Ein Kind führt einen Selbsttest auf Coronaviren durch (Foto: picture alliance/dpa | Roland Weihrauch)

Schwere Covid-Verläufe bei Kindern weiterhin selten

Thomas Braun   27.11.2021 | 10:30 Uhr

Die Corona-Zahlen bei Kindern liegen derzeit auf einem Rekordhoch: In den letzten vier Wochen gab es rund 2300 neue Fälle im Saarland. Aber bei den allermeisten verläuft die Infektion glimpflich oder sogar symptomlos. In saarländischen Krankenhäusern werden aktuell zwei an Covid erkrankte Kinder behandelt, eines davon auf Intensivstation.

Seit Anfang November hat das RKI rund 2300 neue Corona-Fälle bei Kindern unter 15 Jahren im Saarland gemeldet. Alleine in der zurückliegenden Woche waren es bereits 870 - Tendenz stark steigend.

Besonders stark betroffen sind Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren. Hier lag die Sieben-Tage-Inzidenz saarlandweit zuletzt deutlich über 1000. Täglich melden die Gesundheitsämter mittlerweile Fallhäufungen an Kitas und Schulen. Immer mehr Schulklassen und sogar ganze Kitas müssen in Quarantäne geschickt werden.

Meist nur leichte Erkältungssymptome

Trotz dieser sehr hohen Fallzahlen, werden weiterhin kaum schwere Krankheitsverläufe bei Kindern beobachtet. "Wir haben keine richtig kranken Kinder wegen Corona", sagte der Sprecher der Kinder- und Jugendärzte im Saarland, Dr. Benedikt Brixius. Meist hätten die Kinder nur leichte Erkältungssymptome, vergleichbar mit einfachen Atemwegsinfekten.

In den saarländischen Krankenhäusern werden nach Angaben des Gesundheitsministeriums derzeit zwei Kinder mit einer Covid-Erkrankung behandelt, eines davon auf Intensivstation. Auch bundesweit sind die Patientenzahlen im Hinblick auf Kinder weiter niedrig. Laut DIVI-Intensivregister werden aktuell 28 Personen unter 18 Jahren mit einer Coronaerkrankung auf einer Intensivstation behandelt. Der Anteil an allen Covid-Intensivpatienten liegt damit bei 0,7 Prozent.

Noch Unsicherheit bei Long Covid und PIMS

Etwas unklar ist laut Brixius noch, wie viele der jetzt infizierten Kinder im Nachgang Long-Covid-Symptome entwickeln. Momentan sehe es allerdings nicht danach aus, dass dies bei Kindern zu einem größeren Problem werden könnte.

Auch Fälle des Pädiatrischen inflammatorischen multisystemischen Syndroms (PIMS) werden derzeit in Deutschland und Österreich deutlich seltener gemeldet. Wurden in der zweiten Coronawelle zwischen Dezember und März wöchentlich bis zu 20 Krankenhausaufnahmen mit PIMS erfasst, sind es aktuell zwischen einem und drei pro Woche, wie aus einer Übersicht der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie hervorgeht.

Da PIMS in der Regel drei bis vier Wochen nach einer Corona-Erkrankung auftritt, könnten die Zahlen hier zwar noch steigen - Daten aus anderen Ländern zeigen aber, dass die Häufigkeit unter der mittlerweile dominierenden Delta-Variante deutlich geringer ist als etwa bei der Alpha-Variante des Virus. In den saarländischen Kinderkliniken wurden seit geraumer Zeit keine Kinder mehr mit dem PIM-Syndrom behandelt.

Hohe Arbeitsbelastung in den Arztpraxen

Rein mit Blick auf die Gesundheit der Kinder zeigt sich Kinderarzt Benedikt Brixius trotz der hohen Coronafallzahlen derzeit noch entspannt. Mehr Sorgen bereiten ihm derzeit andere Infektionskrankheiten, die Kinder nach der langen Phase mit strengen Abstands- und Hygieneregeln nun nachholen.

Die Arbeitsbelastung in den Praxen ist laut Brixius auch dadurch deutlich höher als sonst zu der Jahreszeit. Zudem hätten die Ärzte sehr viel mit Corona-Abstrichen zu tun. "Wir unterstützen hier auch die Gesundheitsämter, die teilweise nicht mehr hinterherkommen, wenn ein Bestätigungstext für einen Schnelltest benötigt wird", sagte Brixius.

Weitere Informationen

Wissenschaftler gegen Vorstoß für Impfkampagne
"Coronavirus für Kinder nicht gefährlicher als andere Viruserkrankungen"
Die geplante Impfkampagne bei Kindern und Jugendlichen stößt in der Fachwelt teils auf herbe Kritik. Auch Kinderarzt und Infektiologe Arne Simon vom Uniklinikum Homburg kritisiert den Vorstoß: Wissenschaftliche Daten belegten, dass Kinder nicht in gleichem Maß von Impfungen profitierten. Das Coronavirus sei für sie nicht gefährlicher, als viele andere Virusinfektionen.

zum Interview mit Professor Arne Simon: "Coronavirus für Kinder nicht gefährlicher als andere Viruserkrankungen"

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 27.11.2021 berichtet.

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