Universität des Saarlandes (Foto: privat)

"Dann wäre das ganze Gebäude abgefackelt"

Das Interview führte Kai Forst   24.05.2017 | 16:20 Uhr

Ein Schwelbrand in einem maroden Uni-Gebäude verläuft glimpflich. Doch es wird deutlich: Der Brandschutz ist mangelhaft. Die Studenten sind sauer und fühlen sich nicht ernst genommen. So wie Laura S. Ihre Beschreibung des Vorfalls zeigt: Es hätte auch böse enden können.

Keine Brand- oder Rauchmelder, keine Alarmknöpfe und Feuerlöscher, die seit fast zwei Jahren nicht überprüft wurden. Ein Schwelbrand in einem maroden aber hoch frequentierten Uni-Gebäude machte deutlich, dass die Gebäude der Philosophischen Fakultät nur unzureichend geschützt sind. Doch zu interessieren scheint das niemanden. Die Universität schiebt der Landesregierung den Schwarzen Peter zu. Und die wird nicht tätig werden, bevor das Gebäude nicht grundlegend saniert wird. Die Studenten, die mit dem mangelhaften Brandschutz lernen müssen, sind sauer. So wie Laura S. (27). Die Lehramts-Studentin, die hier nicht mit ihrem richtigen Namen auftauchen möchte, beschreibt, wie willkürlich die Brandmeldung in Gebäude C 5.2 ablief.


SR.de: Sie waren im Gebäude C 5.2, als es am vergangen Freitag an der Uni brannte. Glücklichweise verlief die Sache harmlos. Dennoch sind Sie und auch andere Studenten aufgebracht. Warum?

Wir alle sind ziemlich empört darüber, dass es in einem derart baufälligen Gebäude keinen Feueralarm gibt. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet. Man muss sich mal vorstellen, wie das am Freitag abgelaufen ist. Das hätte viel schlimmer enden können.

SR.de: Wie ist es denn abgelaufen?

Ich hatte ein Seminar im Erdgeschoss. Plötzlich kamen zwei Studentinnen rein und haben gesagt, dass es offenbar brennt. So richtig ernst genommen hat das zunächst niemand, weil alle dachten, wenn es brennt, gibt es auf jeden Fall einen Feueralarm. Nach und nach haben die Studenten dann ihre Taschen gepackt. Kurze Zeit später stand die Feuerwehr mit einem Großaufgebot schon vor dem Bau.

SR.de: Zwei Studentinnen waren die Brandmelder?

Ja. Und ich glaube nicht, dass die beiden überall, also auch im fünften Stock, waren. Es gab auch noch einen dritten Studenten, der unterwegs war, um die Leute zu warnen. Das war aber alles total unkoordiniert. Das konnte man daran merken, dass nach und nach immer Leute aus dem Gebäude kamen, als die Feuerwehr schon längst mit dem Großaufgebot vor dem Gebäude stand. Die wurden mal soeben vergessen.

Alt und kaputt - die Gebäude auf dem Saarbrücker Campus

SR.de: Das Brandmelde-System durch Studenten oder Angestellte ist ihrer Meinung nach also nicht sehr zuverlässig.

Es ist meiner Meinung nach sogar sehr gefährlich. Ein Beispiel: Eine Studentin war an diesem Tag in der Institutsbibliothek. Sie arbeitet dort als wissenschaftliche Hilfskraft. Nach den regulären Öffnungszeiten muss die Bibliothek abgeschlossen werden, auch wenn die Hiwis dort noch arbeiten. Sie hatte Kopfhörer auf und beim Arbeiten Musik gehört. Die hat nichts mitgekriegt. Erst als sie aus dem Fenster geschaut hat, ist ihr klar geworden, dass was nicht stimmt. Falls also jemand an die Tür der Bibliothek geklopft hat, hat sie es nicht gehört. Und da abgeschlossen war, hat man von außen wohl gedacht, da ist niemand drin.

SR.de: Wie haben die Studenten reagiert, die „vergessen“ wurden?

Einige sind verwundert, andere wirklich empört. Sie gingen eben fest davon aus, dass es in so einem Fall einen Alarm gibt. Was mich besonders ärgert ist, dass es in dem Gebäude noch nicht mal Alarmknöpfe gibt, mit denen man die Feuerwehr rufen kann. Ich habe zumindest keine gefunden. Auch keine Rauchmelder. Es gibt gar nichts. Ich frage mich, was passiert wäre, wenn das nicht mitten am Tag passiert wäre, sondern irgendwann abends oder am Wochenende. Dann wäre wahrscheinlich das ganze Gebäude abgefackelt, weil keiner das Feuer bemerkt hätte, um die Leute zu warnen.

SR.de: Auf unsere Anfrage hin teilte uns die Uni mit, dass es sich nicht lohne aufwendig in den Brandschutz zu investieren, weil der Bau ohnehin im nächsten Jahr saniert werden soll.

Wir Studenten sind uns alle darüber im Klaren, dass Geisteswissenschaftler kein Geld für die Uni einbringen und man daher auch kein Geld für uns ausgibt. Es gibt Risse in den Wänden, riesige Schimmelflecken, bei allen Lampen fehlen eigentlich die Abdeckungen. Es kam auch schon öfter vor, dass die alten Neonröhren angefangen haben zu qualmen und zu stinken. Aber dass man da nicht irgendetwas nachrüsten will, da fühle ich mich schon verarscht. Auch wenn der Bau mal irgendwann renoviert werden soll. Es geht doch um die Sicherheit der Leute.

Über dieses Thema wurde auch in "aktuell" vom 24.05.2017 berichtet.

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