Werbung für den Schnäppchentag "Black Friday"  (Foto: picture alliance / Alba Vigaray / EPA / dpa)

Zwischen Schnäppchen und Konsumverzicht

Linda Grotholt   29.11.2019 | 06:30 Uhr

Immer mehr Deutsche gehen am Black Friday und am Cyber Monday gezielt auf Schnäppchenjagd. Rabattversprechen im Netz und in den Geschäften sollen zum schnellen Kauf verführen. Gleichzeitig rufen Organisationen wie Greenpeace zum Konsumverzicht auf.

„Top-Angebote“, „die besten Deals des Jahres“ oder „satte Rabatte“ – mit großen Versprechen locken die Händler am Black Friday und am Cyber Monday in die Geschäfte und zum Onlineshopping. Der Black Friday kommt ursprünglich aus den USA und ist der Tag zwischen Thanksgiving – also dem Erntedankfest – und dem darauffolgenden Wochenende im November. Am Montag danach werben Onlineshops mit dem Cyber Monday, dem Start des Weihnachtsverkaufs.

Video [aktueller bericht, 29.11.2019, Länge: 2:38 Min.]
Kauf-Nix-Tag oder Black Friday?

Seit einer ersten Black-Friday-Aktion von Apple im Jahr 2006 wird der Aktionstag auch in Deutschland von Jahr zu Jahr immer beliebter – nicht nur bei den Schnäppchenjägern, sondern auch bei den Shops. Die hohe Kaufbereitschaft beschert den meisten Geschäften gute Einnahmen: In diesem Jahr rechnet der Handelsverband Deutschland mit einem Umsatz von 3,1 Milliarden Euro. Das wäre ein Plus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Im Saarland macht jeder dritte Händler mit

Wie halten es die Saarländer mit den Black-Friday- und Kauf-Nix-Tagen?
Audio [SR 3, Felix Schneider, 29.11.2019, Länge: 03:22 Min.]
Wie halten es die Saarländer mit den Black-Friday- und Kauf-Nix-Tagen?

Einer Befragung des saarländischen Einzelhandelsverbandes zufolge haben im vergangenen Jahr 29,4 Prozent der stationären Händler am Black Friday teilgenommen, sagt Hauptgeschäftsführer Fabian Schulz. Während die Zahl der teilnehmenden Geschäfte in Deutschland allgemein von Jahr zu Jahr zunehme, habe er aber das Gefühl, dass dies im Saarland nicht der Fall sei.

Ein Grund dafür: Die Reaktionen der Kunden auf die Rabattaktionen. Die seien nicht so überschwänglich gewesen wie erwartet: „Hier im Saarland haben gerade mal 27,2 Prozent der Händler den Eindruck, dass die Kundenreaktion auf den Black Friday innerhalb der letzten Jahre zugenommen hat“, erläutert Schulz. Als Erklärung führt er an, dass der Black Friday in Deutschland nach wie vor eher ein Onlinephänomen sei.

Preisdifferenzen eher gering

Black Friday und Cyber Monday locken in die Schnäppchenfalle
Audio [SR 1, Kerstin Mark, Christian Balser, 25.11.2019, Länge: 02:41 Min.]
Black Friday und Cyber Monday locken in die Schnäppchenfalle

Wie sehr man als Kunde wirklich von den Aktionstagen profitiert, ist umstritten. Viele der Sparpreise, mit denen Händler am Black Friday werben, beruhen laut Verbraucherzentrale auf der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers (UVP). „Unsere Stichproben zeigen, dass diese Preise beim Händler vorher gar nicht genommen wurden“, erklärt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Das heißt also: Wo 50 Prozent und mehr versprochen wurden, sind im Endeffekt nur 20 Prozent oder viel weniger reduziert worden.“

Zudem empfiehlt die Verbraucherzentrale, vor dem Onlinekauf die Preise zu vergleichen und dafür mindestens zwei verschiedene Suchmaschinen zu benutzen. Darüber hinaus sollten sich Käufer nicht unter Druck setzen lassen: Ablaufende Uhren oder kleiner werdende Lagerbestände seien nur „psychologische Folterwerkzeuge, die gerne eingesetzt werden, damit auf den Kaufen-Button gedrückt wird“, so Tryba. „Im Internetzeitalter kann man an jedem Tag ein Schnäppchen machen."

Kritik am Konsumverhalten

Um dem übermäßigen Konsum am Black Friday entgegenzutreten, hat sich in einigen Staaten der „Kauf-Nix-Tag“ etabliert. Ursprünglich wurde er 1992 in Kanada ins Leben gerufen, in Deutschland wird er am Samstag nach dem Black Friday organisiert. Auch in Saarbrücken gibt es an diesem Samstag eine Aktion von Attac Saar, Fuss e.V. und Greenpeace Saar: Vor der Europagalerie wollen die Organisationen zu bewussterem Konsum aufrufen und darüber informieren.

Interview zum Black Friday: "Alles in der Natur hält inne, nur wir glauben, wir müssen aufdrehen"
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 26.11.2019, Länge: 02:33 Min.]
Interview zum Black Friday: "Alles in der Natur hält inne, nur wir glauben, wir müssen aufdrehen"

„Der Einzelne kann zur Energie-, Verkehrs- und Agrarwende viel beitragen, indem er sich informiert und bewusst nur das konsumiert, was er wirklich braucht und es ökologisch vertretbar produzieren lässt“, sagt Michaela Couturier, Pressesprecherin der Greenpeace Gruppe Saar. Teilen, schenken und tauschen anstatt Neues zu kaufen – „das kann alles sehr viel Spaß machen, wenn man es mit dem Bewusstsein macht, meinem Erdball und meinen Mitmenschen möglichst wenig zu schaden.“

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