Reparatur einer Wanduhr. (Foto: Felicitas Fehrer)

Reparieren gegen die Wegwerfgesellschaft

Felicitas Fehrer   04.03.2018 | 10:53 Uhr

Wenn sich an einem grauen, kalten Samstagvormittag rund zwanzig Leute mit kaputten Kaffeemaschinen, Dampfdruckreinigern und Wasserkochern auf den Weg zum Sankt Johanner Markt machen, dann ist das mehr als nur eine außergewöhnliche Aktion. Es ist der Versuch, unsere Welt ein Stückchen besser zu machen.

Jeden ersten Samstag im Monat findet im Saarbrücker welt:raum am Sankt Johanner Markt das Repair Café statt. Das Konzept ist einfach: Freiwillige reparieren kostenlos kaputte Elektrogeräte für Menschen, die nicht wissen, wohin damit. Die Idee stammt aus den Niederlanden und könnte unser Konsumverhalten von Grund auf ändern. Auch in St. Ingbert und Völklingen gibt es Anlaufstellen. Willkommen ist jeder. Das Projekt wird durch Spenden finanziert.

Heckenschere und Handmäher

Rund 20 Leute kommen dieses Mal ins Saarbrücker Repair Café, bewaffnet mit kaputten Fernsehern, Wanduhren, Schleifmaschinen und vielem mehr. "Im Sommer kommen dann die Heckenscheren", lacht Organisatorin Maria-Theresia Philipp. Aus dem Hintergrund ruft eine ältere Dame strahlend: "Ich war sogar schon mal mit Handmäher da!"

Eindrücke aus dem Repair Café

Pro Gast wird ein Gerät repariert. Bei der Ankunft im welt:raum bekommen die Gäste, ähnlich wie an der Käsetheke im Supermarkt, einen Zettel mit einer Wartenummer. Bis sie aufgerufen werden, können sie es sich in der Sitzecke bequem machen - bei einer Tasse Gratiskaffee und einem Stück Gratiskuchen.

Ehrenamtliche Reparateure

"Unsere Reparateure nehmen sich nur Geräten an, die sie auch wirklich reparieren können", sagt Philipp. "Da kann es natürlich auch mal vorkommen, dass ein Ersatzteil fehlt und der Gast dann mit Ersatzteil im nächsten Monat nochmal kommen muss. Manche Geräte sind auch hochkompliziert zu reparieren, das kriegen selbst unsere Reparateure nicht hin."

Diesmal sind drei männliche Reparateure da. Jeder von ihnen ist bestens ausgestattet mit allerhand Werkzeug. Alle wurden durch Flyer oder die Ausschreibung in der "Saarbrücker Zeitung" auf das Projekt aufmerksam. Ein Großteil aller ehrenamtlichen Reparateure ist bereits in Rente, hat früher beruflich etwas Handwerkliches gemacht und ist froh, hier wieder "friemeln" zu dürfen und anderen damit zu helfen.

Nachhaltigkeit als großes Thema

Nachhaltigkeit wird bei diesem Event groß geschrieben. "Uns ist wichtig, die Message zu verbreiten, dass die Leute nicht gleich alles wegschmeißen und neu kaufen sollen", sagt Co-Organisator Harald Kreutzer. "Viele Geräte werden heute extra so konstruiert, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sie schnell kaputt gehen. Die Leute wissen dann oft nicht, wo sie das Gerät reparieren lassen können." Und weil man heutzutage für eine Reparatur oft genau so viel zahle wie für einen Neukauf, da alles so billig sei, kauften sie es dann einfach neu.

Das Repair Café soll hier Abhilfe schaffen. Aber nicht à la "Ich gebe das Teil hier ab und komme es später wieder abholen". Stattdessen sind die Gäste beim Reparaturprozess dabei und schauen den Handwerkern über die Schulter. "Wir wollen, dass die Menschen ein Gespür dafür kriegen, wie so ein Elektrogerät von innen aussieht und wie es funktioniert. Dass es reparabel ist. Und nicht gleich weggeworfen werden muss", so Kreutzer.

Das besonders Schöne am Repair Café: die Vielfalt. Hier treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander. Und das ein oder andere Elektrogerät, das sie im Schlepptau haben, ist auch ganz schön skurril.

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