Bildmontage: Symbolhaftes Teströrchen mit der Aufschrift Covid-19 positiv hinter einer Saarlandkarte (Foto: picture alliance/Weber/Eibner-Pressefoto, SR)

23 Saar-Kommunen ohne neue Corona-Fälle

Melina Miller   22.06.2021 | 15:00 Uhr

Im Saarland ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter gesunken. In 44 Prozent der Kommunen wurden innerhalb der vergangenen Woche keine neuen Fälle gemeldet. Der Saarbrücker Forscher Thorsten Lehr geht davon aus, dass sich die Inzidenz nun erstmal auf diesem niedrigen Plateau einpendelt.

Insgesamt 131 Corona-Neuinfektionen sind im Saarland in der vergangenen Woche gemeldet worden. Das sind fast 73 Prozent weniger als in der Vorwoche. 23 Kommunen haben keinen einzigen neuen Coronafall gemeldet - die Inzidenz liegt dort bei Null, wie eine SR-Auswertung der Meldedaten zeigt.

Nur noch drei Kommunen über 50

Die höchste Inzidenz saarlandweit weist momentan die Gemeinde Mandelbachtal auf. Dort lag der Wert zuletzt bei rund 76 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Das sei auf einige Infektionen in zwei Familien zurückzuführen, sagte ein Sprecher der Gemeinde.

Bei der geringen Einwohnerzahl der Gemeinde und den geringen Infektionszahlen insgesamt schlagen sich dann bereits wenige neue Fälle stark auf die Inzidenz nieder. Insgesamt vermeldete Mandelbachtal acht neue Infektionen innerhalb einer Woche.

Mit Bous und Nohfelden liegen lediglich noch zwei weitere Kommunen über der 50er-Marke. In der Vorwoche waren es noch 17 Gemeinden gewesen, zwei davon sogar deutlich über 100.

"Wir dürfen mit dem Impfen nicht nachlässig werden"

Thorsten Lehr, Professor für klinische Pharmazie in Saarbrücken, rechnet auch für die kommenden Wochen mit leicht sinkenden beziehungsweise stabil niedrigen Fallzahlen: "Ich gehe davon aus, dass sich die Inzidenzen im Saarland jetzt auf diesem niedrigen Niveau einpendeln."

Die Voraussetzung dafür, dass diese gute Infektionslage anhalte, sei die Impfkampagne. Diese spiele momentan ständig auf das "Guthabenkonto" und sei auch bei niedrigen Infektionszahlen enorm wichtig.

"Wir dürfen beim Impfen auch über den Sommer hinweg nicht nachlässig werden. Sonst kann es natürlich passieren, dass die Zahlen wieder ansteigen - auch, weil wir die vollständige Ausbreitung der Delta-Variante des Virus in Deutschland und im Saarland bis etwa Ende August erwarten", erklärt Lehr.

Delta-Variante könnte vor allem Kinder treffen

Der Anteil der Delta-Variante, die erstmals in Indien festgestellt wurde, beträgt nach Angaben des Robert Koch-Instituts mittlerweile rund 6,2 Prozent in Deutschland. "Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass sich die Variante auch im Saarland ähnlich schnell verbreitet. Bis auf einen gewissen zeitlichen Verzug gibt es da keine großen regionalen Unterschiede", sagt Lehr.

Problematisch könne diese Entwicklung dann werden, wenn die Schulen nach den Sommerferien wieder öffnen und die ungeimpften Kinder der Delta-Variante praktisch ungeschützt ausgesetzt würden. Lehr betont: "Deshalb müssen wir an dieser Stelle genau hinschauen."

Meiste Infektionen bei Jüngeren

Bereits jetzt zeigen die RKI-Daten für das Saarland, dass sich häufig die nicht geimpften Kinder und Jugendlichen infizieren. Die meisten Neuinfektionen gab es in der vergangenen Woche bei den 10- bis 19-Jährigen.

Am deutlichsten zurückgegangen ist die Zahl der Neuinfektionen dagegen bei den 20- bis 29-Jährigen - und zwar um fast 70 Prozent im Vergleich zur Vorwoche.

Weniger Krankenhauspatienten

Dass sich zuletzt deutlich weniger Menschen im Saarland mit dem Coronavirus infiziert haben als noch vor einigen Wochen, zeigt sich an der Situation in den Krankenhäusern. In der vergangenen Woche mussten dort 30 Covid-Patienten stationär behandelt werden. Das sind rund 32 Prozent weniger als in der Vorwoche.

Die Zahl der Intensivpatienten ist ebenfalls gesunken. Am Stichtag am vergangenen Sonntag mussten noch zehn Menschen wegen Covid intensivmedizinisch behandelt werden. Innerhalb der vergangenen Woche sind außerdem drei Menschen in Zusammenhang mit einer Coronainfektion verstorben.

Vierte Welle eher als "Nachwelle"

Nach Angaben von Thorsten Lehr ist erst einmal nicht davon auszugehen, dass sich die Lage in den Krankenhäusern wieder deutlich verschärft - auch nicht für den Fall, dass die Zahlen im Herbst wieder ansteigen, etwa aufgrund von Reiserückkehrern oder dem Schulbeginn nach den Ferien.

"Die vulnerablen Gruppen und Risikopatienten für schwere Verläufe sind mittlerweile größtenteils geimpft. Unser Gesundheitssystem ist deutlich besser gerüstet als zum Beispiel im letzten Jahr", erklärt er. Deshalb rechne er momentan eher mit einer "Nachwelle" mit lokalen und regionalen Ausbrüchen statt einer vierten Welle im Herbst.

Eingeschränkte Stiko-Empfehlung

Wichtig sei, die Entwicklung genau zu beobachten und notfalls einzugreifen. Auch in Hinblick auf mögliche Nachimpfungen und Impfungen für Kinder. "Ich hoffe, dass sich mit zunehmender Datenlage auch an der Stiko-Empfehlung für die Impfung von Kindern über den Sommer noch etwas ändert - ähnlich, wie auch die Empfehlung für den AstraZeneca-Impfstoff im Laufe der Zeit angepasst wurde, weil dann mehr Daten vorlagen", so Lehr.

Bisher hat die Stiko eine Corona-Impfung nur für vorerkrankte Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren empfohlen. Ein Impfschutz für alle Kinder wäre laut Lehr mit Blick auf die Pandemie allerdings wünschenswert.


Inzidenzwert richtig einordnen

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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