Professor Thorsten Lehr (Foto: picture alliance/dpa | Iris Maria Maurer)

"Über 75 Prozent der Infektionen sind nicht geklärt"

  04.03.2021 | 11:23 Uhr

Mit Blick auf die Lockerungen des Lockdowns hat der Saarbrücker Pharmazieprofessor Thorsten Lehr darauf hingewiesen, dass in 75 Prozent der Fälle nicht bekannt sei, wo sich Menschen mit Corona infizierten. Im Deutschlandfunk sagte er, dies sei auch in den vergangenen zwölf Monaten kaum erforscht worden.

Man habe in der Vergangenheit „mit der Gießkanne Maßnahmen beschlossen haben und Dinge zugemacht“ und mache sie jetzt entsprechend auch wieder auf, sagte Lehr. Es sei in den vergangenen zwölf Monaten aber kaum erforscht worden, wo die Ursachen liegen.

"Das große Problem, das wir haben, ist, dass immer noch über 75 Prozent der Infektionen nicht geklärt sind, wo sie denn stattfinden“. Diese Forschung sollte nun dringend nachgeholt und entsprechend finanziell unterstützt werden, forderte der Pharmazieprofessor.

Lockdown-Müdigkeit in der Bevölkerung

Die von Bund und Ländern geplanten Lockerungen begrüßt Lehr zwar im Grundsatz. Denn man sehe, dass der Lockdown nicht mehr greife, weil in der Bevölkerung eine Müdigkeit diesbezüglich entstanden sei, die auch wieder mit einer größeren Mobilität einhergehe.

Notbremse könnte schnell nötig werden

Dennoch seien Inzidenzen noch zu hoch. „Ich glaube auch, dass wir relativ schnell wieder an diese Grenze von 100 stoßen können. Das heißt, dass wir relativ schnell wieder diese Notbremse ziehen müssen“, sagte Lehr.

Künftige Öffnungen müssten zudem wissenschaftlich begleitet werden. „Das heißt, dass man erst mal schaut, was passiert denn, wenn ich etwas öffne“, so Lehr im Deutschlandfunk. Eine Möglichkeit sei die Kombination aus verpflichtenden Schnelltests mit Nachverfolgungsmaßnahmen wie z.B. der App „Luca“ des Musikers Smudo.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja