Eine Krankenschwester kümmert sich um den Patienten. Eine Angehörige hält ihm die Hand. (Foto: picture alliance/Patrick Seeger/dpa)

Pflegeheim Niedaltdorf im Ausnahmezustand wegen Corona

Sandra Schick und Anne Staut mit Informationen von Barbara Grech   16.11.2020 | 18:40 Uhr

Das Pflegeheim St. Antoniushaus in Niedaltdorf hat wegen eines durch einen Corona-Ausbruch akuten Personalnotstands öffentlich um Hilfe gebeten. Nach Angaben der Heimleitung standen nur noch fünf Pflegekräfte für die Versorgung der 37 Bewohner zur Verfügung. Laut Ministerium ist der Bedarf an Hilfskräften inzwischen offenbar sichergestellt.

Heimleiterin Susanna Strohm sagte dem SR am Sonntag, es herrsche ein absoluter Ausnahmezustand: 13 Bewohner und zehn Mitarbeiter seien bislang positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Rest befinde sich in Quarantäne. Von insgesamt 29 Pflegekräften seien derzeit nur noch fünf vor Ort einsatzfähig. Unterstützt würden sie von zwei Hauswirtschaftskräften. Insgesamt müssten aber 37 Bewohner rund um die Uhr versorgt werden.

Ausnahmezustand im Pflegeheim Niedaltdorf (16.11.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 16.11.2020, Länge: 02:32 Min.]
Ausnahmezustand im Pflegeheim Niedaltdorf (16.11.2020)

Hilfeaufruf auf Facebook

Benachbarte Pflegeheime hatten bereits Pflegekräfte zur Unterstützung entsandt. Allerdings reichte das noch lange nicht aus, so Strohm. Das Heim hatte deshalb mit Hilfe eines anderen Pflegeheims auf Facebook um Unterstützung durch die Bevölkerung gebeten. Auch ungelernte Hilfskräfte konnten sich bei der Heimleitung melden. Sie könnten dann zum Beispiel Essen verteilen und verabreichen, Betten machen, Hilfe beim An- und Auskleiden leisten oder die Bewohner betreuen, hieß es.

Pflegebeauftragter des Saarlandes zu Ausnahmezuständen in Pflegeheimen (16.11.2020)
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 16.11.2020, Länge: 04:21 Min.]
Pflegebeauftragter des Saarlandes zu Ausnahmezuständen in Pflegeheimen (16.11.2020)

Die Heimleiterin wies darauf hin, dass alle Helfer aber einen aktuellen Coronatest vorweisen müssten. Auch müsse man sich der Gefahr bewusst sein, der man sich aussetze und dies auch mit dem eigenen Arbeitgeber absprechen.

Ministerium: Bedarf kurzfristig sichergestellt

Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) sagte gegenüber dem SR, der Bedarf an Hilfskräften sei in dem Pflegeheim kurzfristig sichergestellt. "Die Situation ist ernst, aber wir tun alles, um die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner zu gewährleisten. Unsere Heimaufsicht ist seit Tagen vor Ort und bespricht mit den Verantwortlichen die notwendigen Schritte", so Bachmann.

Als Offenbarungseid der saarländischen Gesundheitspolitik bezeichnete der Landesvorsitzende der Grünen, Markus Tressel, die Situation im Pflegeheim St. Antoniushaus. Schon längst hätte Bachmann solche Katastrophen-Szenarien vorhersehen und einen Pool an Ersatz-Pflegekräften einrichten müssen, so Tressel auf SR-Anfrage.

Heimaufsicht kontert Kritik

Nicht die Landesregierung, sondern die Träger bestimmen über die Personal-Schlüssel der Einrichtungen, konterte der Leiter der Heimaufsicht im Saarland, Patrick Unverricht im SR-Interview. Es habe zu keiner Zeit eine Gefährdung der Bewohner des betroffenen Heims gegeben.

Durch Vermittlung seitens seiner Behörde habe man bereits drei Pflegekräfte als Ersatz schicken können, am Dienstag kämen noch zwei weitere dazu. Das Heim in Niedaltdorf sei ein Sonderfall. Der Träger habe keine weiteren Pflegeheime und deshalb auch keine Möglichkeit, auf die Schnelle Ersatz-Kräfte zu organisieren. Das sei bei großen Trägern wie Caritas oder Diakonie einfacher, so Unverricht.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 15.11.2020 berichtet.

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