Neben einem positiven Covid 19 Antigen Schnelltest liegt eine Mundschutzmaske. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer)

Was im Coronajahr 2022 wichtig war

Anne Staut   07.01.2023 | 08:48 Uhr

Nach fast drei Jahren Pandemie hat sich die Lage inzwischen deutlich entspannt. Der bundesweit bekannte Virologe Christian Drosten hält die Pandemie sogar für beendet. Wir blicken zurück auf das letzte Coronajahr zwischen Lockerungen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und neuen Spitzenwerten.

2020 hat das Coronavirus die Welt auf den Kopf gestellt. Ende Januar wurde der erste Fall in Deutschland bestätigt, am 3. März 2020 war es dann auch im Saarland soweit.

Nach Lockdowns, Maskenpflicht und G-Regeln sind inzwischen nahezu alle Beschränkungen aufgehoben. Die letzten verbliebenen Impfzentren im Saarland haben Ende Dezember ebenfalls dauerhaft ihre Türen geschlossen. Grund ist die sinkende Nachfrage nach Corona-Impfungen.

Jürgen Rissland: „Ein Ende der Maßnahmen ist in Sicht“
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 27.12.2022, Länge: 03:06 Min.]
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Angesichts der Entwicklung der Pandemie halten auch Saar-Mediziner verpflichtende Maßnahmen wie etwa die Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr für unbedingt nötig.

Der deutschlandweit bekannte Virologe Christian Drosten erklärte an Weihnachten sogar, dass die Pandemie aus seiner Sicht vorbei sei. Vor diesem Hintergrund werfen wir noch einmal einen Blick zurück auf das voraussichtlich letzte Coronajahr.



So viele Infektionen und Patienten wie nie zuvor

Bereits zu Beginn des Jahres 2022 zeichnete sich ab, dass die Omikronvariante für sehr hohe Inzidenzen sorgen würde. Tatsächlich stieg die saarlandweite Inzidenz am 23. März mit 2278,5 auf einen neuen Spitzenwert. Einen großen Anteil hatte daran auch die damals neue Omikron-Variante BA.2.

Im Oktober stiegen die Coronazahlen bundesweit wieder stark an. Im Saarland war die Inzidenz dabei mit Abstand am höchsten.

Die Zahl der Todesfälle lag mit 770 auf einem ähnlichen Niveau wie 2021. Damals wurden insgesamt 780 Coronatote registriert. Mit Blick auf die Zahl der Infektionen sei der Anteil der Verstorbenen aber signifikant zurückgegangen, teilte das saarländische Gesundheitsministerium auf SR-Anfrage mit.

So habe es 2021 insgesamt 75.680 bestätigte Coronafälle gegeben, 2022 waren es insgesamt 383.770. Der Anteil der Verstorbenen an den gemeldeten Fälle lag damit 2021 bei über einem Prozent, 2022 bei 0,2 Prozent.

So viele Corona-Patienten wie noch nie
Audio [SR 3, Simin Sadeghi / Philipp Lepper, 11.10.2022, Länge: 02:43 Min.]
So viele Corona-Patienten wie noch nie

Bemerkbar machten sich die hohen Infektionszahlen in den Krankenhäusern. Die Zahl der Coronapatienten kletterte auf einen neuen Höchststand. Am 18. Oktober lagen laut Gesundheitsministerium 633 Patientinnen und Patienten in saarländischen Kliniken. Die Infektion mit dem Virus war dabei in vielen Fällen aber nur ein Nebenbefund.

Auch das Ministerium weist daraufhin, dass die Krankheitsverläufe insgesamt weniger schwer gewesen seien. Die Coronasituation auf den Intensivstationen habe sich ebenfalls entspannt.

Grund dafür seien die im bundesweiten Vergleich hohen Impfquoten bei der Zweit- und Drittimpfung im Saarland. Das und die stetig steigende Immunisierung innerhalb der Bevölkerung hätten auch die Lockerungen ermöglicht, die 2022 getroffen wurden.

Lockerungen ab dem Frühjahr

Ab 3. April fiel ein Großteil der Beschränkungen weg. Es galt nur noch der Basisschutz des Infektionsschutzgesetzes, der vor allem eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Einrichtungen mit besonders gefährdeten Personen vorsah.

Die 3G-Regeln entfielen, ebenso 2Gplus-Regeln in Discos und Clubs. Bestehen blieb hingegen zunächst noch die Testpflicht in bestimmten Einrichtungen wie Schulen. Diese wurde Anfang Mai aufgehoben.

Zudem wurde dann auch die Isolationspflicht auf fünf Tage reduziert. Seit Anfang Dezember gibt es gar keine Isolationspflicht mehr. Außerhalb der eigenen Wohnung gilt für Infizierte mit wenigen Ausnahmen seither eine FFP2-Maskenpflicht für mindestens fünf Tage.

Hinweise auf Ursache für PIMS und Herzmuskelentzündung

Warum entsteht die Krankheit PIMS und wie kommt es zu Herzmuskelentzündungen nach der Coronaimpfung? Den Antworten auf diese Fragen kamen die Wissenschaftler im vergangenen Jahr einen guten Schritt näher.

Im Mai fand ein Forscherteam unter anderem der Uniklinik Homburg Hinweise darauf, wie die Entzündungserkrankung "Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome" (PIMS) entsteht. Ursache sind offenbar sogenannte Autoantikörper, die die natürliche Entzündungsregulation im Körper verhindern.

In seltenen Fällen treten nach einer Coronaimpfung mit RNA-Impfstoffen Herzmuskelentzündungen auf. Auch dafür sind offenbar die gleichen Antikörper verantwortlich, die auch bei den PIMS-Patienten gefunden wurden. Das ist das Ergebnis der Forschungen eines Teams, zu dem auch Mediziner der Uniklinik gehören.

Streit um Impfpflicht und Bürgertests

Auch im Jahr 2022 wurde weiterhin über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht diskutiert. Im April fiel dann die Entscheidung: Eine allgemeine Impfpflicht wird es nicht geben. Das Ergebnis rief Ärger und Verständnis hervor.

Erhalten blieb die Impfpflicht für medizinisches Personal, die im Saarland jedoch zunächst nicht umgesetzt wurde. Erst ab Ende Oktober wurden erste Tätigkeitsverbote ausgesprochen.

Ein Streitthema waren auch die Bürgertests, die im Saarland seit Ende Juni nur noch unter bestimmten Bedingungen kostenlos sind. Kritik gab es unter anderem von Datenschützern, die durch die neuen Corona-Testregeln die Privatsphäre verletzt sahen.

Gestritten wurde auch über die Abrechnung der Tests. Die Kassenärztlichen Vereinigungen lehnten diese ab. Sie begründeten das mit der größeren Betrugsanfälligkeit der neuen Testverordnung. Damit stand kurzzeitig das gesamte System auf dem Spiel. Letztlich konnte jedoch eine Einigung erzielt werden.

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Skandal um Testbetrug

Rund um die Abrechnung der Tests wurde im Sommer zudem auch ein Skandal bekannt. In mehreren Testzentren waren offenbar mehr Tests abgerechnet worden als durchgeführt wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelte damals in drei Fällen.

Inzwischen hat sich der Skandal deutlich ausgeweitet. Der Schaden geht in die Millionenhöhe. Auch die Kassenärztliche Vereinigung befasst sich mit der Aufarbeitung des Betrugs.


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