Eine Erzieherin spielt in einer Kita mit Kindern. (Foto: picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

Erzieher im Saarland besonders häufig krank

  19.04.2022 | 14:54 Uhr

Wer im Saarland in der Kinderbetreuung oder -erziehung arbeitet, hat sich 2020 laut einer Erhebung der Krankenkasse Barmer deutlich öfter krank gemeldet als Beschäftigte anderer Berufsgruppen. Psychische Erkrankungen sorgen für die Mehrzahl der Krankentage. Wegen einer Coronainfektion blieb hingegen nur ein geringer Teil der Beschäftigten zuhause.

Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen im Saarland sind Beschäftigte in der Kinderbetreuung und -erziehung besonders häufig krank. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2021 der Krankenkasse Barmer hervor.

Im Schnitt rund 30 Krankentage

Demnach waren Betreuer und Erzieher 2020 im Schnitt an rund 30 Tagen arbeitsunfähig zuhause. Über alle Berufsgruppen hinweg waren es hingegen durchschnittlich nur 21,3 Tage. Die Krankenkasse fordert deshalb, die Gesundheitsförderung dieser Berufsgruppe stärker in den Fokus zu rücken.

Im Saarland arbeiteten 2020 rund 11.000 Menschen sozialversicherungspflichtig im Bereich der Kinderbetreuung und -erziehung. Knapp 2300 von ihnen und damit rund 20 Prozent sind bei der Barmer versichert.

Viele Krankschreibungen wegen Psyche

Besonders viele Krankmeldungen gab es aufgrund psychischer Erkrankungen wie etwa Depressionen mit durchschnittlich 8,9 Krankentagen. In anderen Berufen waren es laut Barmer nur 4,7 Tage.

"Die Arbeit mit Kindern ist sehr fordernd und bringt eine hohe Verantwortung mit sich. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie dürfte die Belastungen unter anderem durch die Umsetzung von Hygienekonzepten und Notbetreuungen weiter gestiegen sein", sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

Zweithäufigster Grund für die Krankmeldungen waren Muskel-Skelett-Erkrankungen wie etwa Rückenschmerzen und Atemwegserkrankungen mit jeweils etwa fünf Arbeitsunfähigkeitstagen. Vergleichsweise gering ist hingegen der Anteil der Erkrankungen aufgrund einer Coronainfektion. Diese machten im Schnitt nur 0,1 Krankentage aus.

GEW sieht dringenden Handlungsbedarf

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat angesichts des Gesundheitsreports Entlastung für Erzieherinnen und Erzieher gefordert. Wegen des Fachkräftemangels bestehe dringender Handlungsbedarf.

Der stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Max Hewer sagte, "wir können uns nicht leisten, dass Erzieherinnen und Erzieher wegen der hohen Arbeitsbelastung den Beruf wechseln und junge Menschen gar nicht erst die Ausbildung beginnen".

Daten von bundesweit 3,8 Millionen Versicherten

Grundlage für den Barmer-Gesundheitsreport zum Krankheitsgeschehen im Jahr 2020 sind die anonymisierten Daten von bundesweit 3,8 Millionen Erwerbstätigen, die bei der Barmer versichert sind. Darunter sind 54.000 Erwerbspersonen mit Wohnsitz im Saarland. Erfasst wurden insgesamt 26 Berufsgruppen.

Der Gesundheitsbericht der regionalen Koordinierungsstelle für Betriebliche Gesundheitsförderung war im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis gekommen, dass Beschäftigte im Saarland insgesamt häufiger krank sind als bundesweit.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 19.04.2022 berichtet.

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