Menschen sitzend verstreut in einem Park in Berlin (Foto: IMAGO/serienlicht)

Forscher sehen vor allem drinnen Ansteckungsgefahr

  12.04.2021 | 17:43 Uhr

Die weitaus meisten Corona-Infektionen finden in Innenräumen statt, nicht draußen, sagen Aerosolforscher. Deshalb müssen sich die Maßnahmen auch auf die dortigen Verhältnisse konzentrieren, fordern sie.

Die Wahrscheinlichkeit, sich auf der Straße mit Corona zu infizieren, sei extrem gering, sagt Stefan Schmitt von der Gesellschaft für Aerosolforschung. Er ist Mitunterzeichner eines offenen Briefes an führende Politiker, in dem er und seine Kollegen beklagen, dass die Erkenntnisse ihrer Forschung zu wenig praktische Berücksichtigung finden.

Deren wichtigste lautet: "Die Übertragung der SARS-CoV-2 Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt. Übertragungen im Freien sind äußerst selten und führen nie zu Clusterinfektionen, wie das in Innenräumen zu beobachten ist."

Forscher gegen Ausgangssperre

Eine Ausgangssperre, wie sie unter anderem auch der Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr gefordert hat, sei darum kein adäquates Mittel zur Bekämpfung der dritten Welle, sagte Schmitt im SR 2-Interview. Sperrstunden würden nur dazu führen, dass die Menschen sich früher treffen. Das habe man etwa in Frankreich gesehen.

Weil das Infektionsrisiko draußen deutlich reduziert sei, sei es sinnvoll, Treffen eher an der frischen Luft stattfinden zu lassen. Auch im Freien sollten allerdings Abstandsregeln eingehalten werden und keine größeren Gruppen zusammenstehen. Die Menschen sollten sich auch draußen möglichst nicht direkt gegenüberstehen, weil es dabei zu einer sogenannten Tröpfcheninfektion kommen könne.

Mehr Maßnahmen für Innenräume gefordert

Insgesamt sei die Infektionsgefahr drinnen aber deutlich größer, denn in einem nicht gelüfteten Raum könnten sich die Aerosolpartikel einer infizierten Person anreichern, erklärt Schmitt. Durch einen längeren Aufenthalt würde darum auch eher eine größere Menge an Viren aufgenommen.

Als Konsequenz aus ihren Erkenntnissen fordern die Forscher, mögliche Übertragungen in Innenräumen konsequenter zu bekämpfen. So müsste etwa im Arbeitsbereich so viel Homeoffice wie möglich gemacht werden, sagt Schmitt. "Dagegen sperren sich noch zu viele." Auch eine Testpflicht in Unternehmen könnte helfen.

Es sei aber immer eine Kombination aus Maßnahmen nötig, eine einzelne könne nie die Lösung sein, so Schmitt. Solange es noch nicht ausreichend Impfungen gebe, müssten diese Maßnahmen-Bündel für Sicherheit sorgen. Bei den Impfungen gebe es inzwischen aber immerhin deutliche Fortschritte.

Über dieses Thema berichtete die SR 2-Sendung Bilanz am Abend am 12.04.2021.

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