Eine Ampulle des Corona-Medikamentes Remdesivir liegt auf einem Tisch (Foto: picture alliance/Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa)

Remdesivir bereits am UKS im Einsatz

  04.07.2020 | 12:20 Uhr

Der neu zur Corona-Behandlung in der EU zugelassene Wirkstoff Remdesivir ist auch schon an der Uni-Klinik in Homburg zum Einsatz gekommen. Das Medikament helfe, sei aber kein Allheilmittel, betonte der Virologe Jürgen Rissland im SR-Interview.

Die Zahlen sorgen für eine gewisse Entspannung: Derzeit gibt es im Saarland nur noch elf bekannte Corona-Fälle. Dennoch sollten wir nicht jede Vorsicht über Bord werfen, meint der Virologe Jürgen Rissland, leitender Oberarzt am Institut für Virologie an der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg.

"Haben es selbst in der Hand"

Dr. Jürgen Rissland: "Zahlentechnisch leben wir auf einem sehr guten Niveau"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 04.07.2020, Länge: 03:58 Min.]
Dr. Jürgen Rissland: "Zahlentechnisch leben wir auf einem sehr guten Niveau"

„Wir haben im Saarland praktisch gerade kaum neue Fälle. Aber wenn man den Blick ein bisschen weiter richtet und schaut wie es bundesweit aussieht, muss man sagen, dass jeden Tag doch 500 neue Fälle dazukommen.“ Daher sollten die Menschen sich noch immer an gewisse Gebote wie Abstands- und Hygieneregeln halten. „Wir haben es letzten Endes selber in der Hand, was daraus wird“, so Rissland.

Mit Blick auf den in der EU gerade erst zugelassenen Wirkstoff Remdesivir warnte Rissland vor einer zu großen Erwartungshaltung. Es handele sich um eine Substanz, die noch nicht vollständig in all ihren Wirkkomponenten und Nebenwirkungsmöglichkeiten analysiert sei. „Deswegen darf man jetzt nicht davon ausgehen, dass dieses Medikament das Allheilmittel ist“, so Rissland.

"Remdesivir tatsächlich eine Erleichterung"

Dennoch habe man am UKS bereits positive Erfahrungen mit Remdesivir gemacht. „Für uns ist es tatsächlich eine Erleichterung. Wir haben das Medikament in einem Fall in Homburg auch schon angewandt, allerdings unter anderen Rahmenbedingungen. Und wir hatten den Eindruck, dass es geholfen hat in diesem Fall.“ Man müsse den Wirkstoff sehr dosiert einsetzen etwa bei schwer kranken Corona-Patienten. „Da sehe ich es als wirkliche Hilfestellung, aber nicht als Allheilmittel für alle anderen“, klärte der Virologe auf.

"Ansteckender aber nicht krank machender"

Aktuelle Medienberichte über neuartige Mutationen des Coronavirus relativierte Rissland. Man wisse seit geraumer Zeit, dass es über 100 Varianten des Sars-Coronavirus-2 gebe. „Und ja, es gibt Berichte, dass diese Viren auch mutieren, d.h. dass die Erbinformation an gewissen Stellen einzelne Veränderungen erfährt. Diese Veränderungen können das Virus ansteckender machen aber nicht unbedingt krank machender. Das ist erst einmal die wichtige Botschaft“, sagte Rissland.

Über dieses Thema hat die auch die SR 3-Sendung "Guten Morgen" am 04.07.2020 berichtet.

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