Botanischer Garten Saarbrücken (Foto: Universität des Saarlandes, Saarbrücken)

Fehlende Vision für früheren Botanischen Garten

Kai Forst   02.11.2019 | 09:09 Uhr

Seit dreieinhalb Jahren ist der Botanische Garten der Saar-Uni geschlossen. Pläne für eine alternative Nutzung des Geländes hat die Uni bislang nicht. AStA und Studentenwerk nutzen das als Chance für kleine Projekte im Sinne der Nachhaltigkeit.

Der Aufschrei war groß, als der Botanische Garten damals seine Pforten schließen musste. 500.000 Euro jährlich – so viel kostete der Unterhalt des Gartens und seiner Pflanzen. Zu viel für die klamme Uni, deren Etat von der Landesregierung gedeckelt wurde. Man zog die Reißleine und machte die 1952 eröffnete Einrichtung mit seinen über 2000 Pflanzenarten dicht. Für Forschung und Lehre werde der Botanische Garten seit Jahren nicht mehr gebraucht, teilte damals die Uni mit.

Seitdem ist das Saarland das einzige Bundesland ohne eine Einrichtung dieser Art. Und die Saar-Uni die einzige Volluniversität ohne ein solches Aushängeschild. Doch was passiert eigentlich mit dem Gelände, das jahrzehntelang Heimat so vieler unterschiedlicher Pflanzen war? Laut der Saar-Uni nicht viel. Derzeit werde die Fläche nicht weiter genutzt und mittelfristig gebe es auch keine weiteren Pläne, teilte ein Sprecher mit.

Außenanlage wird gepflegt

Die Außenanlagen würden, wie alle anderen Grünflächen auf dem Campus auch, gepflegt und so den Besucherinnen und Besuchern das Gelände weiterhin zugänglich gemacht. Die ehemaligen Büroräume des Teams des Botanischen Gartens seien indes voll belegt. „Darin befinden sich die Büros von Teilen des Facility Managements, das mit der Grünpflege betraut ist. Außerdem sind beispielsweise eine Gärtnerin sowie ein Baumpfleger darin untergebracht", so der Sprecher.

Gemüsebeete im Sinne der Nachhaltigkeit

So ganz brach liegt die Fläche aber doch nicht, auch wenn es an offiziellen Plänen mangelt. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) und das Studentenwerk nutzen Teile des Geländes im Sinne der Nachhaltigkeit. Unter dem Titel „studentische Gärten“ haben sowohl Studierende als auch Mitarbeiter der Universität die Möglichkeit, in Kleingruppen Beete anzulegen und zu bewirtschaften. Ob Auberginen, Kartoffeln, Spinat, Mangold oder Kräuter. Die einzelnen Gärtner seien frei in ihrer Entscheidung, sagt Ylva Kroke vom Nachhaltigkeitsreferat des AStA.

Mit dem Projekt habe man dem brach liegenden Botanischen Garten wieder etwas mehr Leben einhauchen wollen. Außerdem wolle man die Menschen dazu anzuregen, sich wieder mehr damit auseinanderzusetzen, wo das Essen auf ihrem Teller eigentlich herkommt. „Die Erfahrung, den gesamten Prozess vom Säen bis zum Ernten mitzuerleben, und auch mitzukriegen, wie lange das dauert und was dafür alles vonnöten ist, haben viele unserer Gärtnerinnen und Gärtner vorher so noch nicht gemacht.“

Bienen produzieren Uni-Honig

Neben den Gemüsebeeten sind inzwischen auch Tiere in den früheren Botanischen Garten eingezogen. Denn seit dem vergangenen Sommersemester sind vier Honigbienenvölker dort beheimatet. Imkerin und Biologin Susanne Meuser betreut den sogenannten Lehrbienenstand und bietet Kurse für all jene an, die sich für das Imkern interessieren. Die ersten beiden Kurse starteten im vergangenen April und waren ein voller Erfolg. „Der Ansturm war riesig. Wir hatten Studierende aus allen möglichen Fachrichtungen aber auch viele Nicht-Studierende. Auch ein elfjähriger Schüler hat mit seiner Mutter teilgenommen.“

Unschöner Nebenaspekt: Schon mehrfach wurden Bienen gestohlen – und zwar vor allem die Königinnen. „Das müssen andere Imker gewesen sein“, ist sich Meuser sicher. „Ohne Königin kann ein Bienenvolk nicht richtig funktionieren.“ In der Folge habe man die Sicherung der Bienenstöcke intensiviert. Der produzierte Honig geht ans Studentenwerk, das die Lehrbienenstände finanziert hat, und wird in der Mensa als Uni-Honig verkauft. Im kommenden Sommersemester soll es dann die nächsten Kurse geben.

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