Justizia (Foto: Pixabay/WilliamCho)

Ein Jahr Bewährungsstrafe für Radiologen

Thomas Gerber   19.11.2019 | 12:14 Uhr

Ein Radiologe, der am Dudweiler Krankenhaus eine Gemeinschaftspraxis betrieben hatte, ist vom Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht sprach den 56-Jährigen des Abrechnungsbetrugs schuldig. Zusätzlich zu der Freiheitsstrafe verhängte das Gericht noch eine Bewährungsauflage von 5000 Euro.

Nach monatelanger Beweisaufnahme, mehr als 30 Verhandlungstagen und vielen Zeugen gab es am Ende einen Deal. Die Anklage wurde auf sieben Fälle beschränkt, der Vorwurf der Körperverletzung fiel gänzlich flach. Im Gegenzug legte der Radiologe ein Geständnis ab. Demnach hat er Röntgen- und CT-Untersuchungen gegenüber der Kassenärztliche Vereinigung (KV) geltend gemacht, die nicht persönlich von ihm erbracht worden waren. Nicht er als Mediziner führte die Anamnese durch, das geschah vielmehr per Fragebogen.

Video [aktueller bericht, 19.11.2019, Länge: 2:22 Min.]
Nachrichten

250.000 Euro Schaden

Radiologe zu Bewährungstrafe verurteilt
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 19.11.2019, Länge: 01:03 Min.]
Radiologe zu Bewährungstrafe verurteilt

Ähnlich lief es mit der sogenannten "rechtfertigenden Indikation". Danach muss gemäß Strahlenschutzverordnung zwischen dem Nutzen und dem Schaden einer radiologischen Untersuchung abgewogen werden. Auch das überließ der 56-Jährige dem Personal. Sein mitangeklagter Kollege aus der Gemeinschaftspraxis war während des Prozesses verstorben. Den Schaden, der durch die rechtswidrigen Untersuchungen entstanden war, bezifferte das Gericht auf rund eine viertel Million Euro. Die Summe wurden zwischenzeitlich an die KV zurückerstattet.

Ungewöhnlicher Abrechnungsbetrug

Trotz des relativ hohen Schadens fiel das Urteil mit zwölf Monaten auf Bewährung relativ milde aus. Das lag einerseits am Geständnis und am Jobverlust des Angeklagten, andererseits aber auch daran, dass es eine eher ungewöhnliche Form von Abrechnungsbetrug gewesen war. Normalerweise rechnen betrügerische Mediziner „Luftnummern“ ab, Leistungen also die gar nicht stattgefunden haben. Im Fall des Dudweiler Radiologen war das anders. Sein Verteidiger sprach von einem Formfehler, der seinem Mandanten strafrechtlich zum Verhängnis geworden sei.

Über dieses Thema hat auch die Rundschau auf SR 3 Saarlandwelle am 19.11.2019 berichtet.

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