Zwei Menschen auf einem Tandem fahren auf einem Radweg. Der blinde Adrian Schmitz (hinten, rote Jacke) trainiert für den Jakobsweg. (Foto: SR Fernsehen)

Blinder Saarländer will mit Rad nach Santiago de Compostela

Alexander M. Groß   28.01.2020 | 06:34 Uhr

Adrian Schmitz aus Merzig-Besseringen will mit dem Tandem auf Pilgerreise gehen. Und das, obwohl er seit einem Verkehrsunfall Anfang der Neunzigerjahre blind ist. Bei seiner Unternehmung sammelt er auch noch Geld für einen guten Zweck.

Nach Santiago de Compostela wollen viele. Pilgern und dabei zu sich selbst finden ist seit Jahren schwer in Mode. Auch Adrian Schmitz aus Merzig-Besseringen hat das vor, für ihn ist es aber eine ganz besondere Reise: Seit einem Verkehrsunfall Anfang der Neunzigerjahre ist Schmitz blind. Das hält ihn aber nicht von seiner Rad-Pilgerreise auf dem Tandem ab.

Video [aktueller bericht, 27.01.2020, Länge: 3:37 Min.]
Blind auf dem Jakobsweg

Auf die Idee hat ihn das Buch "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling gebracht, sagt Schmitz. "Als ich das Buch gehört habe, habe ich mir gedacht: Wie könnte ich das auch machen?”

Aus der Depression zum wohltätigen Verein

Schmitz ist voller Tatendrang - doch das war nicht immer so. "Mein Unfall war 1991 und ich hatte dann 15 sehr schlimme Jahre. Als ich 2006 mit meiner Frau in Urlaub war, sind wir auf der Rückfahrt an meiner Unfallstelle vorbeigefahren. Dort habe ich dann all meine Depressionen liegen lassen - genau wie mein Augenlicht."

Später begann er, anderen Menschen zu helfen. Rund 250.000 Euro hat Adrian Schmitz so bereits gesammelt. Dazu gründete er 2012 den Verein Herzensengel. Der unterstützt beispielsweise eine Familie im Nachbarort mit mehreren 10.000 Euro beim behindertengerechten Umbau ihres Hauses und mit einem rollstuhltauglichen Auto. Anderen ermöglicht er eine teure Delphintherapie.

Trainieren für die Tour

Auch auf der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela will Schmitz vom Fahrradsattel aus wieder Gelder sammeln. Bis zum Start der rund 600 Kilometer langen Tour durch Frankreich und Spanien wird trainiert. Einige Mitstreiter auf dem Tandem oder Fahrrad hat Schmitz schon gefunden. Alle zusammen wollen mit einem Bus und Anhänger am 12. September starten.

Und es gibt sogar noch Plätze: "Insgesamt sind im Bus noch zehn Plätze frei und fünf Fahrradfahrer können noch mitfahren", sagt Schmitz. Ob blind oder sehend, ist für die Teilnahme erst mal egal - nur gut trainiert sollte man für die Tour schon sein.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht im SR Fernsehen am 27.01.2020 berichtet.

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