Urlauber stehen neben ihren Koffern in einer Schlange. (Foto: picture alliance/Arne Dedert/dpa)

Viele Fluggastbeschwerden wegen Corona

Anne Staut   18.07.2021 | 10:05 Uhr

Wegen der Coronapandemie sind im vergangenen Jahr zahlreiche Beschwerden bei der Verbraucherzentrale des Saarlandes eingegangen. Vor allem die Rechte von Reisenden wurden missachtet. Ärger gab es aber auch mit ausgefallenen Veranstaltungen und Online-Shops.

Durch die Coronapandemie sind viele Veranstaltungen ausgefallen, Kurse konnten nicht stattfinden, Reisen mussten abgesagt werden. Nicht immer war klar, für welche Verträge trotz der Corona-Maßnahmen Kosten anfallen und für welche nicht, oder wann die Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Geld zurückfordern konnten, wann eine Gutscheinlösung akzeptieren mussten. Diese Unsicherheit bekam auch die Verbraucherzentrale des Saarlandes zu spüren.

Geld zurück für ausgefallene Flüge?

Viele Beschwerden gab es zum Thema Flugreisen, sagt die Juristin Eva Ludwig von der Verbraucherzentrale des Saarlandes. Statt den Reisenden das Geld für von den Fluggesellschaften annullierte Flüge zurückzuerstatten, hatten die Fluggesellschaften vielfach versucht, den Verbraucherinnen und Verbrauchern Gutscheine anzubieten. Dieses Verhalten hatte der Europäische Rechnungshof zuletzt auch als Missachtung der Verbraucherrechte gerügt.

Bis jetzt laufe die Rückerstattung schleppend, erzählt Eva Ludwig von der Verbraucherzentrale des Saarlandes. Auch jetzt noch würden sich viele Kunden an die Verbraucherschützer wenden, weil sie ihr Geld für ausgefallene Reisen im vergangenen Jahr noch nicht zurückerhalten haben.

Viele Anfragen zu Pauschalreisen

Die Fluggastrechte sind über eine europäische Verordnung geregelt: Die Flugreisenden haben demnach ein Wahlrecht, so Ludwig. Sie müssten sich nicht mit einem Gutschein zufrieden geben, sondern könnten darauf bestehen, das Geld zurückerstattet zu bekommen. Die Verbraucherzentrale unterstützt die Reisenden und schreibt die Fluggesellschaften an, um das Geld zurückzufordern. In vielen Fällen habe das auch geklappt, sagt die Juristin.

Viele Fragen gab es auch zum Thema Pauschalreisen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher ließen sich etwa dahingehend beraten, wie sie mit bereits gebuchten Reisen umgehen sollten – zum Beispiel, ob sie sie selbst stornieren oder lieber abwarten sollten.

Neben dem Reiserecht waren auch Freizeitaktivitäten Inhalt der Beratungen. Dabei spielte das Thema Fitnessstudio eine große Rolle, aber auch Veranstaltungen, die ausgefallen oder verschoben worden waren. Die Verbraucherzentrale des Saarlandes beriet die Kunden hier, in welchen Fällen sie ihr Geld zurückfordern konnten und wann sie sich auf eine Gutscheinlösung einlassen mussten.

Gutscheinlösung gilt noch bis Ende 2021

Wichtig war hier vor allem auch der Stichtag: 8. März 2020. Für alle Veranstaltungen, für die vor diesem Tag Karten gekauft wurden beziehungsweise für Verträge, die zuvor abgeschlossen wurden, hatten die Anbieter die Möglichkeit, statt Geld zurückzuüberweisen, ihren Kundinnen und Kunden Gutscheine anzubieten. Diese Regelung hatte die Bundesregierung im vergangenen Jahr beschlossen.

Mit einer Einschränkung: Wenn die Verbraucher den Gutschein nicht bis Ende 2021 einlösen konnten, können sie ab dem 1. Januar 2022 eine Rückzahlung verlangen. Das gilt auch, wenn etwa ein Ersatztermin für ein Konzert angeboten wurde, der Verbraucher diesen jedoch nicht wahrnehmen konnte. Der Veranstalter kann den Verbraucher nicht auf eine Teilnahme am Ersatztermin festlegen. Das sei nicht zulässig, so Ludwig.

Viele Beschwerden über Online-Shops

Auch die Beschwerden über Online-Shops haben nach Angaben der Verbraucherzentrale des Saarlandes während der Pandemie deutlich zugenommen. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher hätten im Glauben bestellt, bei einem deutschen Online-Shop einzukaufen. Tatsächlich kam die Ware jedoch aus China und das oft in minderer Qualität.

"Das Problem ist, das sind nicht diese klassischen Fake-Shops, bei denen man Vorkasse leistet und nichts bekommt, sondern da kommt tatsächlich was und zwar aus China, aber in sehr schlechter Qualität", so die Verbraucherschützerin Ludwig. Teilweise würden die Sachen nicht der Artikelbeschreibung entsprechen, Kleidung sei häufig viel zu groß oder zu klein. Manche Kundinnen und Kunden erhielten aber auch Sachen, die sie gar nicht bestellt haben. Das große Problem sei in diesen Fällen die Rückabwicklung des Kaufes.

Online-Shop genau prüfen

Die chinesischen Shop-Betreiber seien oft nicht mehr greifbar. Wenn ein Bezahldienstleister dazwischen gestaltet ist, kann die Verbraucherzentrale diese einschreiben und den Anspruch der Verbraucher verteidigen.

Die Verbraucherschützerin rät dazu, die Online-Shops vor der Bestellung genau zu prüfen. Zunächst sollten Verbraucher einen Blick auf das Impressum werfen. Außerdem könne es sich lohnen, die Namen aus dem Impressum zu kopieren und in eine Suchmaschine einzugeben und dort nach Bewertungen zu suchen, ergänzt die Juristin. "Ich hab festgestellt, dass es zu jedem Shop, auf den die Verbraucher reingefallen sind, bereits Beschwerden da waren."

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