Ein Priester hält einen Rosenkranz und ein Schreiben in der Hand (Foto: dpa/Jochen Lübke)

Priester aus Klerikerstand entlassen

  13.05.2022 | 12:35 Uhr

Nach wiederholtem sexuellem Missbrauch hat der Papst einen Ruhestandspriester aus dem Bistum Trier aus dem Klerikerstand entlassen - die Höchststrafe für Geistliche im Kirchenrecht. Der Mann soll in Deutschland und als Auslandsseelsorger über Jahrzehnte hinweg Missbrauchstaten begangen haben.

Bereits 1994 war der Priester von einem Gericht im Saarland wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Ende der 1990er Jahre habe er sich bei einem pastoralen Einsatz im Ausland erneut des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht, teilte das Bistum Trier am Freitag mit.

Papst erlaubt Entlassung

Nun habe Papst Franziskus dem Antrag des Priesters im Ruhestand auf Entlassung entsprochen, so das Bistum weiter. Damit komme es zu keinem weiteren kirchlichen Strafverfahren, da der Betroffene die Schuld anerkenne und moralisch wie finanziell Verantwortung für schwere Straftaten übernehmen wolle.

Anfang dieses Jahres stellte eine kirchenrechtliche Voruntersuchung "mehrfachen, teils schweren sexuellen Missbrauch" fest, der sich auf Fälle in den späten 1970er bis Anfang der 1990er Jahre bezog. Diese Fälle waren nach Angaben des Bistums erst nach Meldungen von Betroffenen in 2021 bekannt geworden.

Kein kirchliches Strafverfahren

Die Staatsanwaltschaft wurde informiert, stellte die Verfahren aber wegen Verjährung ein. Als nächstes wäre ein kirchliches Strafverfahren angeordnet worden: Dem ist der Mann aber mit der Bitte auf Entlassung nun zuvorgekommen.

Seit 2014 Berufsverbot

Der Ruhestandspriester durfte nach einem ersten kirchlichen Strafverfahren bereits seit 2014 seinen Dienst nicht mehr ausüben und hatte ein Kontaktverbot zu Kindern und Jugendlichen bekommen. Zudem durfte er das Gebiet seiner Diözese nicht verlassen und bekam seine Bezüge gekürzt. Die nun erfolgte Entlassung aus dem Klerikerstand bedeutet kirchenrechtlich die "weitestgehende Strafe".

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 13.05.2022 berichtet.

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja