Professor Thorsten Lehr (Foto: picture alliance/dpa | Iris Maria Maurer)

Corona-Experte Lehr geht von hoher Durchseuchungsrate aus

  21.04.2022 | 14:08 Uhr

Auch wenn die konkreten Corona-Inzidenzwerte durch die Osterfeiertage etwas verzerrt sind: Der Trend zeigt eindeutig nach unten - aus Sicht von Experte Professor Lehr vor allem wegen der bereits hohen Durchseuchung im Saarland. Dennoch plädiert er dafür, die Inzidenzen weiter im Blick zu halten, um etwaige Trendwenden frühzeitig zu erkennen.

Erstmals seit Ende Januar ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Saarland wieder unter die 1000er-Marke gesunken. Ein Trend, der sich aus Sicht des Experten Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Saar-Uni und Mitentwickler des Covid-Simulators, weiter fortsetzen wird - auch wenn die konkreten Zahlen durch einen Meldeverzug über die Feiertage etwas verzerrt sind.

Lehr: Durchseuchung in junger Bevölkerung abgeschlossen

Eine Rolle bei der aktuellen Entwicklung spiele sicherlich das Wetter, aber vor allem die hohe Durchseuchung. "Vor allem bei den jungen Bürgerinnen und Bürgern haben wir die Durchseuchung, glaube ich, schon abgeschlossen", sagte Lehr am Mittwoch im SR-Interview.

Die Daten sprechen dafür: Seit Jahresbeginn ist bei mehr als 200.000 Menschen im Saarland eine Infektionen nachgewiesen worden, in einigen Altersgruppen haben sich bereits 40 Prozent der Bevölkerung nachweislich infiziert. Hinzu kommt eine unbekannte Dunkelziffer.

Lehr: "Sich selbst schützen bleibt oberste Priorität"

Dennoch rät Lehr dazu, grundlegende Eigenschutzmaßnahmen weiter beizubehalten. "Abstand halten, Maske tragen, sich selbst schützen bleibt die oberste Priorität, die ich jedem nur ans Herz legen kann", so Lehr.

Inzidenzen weiterhin ein wichtiges Instrument

Außerdem plädiert er dafür, neben der Krankenhausauslastung auch die Inzidenzen weiterhin im Blick zu halten. "Die Inzidenzen sind und bleiben ein ganz wichtiges Instrument, um zu schauen, wie sich das Infektionsgeschehen verhält", so Lehr. Dann könne man auch Trendwenden frühzeitig erkennen. "Wenn zum Beispiel in gewissen Altersgruppen Inzidenzen wieder ansteigen, sollte das ein Warnsignal sein", so Lehr.

"Die Inzidenzen bleiben ein wichtiges Instrument"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 21.04.2022, Länge: 04:09 Min.]
"Die Inzidenzen bleiben ein wichtiges Instrument"

Impflücke mit Blick auf den Herbst zu groß

Gerade mit Blick auf den kommenden Herbst könnten die Inzidenzen als Frühwarnsystem noch einmal wichtig werden. "Wir müssen uns schon darauf einstellen, dass im Herbst eine neue Welle kommen wird." Das liege auch daran, dass die Impfung "mehr oder weniger eingeschlafen" sei, sagte Lehr.

Die Impfquote der mindestens einmal geimpften Personen verharrt im Saarland seit fast einem Monat stabil bei 82,5 Prozent. Am Dienstag zum Beispiel kamen laut RKI gerade einmal 13 neue Impfungen dazu. Auch bei den Auffrisch-Impfungen bewegt sich nur noch wenig.

"Die Immunität in der Gesamtbevölkerung wird nicht ausreichen", ist Lehr überzeugt. Auch wenn es gerade durch die Omikron-Variante zwar eine hohe Durchseuchung gebe, erzeuge sie bei den Ungeimpften nur eine geringe Immunität. "Die Impf-Lücke werden wir dadurch leider nicht schließen können", so Lehr.

Virus-Variante beeinflusst konkretes Herbst-Szenario

Wie genau das Szenario im Herbst aussehen wird, könne man jetzt noch nicht vorhersagen: "Es wird sehr stark davon abhängen, mit welcher Variante wir es zu tun haben werden", so Lehr. Dabei spiele auch die globale Entwicklung eine Rolle.

Über dieses Thema berichtete die Region auf SR 3 Saarlandwelle am 21.04.2022.

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