Peter Sauer im Studio (Foto: Christoph Stein / SR)

Warum Daheimbleiben der Corona-Killer ist

Ein Kommentar von Peter Sauer   19.03.2020 | 10:21 Uhr

Das Corona-Virus ist eine historische Zäsur. In einigen Jahrzehnten wird man die Geschichte in „vor“ und „nach Corona“ einteilen, ist sich SR-Reporter Peter Sauer in seinem Kommentar sicher.

Aktuell, das betonen alle Virologen, geht es einzig und allein darum, die Ausbreitung zu verlangsamen. Bundes- und Landesregierung haben unser aller Leben massiv eingeschränkt. Gebetsmühlenartig predigen Merkel, Hans & Co., die sozialen Kontakte einzuschränken. Aber einige halten sich nicht dran. Menschlich zutiefst nachvollziehbar: Einigen Teenagern kommt die Corona-Pause wie Sommerferien im Frühling vor – und ganz ehrlich: So hätte mein Teenager-Ich wohl auch gedacht. Die ersten Sonnenstrahlen gemeinsam mit Freunden an der Saar oder im Biergarten verbringen. Wer mag das nicht?

Aber: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ist die Ansteckungsgefahr von Corona in Deutschland zurzeit hoch – in manchen Teilen sogar sehr hoch; also die höchste Kategorie. Das verdeutlicht, wie ernst die Situation ist und weshalb es temporär richtig und wichtig ist, zutiefst undemokratische Mittel anzuwenden – also die Einschränkung unseres Lebens, um diese enorme Gefahr zumindest halbwegs in den Griff zu bekommen.

Als Verfechter der Demokratie hätte ich noch vor einer Woche niemals gedacht, so etwas je aus tiefster Überzeugung zu sagen. Aber ich tue es. Schränken wir, schränken Sie und ich uns ein! Bleiben wir zu Hause. Raus nur, wenn es sein muss und so lange wir es noch dürfen! Denn neben unserer solidarisch-moralischen Verantwortung, die jeder Einzelne, vor allem wir Jüngeren, haben, wird Corona, sind wir ehrlich, auch immer mehr zu einer gesellschaftspolitischen Zerreißprobe.

Auch hier zwei Pole: Die übermäßig Ängstlichen, die Teststationen stürmen, nur um sinnfreie prophylaktische Tests zu machen. Also nochmal zum Klarstellen: Leute gehen genau dahin, wo mit höchster Wahrscheinlichkeit Infizierte sind. Nur um selbst zu erfahren, dass sie – so die Hoffnung – nicht infiziert sind. Genau, völlig absurd und gefährlich. Denn die so wichtige Arbeit, die in diesen Abstrich-Zentren eigentlich gemacht werden muss, wird dadurch behindert. Genauso gefährlich: Die schon Angesprochenen: Die, die aus Unwissenheit oder Sturheit nicht zu Einschränkungen bereit sind. Die sich beschweren, dass ihre Freiheitsrechte unrechtmäßig eingeschränkt würden. Da haben sie auch Recht – aber ihr Verhalten ist in dieser beispiellosen Krise trotzdem moralisch und medizinisch unverantwortlich!

Die politische Antwort darauf wird höchst wahrscheinlich lauten: Noch mehr Einschränkungen – sprich Ausgangsverbot! Polizei oder womöglich sogar Bundeswehr könnten dann im Extremfall die ganz besonders sturen Auf-Freiheit-Pocher in die eigenen vier Wände bitten. Es klingt platt, war aber selten so wahr wie jetzt: Wir schaffen das Coronavirus nur gemeinsam! Indem wir zusammenhalten. Indem wir durch Abstandhalten für einander einstehen. Indem wir unsere mittlerweile banal wirkenden Alltagskonflikte beiseiteschieben, indem wir verharren – zu Hause! Indem wir in unserem polarisierten Land einen gemeinsamen Nenner finden, ein einziges Ziel: Corona möglichst unbeschadet überstehen!

Denn wir sitzen alle im selben Boot und es geht nur darum, dass Covid-19 nicht das Steuer übernimmt! Sie merken selbst: Das sind pathetisch-moralisch die schwersten Geschütze, die ich auf den Tisch lege – die Bazooka sozusagen, um es mit den martialischen Worten unseres Bundesfinanzministers zu sagen. Denn nur durch solidarisches Verhalten können wir die Schwächsten und Älteren schützen und so unsere Ärzt*innen und Pflegekräfte entlasten. Wir alle müssen akzeptieren, dass die Situation gefährlich ist. Lassen Sie uns gemeinsam die Geschwindigkeit der Corona-Lawine weiter verlangsamen. Indem wir zu Hause bleiben!

Ein Kommentar von Peter Sauer.

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