Cambio CarSharing (Foto: Jörg Stenzhorn/Cambio)

Carsharing bleibt in Saarbrücken Nischenangebot

Kristin Luckhardt   23.08.2020 | 08:55 Uhr

Vor 20 Jahren hat der Carsharing-Anbieter Cambio die ersten zwölf Autos in Saarbrücken stationiert. Jetzt sind es 22. Ein Erfolgsmodell? Viele Experten bezweifeln den Nutzen von Carsharing, einige halten es sogar für schädlich.

Saarbrückens größter Carsharing-Anbieter Cambio betreibt in der Landeshauptstadt derzeit acht Stationen mit insgesamt 22 Fahrzeugen. Zum Start im Jahr 2000 waren es vier Stationen mit zwölf Fahrzeugen. Die Zahlen haben sich also in etwa verdoppelt.

Video [aktueller bericht, 24.08.2020, Länge: 3:07 Min.]
Bilanz nach 20 Jahren Carsharing in Saarbrücken

Damit liegt die Stadt jedoch deutlich hinter dem Bundestrend. Nach Angaben des Bundesverbands Carsharing hat sich die Zahl der Carsharing-Fahrzeuge bundesweit im gleichen Zeitraum versechsfacht. Im Städteranking des Branchenverbands lag Saarbrücken 2019 mit 0,19 Fahrzeugen je 100.000 Einwohner auf dem 60. Platz. Spitzenreiter ist Karlsruhe mit 3,23 Fahrzeugen pro 100.000 Einwohner. Dort stehen mehr als 1000 Fahrzeuge zur Verfügung.

Experten zweifeln am Nutzen

Viele Experten zweifeln inzwischen aber daran, dass Carsharing-Angebote die Verkehrssituation in den Städten wirklich verbessern. Einige warnen eher davor, dass sie zu Lasten des öffentlichen Personennahverkehrs gehen.

Das gelte nur für größere "Free-Floating-Flotten", die über Nacht in den Straßen abgestellt werden und die Parksituation eher noch verschärfen, entgegnet Cambio-Pressesprecher Arne Franke. "Bei Cambio gibt es eine Mindestbuchungsdauer der Fahrzeuge, und die Fahrzeuge kehren nach der Nutzung an die Station zurück. Diese Fahrten machen dem ÖPNV und dem Fahrrad keine Konkurrenz." In Saarbrücken seien die Kundinnen und Kunden mit den Fahrzeugen des Unternehmens durchschnittlich über acht Stunden am Tag unterwegs.

Cambio will Stationsnetz erweitern

Die Kritik der Unternehmensberatung A.T. Kearney, dass Carsharing nicht zu einem Rückgang beim Besitz von Pkws führt, kontert das Unternehmen mit eigenen Kundenumfragen, laut denen ein Cambio-Fahrzeug 13 private Fahrzeuge ersetze.

Auch den Einwand, dass Carsharing nur in Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg profitabel sei, da es insgesamt zu wenig genutzt werde, weist Cambio zurück. Nach eigenen Angaben schreibt das Unternehmen in Saarbrücken schwarze Zahlen und arbeitet wirtschaftlich. Die Gewinne würden wieder investiert, um weitere Fahrzeuge zu kaufen oder Stellplätze anzumieten.

Für die Zukunft beabsichtigt die Firma, das Stationsnetz in St. Johann und Alt-Saarbrücken um etwa vier Stationen zu erweitern. In die Außenbezirke, aus denen es gelegentlich Anfragen zur Einrichtung einer Cambio-Station gebe, könne man sich aus eigener Kraft allerdings noch nicht ausdehnen.

Ein Thema in der Sendung "aktueller bericht" am 24.08.2020.

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