Die Straßenbahn in Neunkirchen, Linie 2 zum Hauptbahnhof, 1978 (Foto: Sammlung Alex Reuther/klaus Ruhkopf)

Als die Straßenbahn durch Neunkirchen fuhr

  15.11.2018 | 06:30 Uhr

Mehr als 70 Jahre lang gab es in der Hüttenstadt eine Straßenbahn. Doch vor 40 Jahren war Schluss. Statt Straßenbahnen fuhren nur noch Busse. Ein neuer Bildband erinnert an die Zeit des Straßenbahnbetriebs auf Deutschlands steilster Tramstrecke.

Begonnen hatte alles am 10. September 1907. An diesem Tag wurde die 5,3 Kilometer lange Strecke von Neunkirchen nach Wiebelskirchen eröffnet. Zwischen 1927 und 1931 folgten weitere Linien, unter anderem nach Spiesen, Sinnerthal, Landsweiler und Reden. Insgesamt war das Netz damit 19 Kilometer lang.

Deutschlands steilste Straßenbahnstrecke

Die Straßenbahn in Neunkirchen (Foto: Sutton-Verlag)
San Francisco oder Neunkirchen? In der früheren Hüttenstatt musste die Straßenbahn die steilste Strecke Deutschlands bewältigen.

In der Hüttenbergstraße mussten die Straßenbahnen eine Steigung von 11,07 Prozent überwinden – nirgendwo in Deutschland gab es eine Straßenbahnstrecke mit größerer Steigung. Das war nicht ganz ungefährlich. Mehrmals gab es Unfälle, unter anderem weil Bahnen zu schnell waren und entgleisten. 1959 kamen bei einem Unfall zwei Menschen ums Leben.

Die Neunkircher Straßenbahn - ein Bildband
Audio [SR 3, Florian Mayer, 23.11.2018, Länge: 03:15 Min.]
Die Neunkircher Straßenbahn - ein Bildband

Die Steigung war aber auch der Grund, warum die Straßenbahn bis 1978 in Betrieb blieb und nicht wie zum Beispiel in Saarbrücken schon in den 1960er Jahren stillgelegt wurde. Eine Steigung von 11,07 Prozent galt damals noch als unüberwindbar für Busse. Erst als Mitte der 1970er Jahre leistungsstärkere Busse zur Verfügung standen, war das Ende der Straßenbahn auch in Neunkirchen besiegelt.

Rund 140 Fotos im Buch

In dem neuen Bildband „Die Straßenbahn in Neunkirchen“ von Roland Priester und Stephan Lücke sind rund 140 Fotos zu sehen, die zum Teil erstmals veröffentlicht werden. Sie stammen aus öffentlichen und privaten Sammlungen. Sie zeigen die Anfangsjahre, den stetigen Ausbau des Netzes und den emotionalen Abschied von der Bahn im Jahr 1978. Das Buch erscheint im Sutton-Verlag.

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