Kurz vor Sonnenuntergang frisst ein Biber Erlenzweige. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleul)

Immer mehr Biber im Saarland

  01.05.2022 | 13:01 Uhr

Lange Zeit galt er als ausgestorben, nun ist er wieder auf dem Vormarsch: der Biber. Im Saarland gebe es „im Kernbereich schon eine erste Sättigung“, so der Umweltpädagoge und Biberexperte Rasmund Denné.

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte galt der Biber hierzulande als ausgestorben - nun erobert sich der kleine Landschaftsarchitekt seine ursprünglichen Lebensräume an Saar, Mosel, Rhein und Nebenflüssen zunehmend zurück.

Während sich Naturfreunde freuen, gibt es aber auch Konflikte mit Wiesen- und Feldeigentümern, Zerstörungen von Staudämmen sowie Strafanzeigen. Der Umweltpädagoge und Biberexperte Rasmund Denné schätzt den Bestand im Saarland auf 600 bis 700 der streng geschützten Nagetiere.

Für das größere Rheinland-Pfalz geht Stefanie Venske, Leiterin des Biberzentrums in Fischbach bei Dahn, dagegen nur von rund 300 Bibern aus.

Andere Situation in Rheinland-Pfalz

Hintergrund dieses Ungleichgewichts: In den Jahren 1994 bis 2004 sind laut Denné im Saarland 68 Tiere aus Sachsen-Anhalt ausgesetzt worden. Abwandernde Jungbiber hätten den Bestand ausgeweitet. Rheinland-Pfalz habe hingegen auf Basis eines Gutachtens beschlossen, keine Biber aktiv anzusiedeln, weil genug Nachbarregionen dies bereits täten.

„So ist es auch gekommen - viele Tiere sind in Rheinland-Pfalz eingewandert“, erklärt Denné. Im Saarland gebe es „im Kernbereich schon eine erste Sättigung“ - in Rheinland-Pfalz aber noch nicht.

Mutwillige Zerstörungen von Biberdämmen

Biberfamilien verteidigen ihre Reviere. Ihre Jungen wandern nach zwei bis drei Jahren über Flüsse ab. So kommen immer neue Biberburgen aus Ästen an Uferböschungen hinzu - die Tiere stauen als gute Baumeister Wasser auf und schaffen damit Teiche und Feuchtwiesen, die seltene und geschützte Tier- und Pflanzenarten anlocken.

Im Herbst fällen Biber bei zurückgehender Vegetation vermehrt Bäume, um an die dünnen Zweige der Krone als Futter zu gelangen. Expertin Venske kritisiert in diesem Zusammenhang mutwillige Zerstörungen von Biberdämmen. Kürzlich sei beispielsweise am Rheinufer bei Bingen ein Damm eingerissen worden und das Wasser abgeflossen. „Biber schaffen kleine Naturparadiese.“ Würden diese trockengelegt, verlören auch etwa Amphibien und Libellen Lebensräume.

Denné fordert mehr Aufklärung

Umweltpädagoge Denné sagt, betroffene Grundstückeigentümer müssten aufgeklärt und ihr Verständnis geweckt werden. „In Einzelfällen muss der Naturschutz auch mal eine Wiese weiter oben als Ausgleich anbieten. Der Biber wird nie oben auf dem Berg ohne Wasser sitzen.“

Früher sind diese Nagetiere wegen ihres begehrten Pelzes und Fleisches getötet worden. Aber auch wegen des "Bibergeils", eines Drüsensekrets, dem heilende und Potenz steigernde Wirkungen nachgesagt worden sind.

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