassene Impfstoff bietet nach vollständiger Impfung einen ausreichenden Schutz gegen die Delta-Variante. Das ist erst einmal beruhigend", betont Rissland.

Aktuell sind im Saarland rund 57 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft. Einen vollständigen Impfschutz, der bei der Delta-Variante entscheidend ist, haben bisher rund 41 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer.

Risiko für Krankenhausbehandlung steigt

Für die Ungeimpften besteht laut Rissland ein höheres Risiko, sich mit der Delta-Variante zu infizieren. Außerdem legten Daten aus Großbritannien nahe, dass das Risiko einer stationären Behandlung durch die Delta-Variante steige - auch, wenn jüngere Menschen betroffen seien.

Ob auch die Dauer der Krankenhausaufenthalte steige, sei noch nicht klar, so Rissland. In den bisherigen Wellen habe man allerdings gelernt, dass Jüngere, wenn sie infiziert seien, teilweise einen längeren Krankheitsverlauf hätten.

Davor hatte auch der Saarbrücker Forscher Thorsten Lehr vergangene Woche gewarnt: Vor allem die ungeimpften Kinder und Jugendlichen könnten der Delta-Variante im Herbst nahezu ungeschützt ausgesetzt sein.

Meiste Fälle bei 10- bis 19-Jährigen

Die aktuelle Altersverteilung der Coronafälle im Saarland zeigt bereits diese Entwicklung: Die meisten Neuinfektionen gibt es bei den Jüngeren. Allerdings sind die absoluten Fallzahlen auch hier zuletzt gesunken: Bei den 10- bis 19-Jährigen im Vergleich zur Vorwoche sogar um knapp 41 Prozent, wie die Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigen.

Bei den Über-80-Jährigen wurden in der vergangenen Woche gar keine neuen Fälle gemeldet. Gute Nachrichten auch bei den 60- bis 69-Jährigen: Hier hat sich die Zahl der Neuinfektionen von einem bereits niedrigen Niveau in der Vorwoche nochmals um 90 Prozent verringert.

Kein neuer Todesfall

Außerdem wurde im Saarland bereits seit mehr als zehn Tagen kein neuer Todesfall in Zusammenhang mit einer Coronainfektion mehr gemeldet. Die Zahl der Covid-Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden müssen, stieg allerdings im Vergleich zur Vorwoche trotz zwischenzeitlich niedrigen Tageswerten wieder leicht an.

Bei den Patienten auf der Normalstation liegt die Zahl weiterhin auf einem recht stabilen Niveau von rund 30 Menschen.

Testen als sinnvolle Zusatzmaßnahme

Trotz dieser nun vergleichsweise niedrigen Zahlen hält Rissland regelmäßige Coronatests weiterhin für eine sinnvolle Maßnahme - auch um die Ausbreitung der Delta-Variante besser kontrollieren zu können. Die Tests seien eine wichtige Ergänzung zu anderen Corona-Maßnahmen wie etwa der Maskenpflicht und der Hygieneregeln und sorgten für etwas mehr Sicherheit.

Das Saarland sei deshalb mit der momentanen Strategie gut beraten, behutsam mit der Lockerung der Testpflicht umzugehen. So ist etwa in saarländischen Fitnessstudios und in der Innengastronomie weiterhin ein negativer Coronatest oder ein Nachweis über eine vollständige Impfung oder Genesung Pflicht, während diese in anderen Bundesländern teilweise schon aufgehoben wurde.


Inzidenzwert richtig einordnen

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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