Blick auf eine Kirche im Regenwetter (Foto: IMAGO / Kirchner-Media)

513 von Missbrauch Betroffene im Bistum Trier

mit Informationen von Oliver Buchholz   25.08.2022 | 17:30 Uhr

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier hat ihren Zwischenbericht vorgestellt. Demnach wurden zwischen den Jahren 1946 und 2021 insgesamt 513 Betroffene und 195 Täterinnen und Täter erfasst.

Ein gutes Jahr nach ihrem Start hat die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier erste Ergebnisse vorgestellt.

Bistum ignorierte Warnungen des Täters

Im Bericht schildert die Aufarbeitungskommission exemplarisch zwei Fälle aus den 1950er und 1960er Jahren von Priestern, die, obwohl Straffälligkeiten bekannt waren immer wieder versetzt und sogar in Schulen und der Seelsorge mit Kindern eingesetzt wurden. In einem Fall habe der straffällige Priester sogar selbst vor seinen Neigungen gewarnt, das Bistum hat die Warnungen ignoriert.

Insgesamt wurden von der Kommission 513 Betroffene und 195 Täterinnen und Täter erfasst. Die Fälle haben sich zwischen den Jahren 1946 und 2021 ereignet.

Video [aktueller bericht, 25.08.2022, Länge: 3:02 Min.]
513 von Missbrauch Betroffene im Bistum Trier

Opfer sollten Akteneinsicht bekommen

Im Bericht kritisiert die Aufarbeitungskommission das Bistum. Opfer sollten endlich die Akten mit ihren Fällen einsehen dürfen.

Die Kommission hat 2021 ihre Arbeit aufgenommen, sie spricht mit Opfern und vergleicht deren Berichte mit Bistumsakten. Ziel ist es, Missbrauchsfälle zu erheben und zu analysieren, wie Verantwortliche und speziell Bischöfe mit den Tätern umgegangen sind. Auch mögliche Strukturen, die die Aufdeckung von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen erschwert haben, sollen in den Blick genommen werden.

Parallel zur Aufarbeitungskommission arbeitet die Universität Trier eigenverantwortlich an einer historischen und einer psychologischen Studie zu den Ausmaßen und Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier.

Verurteilte Priester in Krankenhäusern eingesetzt

Einen Tag vor Veröffentlichung des Berichts hatten neue Recherchen der Zeit-Beilage "Christ und Welt" für Aufsehen gesorgt. Danach sind wegen Sexualdelikten verurteilte Priester – unter anderem aus dem Saarland – in der Krankenhausseelsorge eingesetzt worden, und zwar auch in Kliniken mit Kinderstationen.

Und das ausgerechnet unter der Leitung des Bischofs Stephan Ackermann, der seit 2010 als Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche eigentlich für Aufklärung sorgen soll.

Ackermann will Hinweise aufnehmen

Ackermann sagte, er nehme die Empfehlungen und Hinweise aus dem Zwischenbericht gerne an. Er werde mit dem Diozesan, dem Beraterstab und dem Betroffenenbeirat beraten, wie sie umzusetzen sind. "Trotz diverser Studien und Aufarbeitungsberichte, die schon vorliegen, gibt es für die Problematik des sexuellen Missbrauchs im Bereich der Kirche nach wie vor Forschungsbedarf", so Ackermann. Deshalb begrüße er auch die von der Kommission auf den Weg gebrachte Studie, die eine historische und eine psychologische Teilstudie umfasst.

Erster Zwischenbericht zum sexuellen Missbrauch im Bistum Trier
Audio [SR 3, Moderation: Simin Sadeghi, 25.08.2022, Länge: 03:48 Min.]
Erster Zwischenbericht zum sexuellen Missbrauch im Bistum Trier

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten am 25.08.2022.

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